Sonthofen

Ein „Heiliger“ und seine Heilungsversprechen

Couplet AG

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Bild: Rainer Schmid

Couplet AG

Bild: Rainer Schmid

Musikkabarett Die „Couplet AG“ pflegt in Sonthofen die Tradition der Münchner Volkssänger – auch mit derbem Witz
10.03.2020 | Stand: 16:18 Uhr

„Sollte Euch der Virus begegnen, könnt Ihr ihn gleich zünftig begrüßen!“, schlägt Jürgen Kirner seinem Publikum im Sonthofer Haus Oberallgäu brandaktuell vor. Mit dem „chinesischen“ Refrain, den jeder der 180 Besucher, schön groß gedruckt auf grünem Zettel, an seinem Platz vorgefunden hat: „Tschingiding schnedredeng, Tschin Tschin Tschingida, Nassi Wassi Wuh, Kakadu Kakada!“

Die dazu gehörigen Nonsens-Strophen zelebriert die andere Haupt-Akteurin dieser Münchner „Couplet-AG“, Bianca Bachmann, im schwarzen Kleid. Zwei winzige Zimbeln in Händen, tuscht sie die Pausen, während seitlich die zwei Begleit-Musiker aufspielen: Bernhard Gruber am Knopfakkordeon, sowie Berni Filser, der Wuschelkopf, an der Gitarre.

Die beiden bringen musikalischen Schwung und Drive in dieses Kabarett-Quartett, das mit börsennotierten Aktien allerdings nix am Hut hat. Sondern als echt konservative Couplet-Arterhaltungs-Gesellschaft schon seit 1993 die „Brettln“ im süddeutschen Raum unsicher macht. Eine totgesagte Tradition der Münchner Volkssänger um die vorletzte Jahrhundertwende ist diese Couplet-Liedform. Und da geht’s mitunter schon mal recht derb-witzig zu: „I mecht a Herz und mit Kartoffeln / mit deiner Zung leckst mi am Oasch!“ So bescheidet der Stammgast (Kirner) im Wirtshaus die resche Bedienung (Bachmann) – als nämlich das Herz eben „aus“ ist, und sie ihm Ochsenzunge anbietet.

Rustikal mit Schlapphut verkleidet als „Heiliger von Windisch-Eschenbach“ offeriert alsdann Jürgen Kirner dem staunenden Publikum eine gelbliche Flüssigkeit im bauchigen Flascherl. Heilung bei (fast) allen Leiden verspricht „A Glaserl Eigen-Urin, gezapft vom Morgenstrahl, eingerieben oder inhaliert, hilft überall – sogar bei Schwindsucht und Haarausfall!“ Da klettert auch schon Bianca Bachmann mit einem Stamperl voll hurtig über die Bühnenrampe, betupft in den Publikums-Reihen hier und da heilend ein Ohr, eine Glatze …

Vollends „ernst“ wird’s aber bei Professor Doktor Bruckmeier und Kollegin, in weißen Halbgötter-Mänteln: „Do miaß ma operiern, und wenn Sie bloß an Schnupfn ham! Und wenn Sie ned pariern, verkauf ma Ihre Niern!“

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