Religionsgeschichte

"Expedition Bibel" im Kleinwalsertal räumt mit Vorurteilen auf

Expedition Bibel

„Maria Magdalena verkündet den Aposteln“: Buchmalerei, 12. Jahrhundert, zu sehen bei der „Expedition Bibel“ im Mesnerhaus in Hirschegg.

Bild: Markus Noichl

„Maria Magdalena verkündet den Aposteln“: Buchmalerei, 12. Jahrhundert, zu sehen bei der „Expedition Bibel“ im Mesnerhaus in Hirschegg.

Bild: Markus Noichl

Im Kleinwalsertal weiten Pfarr- und Kirchengemeinden den Blick auf das "Buch der Bücher" mit einem konfessionsübergreifenden Projekt. Was es alles bietet.
01.06.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Den Blick auf das „Buch der Bücher“ weitet das Projekt „Expedition Bibel“ im Kleinwalsertal . Noch mindestens bis zum Donnerstag, 3. Juni (Fronleichnam), ist im Mesnerhaus Hirschegg eine gleichnamige Wanderausstellung zu sehen. Weitere Ausstellungen in und bei Kirchen im Tal gehören ebenfalls zu dieser „Expedition“ – ebenso wie jüngst eine „Nacht der Kirchen“.

Sie lockte am vergangenen Freitag viele Walser, sich zu Fuß auf den Weg zu machen von der Pfarrkirche Mittelberg zur Pfarrkirche in Riezlern, erzählt Pastoralassistent Hans Suck. Er ist mit dem Besuch zufrieden, vor allem angesichts der Tatsache, dass es ein erstes Projekt nach der langen corona-bedingten Zwangspause war.

Spielerischer Zugang für Kinder

Während die unteren Tafeln in der Ausstellung im Hirschegger Mesnerhaus einen spielerischen Zugang für Kinder zur Bibel öffnen (der dann in einem Erzählzelt vertieft wird), wendet sich die obere Reihe an Erwachsene. Man erfährt, wie viele Alltags-Sprüche aus der Bibel entnommen wurden (etwa „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ Spr 26,27). Man kann selbst überlegen, in wie vielen Namen der jüdische Gottesname „El“ enthalten ist (MichaEl) und erfährt Interessantes über die spannende Geschichte des kleinen Landes, das Jahrtausende in Gefahr war, zwischen den Großmächten Ägypten und Mesopotamien zerrieben zu werden.

Als Heuchler abgewertet

Falsche Klischees aus und über die Bibel werden zurechtgerückt. Etwa das der Pharisäer. Das war eine engagierte Laienbewegung aus dem Volke, mit deren Mitgliedern Jesus gern und viel diskutierte. Die Evangelien werteten sie als Besserwisser und Heuchler ab. Allein diese Gruppe überlebte jedoch den Untergang Israels im Jahre 70 nach Christus.

Die Rolle der Frauen in der Bewegung Jesu

Mit das erstaunlichste Kapitel ist die wichtige, in zahlreichen Schriften des Neuen Testamentes belegte Rolle der Frauen in der Bewegung Jesu (siehe Römer 16, 1 - 8). Pastoralassistent Hans Suck erklärt, wie Maria von Magdala, die den Aposteln gleichgestellt ist, eine Umwertung durch Papst Gregor den Großen erlebte. Sie wird im 6. Jahrhundert mit der namenlosen Sünderin und Büßerin im Lukasevangelium gleichgesetzt und damit abgewertet (Lk 7 36ff). Erst Papst Franziskus rehabilitierte diese Frau. Ihr Gedenktag am 22. Juli entspricht einem Apostelfest.

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Auch Berührungspunkte zwischen Juden- und Christentum werden herausgearbeitet. Etwa die Parallelen zwischen dem „Vater Unser“ und dem jüdischen Kaddish-Gebet. Egal, aus welcher weltanschaulichen Richtung man kommt, wie man zu Gott steht: Das aus 73 einzelnen Schriften zusammengesetzte „Buch der Bücher“ ist und bleibt prägende Menschheits- und Kulturgeschichte.

Luther rauchgeschwärzt

Sinnlich und überquellend geht die evangelische Kreuzkirche Hirschegg an die Bibel und ihre Zeit heran. Man kann einen Papyrus betasten, an Harzen wie Weihrauch und Mastix reiben und schnuppern. Bäume des Heiligen Landes von der Akazie bis zur Zypresse werden erklärt. „Das Leben geht weiter“ heißen ein Holzschnitt und eine Kohlezeichnung von Oleg Aizman, jüdischer Künstler aus Augsburg. Weiter zu sehen sind auch die Werke von Annelore Dorn aus Augsburg über das „Hohelied der Liebe“. Der Eingangsbereich wendet sich dem Islam zu und informiert über diese so oft missverstandene Religion. Vor der Kirche warten zwei archaische, rauchgeschwärzte Holz-Skulpturen über Luther von Marco Bruckner.

In der Pfarrkirche Riezlern gibt es nach dem Gottesdienst Einblicke in die jüdische Liturgie und ihre Gegenstände, etwa die Thora-Rollen oder den siebenarmigen Leuchter „Menora“. Besichtigung gerne möglich. Anmeldung unter der Telefonnummer 0043-680/403 6825 bei Hans Suck.

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