Coronakrise

Gegen den Lockdown-Blues: Wie ein Sonthofer seine Kunden fithält

Vom Parkett ans DJ-Pult: Mit dieser Ausrüstung bietet Steffen Braun in bis zu 30 Stunden wöchentlich Online-Programme von Zumba bis zu Tanzkursen für Einsteiger. In der Spitze verfolgten im ersten Lockdown 120 Teilnehmer die Streams. Im zweiten Lockdown stellt der 49-Jährige auch kostenlose Videos zur Verfügung.

Vom Parkett ans DJ-Pult: Mit dieser Ausrüstung bietet Steffen Braun in bis zu 30 Stunden wöchentlich Online-Programme von Zumba bis zu Tanzkursen für Einsteiger. In der Spitze verfolgten im ersten Lockdown 120 Teilnehmer die Streams. Im zweiten Lockdown stellt der 49-Jährige auch kostenlose Videos zur Verfügung.

Bild: Steffen Braun

Vom Parkett ans DJ-Pult: Mit dieser Ausrüstung bietet Steffen Braun in bis zu 30 Stunden wöchentlich Online-Programme von Zumba bis zu Tanzkursen für Einsteiger. In der Spitze verfolgten im ersten Lockdown 120 Teilnehmer die Streams. Im zweiten Lockdown stellt der 49-Jährige auch kostenlose Videos zur Verfügung.

Bild: Steffen Braun

Steffen Braun bietet in seiner Tanzschule in Immenstadt rund um die Uhr Online-Angebote an. Der 49-Jährige über alternative Ideen für den harten Lockdown.
08.01.2021 | Stand: 06:45 Uhr

Es hat allmählich viel vom Murmeltiertag: Geöffnet, geschlossen, hart gearbeitet, wieder geöffnet, noch härter gearbeitet und erneut geschlossen. Das vergangene Jahr war für Steffen Braun ein ständiges Auf und Ab. Wie alle Tanzschulen, Fitnessstudios und Freizeiteinrichtungen in der Region hat die Immenstädter Tanzschule durch die Pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen etliche Rückschläge verkraften müssen. Durch enormen Mehraufwand seines Teams von „Deine Tanzschule“ konnte der 49-Jährige ein Kursangebot aus den gewohnten Bereichen der Fitnesseinheiten, Hochzeitskurse, Zumba, Aqua Zumba oder Zumba Kids sowie HipHop, Street- und Breakdance anbieten, das dem Standard zumindest ähnelt.

120 Leute beim Zumba, 40 bei den Gruppentänzen

Braun, der zudem als DJ arbeitet, begann bereits wenige Tage nach Beginn des Lockdowns im Frühjahr damit, nahezu alle Tanzkurse und Fitnesseinheiten online zu streamen. „Obwohl wir uns kaum auf die Situation vorbereiten konnten, haben wir nur knapp eine Woche gebraucht, um unseren Kunden die gesamte Palette online bereitzustellen“, sagt der Tanzlehrer, der die Einrichtung seit neun Jahren leitet. Neben den geläufigen Paartänzen, wurden auch die Fitnesstrainings sowie Zumbakurse und Solotänze in die Wohnzimmer der Kunden übertragen. In der Spitze loggten sich im ersten Lockdown gleichzeitig 120 Leute fürs Zumba ein – bei den Gruppentänzen sind es im Schnitt 40 Teilnehmer. Braun bietet bis zu 30 Stunden pro Woche an.

Dabei kam es besonders am Anfang zu Problemen während der Trainings: „Zum einen haben viele Leute zuhause nicht ausreichend Platz zum Tanzen, außerdem war die häufig schlechte Versorgung mit leistungsfähigem Internet ein Problem“, klagt Braun. Trotzdem überwiegen für den Inhaber der Schule die positiven Aspekte der digitalen Tanzstunden: „Das Schöne daran ist, dass man so mit allen kommunizieren kann und in der Lage ist, die Leute zu korrigieren.“

Im Sommer viele Voranmeldungen für "Deine Tanzschule"

