Friedhof

Grabraub im Oberallgäu entsetzt die Angehörigen

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Eine Seniorin aus Sonthofen ist erschüttert darüber, dass vom Grab ihres Bruders der Blumenschmuck gestohlen wurde. Das ist kein Einzelfall.

Bild: Matthias Wörz

Eine Seniorin aus Sonthofen ist erschüttert darüber, dass vom Grab ihres Bruders der Blumenschmuck gestohlen wurde. Das ist kein Einzelfall.

Bild: Matthias Wörz

Das ist kein Einzelfall: Kurz nach einer Beerdigung wird auf dem Friedhof eine Schale mit Blumen gestohlen. Die Hinterbliebenen sind sprachlos über den Diebstahl.
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Von Matthias Wörz
20.06.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Man stelle sich vor: Ein geliebter Mensch scheidet aus dem Leben. Bei der Beerdigung wird das Grab daraufhin mit viel Mühe und auf meist kostspielige Weise geschmückt – und am nächsten Tag sind die Blumen weg. So einen Fall hat Karin Seifert aus Sonthofen erlebt. Nach der Beerdigung ihres Bruders fehlte auf dem Grab nach kurzer Zeit plötzlich eine große Schale mit Blumen.

„Wir haben den ganzen Friedhof danach abgesucht“, sagt Seifert. Jedoch ohne Erfolg. „Also gehen wir davon aus, dass jemand den Topf gestohlen hat.“ Die 80-Jährige ist bestürzt über diesen Vorfall. „Zuerst waren wir alle sprachlos. Wir hatten eh nur so wenig Grabschmuck.“ Denn wegen der Corona-Pandemie fand die Beisetzung nur mit zehn Personen statt. „Und dann wird uns sogar noch die Schale gestohlen. Das hat mich einfach nur traurig gemacht“.

Tatsächlich sei das kein Einzelfall am Sonthofer Friedhof, sagt Kerstin Spiegelt, Pressesprecherin der Stadt. „Es kommt zwar vor, aber wir können es nicht genau beziffern. Die meisten Leute melden solche Vorfälle in der Regel nicht.“ Die tatsächliche Anzahl der Diebstähle ist also eine Dunkelziffer. Dennoch glaubt Spiegelt: „Das ist kein Riesenproblem bei uns.“

Ähnlich ist die Lage in Immenstadt. „Ein bis zweimal im Jahr werden uns solche Fälle gemeldet“, sagt Monika von Roth von der Friedhofsverwaltung. Sie ist sich jedoch auch sicher, dass es öfter vorkommt. „Aber die meisten Leute kontaktieren deshalb die Friedhofsverwaltung nicht“, sagt von Roth. Vermehrt gebe es solche Fälle um die Feiertage Ostern und Allerheiligen. Eine Zeit lang seien besonders die beliebten Stein-Engel entwendet worden.

Um einem möglichen Diebstahl vorzubeugen, hat von Roth einen Tipp für die Hinterbliebenen parat: „Schalen sollte man am besten mit einem kleinen Namensschild kennzeichnen. So können Betroffene im Falle eines Diebstahls nachweisen, dass die Schale auch wirklich von ihnen stammt.“ Sonst würde die Suche nach dem Diebesgut oftmals ins Leere laufen.

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Dominik Geißler vom Polizeipräsidium Schwaben-Südwest sagt ebenfalls, dass es schwer sei, in solchen Fällen die Täter zu finden. „Wie bei allen anderen Vergehen sind wir auch nach Diebstählen auf Friedhöfen von Zeugenaussagen abhängig“, erklärt Geißler. Das sei jedoch besonders schwierig, da die Täter oftmals in der Nacht zu dem Grabmal gehen, wenn ohnehin keiner mehr auf dem Gelände ist. Und so wird vermutlich auch Karin Seiferts Fall ungeklärt bleiben. „Jetzt bestehlen sie schon die Toten. Wie weit soll das denn noch gehen?“, sagt die 80-Jährige und fragt sich, „wer zu so etwas fähig ist“.