Auch als es zum Sommer hin wieder erlaubt war, die Kurse wie gewohnt in den Räumlichkeiten im Schloss in Immenstadt abzuhalten, wurden einige Einheiten weiterhin gestreamt: „Wir haben zwar einen, mit über 200 Quadratmetern und sechs Metern Deckenhöhe, sehr großen Tanzsaal, trotzdem mussten wir in den beliebten Kursen mit Voranmeldungen arbeiten und die Teilnehmerzahlen beschränken“, sagt Braun. Zudem habe es vorsichtige Kunden und Leute aus Risikogruppen gegeben, die weiterhin von zuhause aus tanzen wollten. (In unserem Newsblog berichten wir über die Corona-Lage im Allgäu und der Welt)

Und doch hat die Tanzschule bei der Wiedereröffnung ein striktes Hygienekonzept eingeführt: So galt im gesamten Gebäude eine Maskenpflicht, außer im Tanzsaal. Zudem wurde auf die Abstände der Teilnehmer während der Kurse geachtet. „Wir mussten aufrüsten, haben etliche Desinfektionsspender aufgestellt, Hinweisschilder aufgehängt und auch Körbe mit Mund-Nasen-Bedeckungen hingen aus“, erzählt Braun. Außerdem wurde der große Saal nach jeder Tanzstunde gelüftet und für jeden Kurs wurden Listen geführt, um für den Fall einer Infektion die Kontakte nachvollziehen zu können. Dann kam der nächste Schlag: Anfang November musste die Tanzschule, wie fast alle Freizeit- und Sporteinrichtungen, erneut schließen. Ein herber Rückschlag für Braun, gerade in finanzieller Hinsicht: „Zurzeit haben wir zwischen einem Viertel und einem Drittel unserer gewohnten Einnahmen – bei den gleichen Ausgaben.“

Braun durchlebt alle emotionalen Extreme

Aus finanzieller, aus beruflicher, vor allem aus emotionaler Sicht ist die seit Frühjahr 2020 andauernde Situation für den Sonthofer eine Ausnahmelage. „Zwischen himmelhochjauchzend und dem Wunsch, alles hinzuschmeißen, war in den vergangenen Wochen alles dabei“, gesteht Braun. „Planbar ist im Moment nichts, außer den Dingen, die wir unseren Kunden online anbieten können.“ Dabei bietet er neben den Streams auch „On-Demand-Videos“ auf Abruf für seine Mitglieder an. Das kommt an: Bei den monatlich zahlenden Mitgliedern muss die Tanzschule bisher „so gut wie keine Austritte“ verschmerzen.

Und entsprechend bleibt der Tanzlehrer optimistisch: „Es gibt genügend Leute, die ihren Kopf in den Sand stecken. Das machen wir nicht. Unser Team gibt weiter Vollgas“, sagt der 49-Jährige. Das kann man daran erkennen, dass die Tanzschule ihr Online-Angebot im zweiten Lockdown sogar erweitert hat. „Wir wollen den Leuten etwas bieten. Deshalb können unsere Kunden mittlerweile nicht nur auf die von ihnen gebuchten, sondern auf alle Kurse zugreifen“, sagt Braun. Vielmehr bereite dem Tanzlehrer die allgemeine Gemütslage in der Gesellschaft hingegen Sorgen: „Die Menschen sind im zweiten Lockdown träger und die Gesamtstimmung hat sich enorm verschlechtert. In unseren Tanzstunden versuchen wir deshalb nur positiv zu sein und Freude zu verbreiten. Das wird auch durchweg gut aufgenommen“, glaubt der Sonthofer.

Ab 11. Januar Online-Angebot öffentlich zugänglich

Nach den jüngsten Beschlüssen von Bund und Ländern, wonach der harte Lockdown zumindest bis zum Ende Januar verlängert wird, blickt Braun mit gemischten Gefühlen auf die kommenden Wochen und Monate. „Das Streaming werden wir künftig auf jeden Fall beibehalten, da so auch alle verhinderten Leute mitmachen können“, sagt Braun. „Aber es ist unheimlich schwer, neue Kunden zu generieren.“

Des Weiteren ist nicht abzusehen, wann und unter welchen Umständen die Schule wieder ihre Pforten öffnen darf. Steffen Braun rechnet jedenfalls nicht damit, „dass wir vor März öffnen können.“ Deshalb will Braun einen Schritt weitergehen. „Ab dem 11. Januar werden wir unser gesamtes Online-Angebot öffentlich zugänglich machen, damit alle in unsere Kurse hineinschnuppern können.“ Damit es weitergehen kann, für den Moment, in dem der Murmeltiertag endet.

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