Serie "Sport im Wandel"

Höher, schneller, weiter: Der Basketball im Wandel der Zeit

Der Blick ist unverändert: Der Fokus gilt dem Korb – obwohl zwischen diesen beiden Bildern fast 50 Jahre liegen. Im Duell mit der UdSSR 1972 wartet mit der deutschen Nummer
12 kein Geringerer als Holger Geschwinder, der Entdecker von Dirk Nowitzki, unter dem Korb auf den Ball (links). Fünf Jahrzehnte später ist der Basketball schneller, athletischer
und dynamischer geworden. LeBron James von den Los Angeles Lakers ist der dominanteste Spieler der vergangenen zehn Jahre.

Der Blick ist unverändert: Der Fokus gilt dem Korb – obwohl zwischen diesen beiden Bildern fast 50 Jahre liegen. Im Duell mit der UdSSR 1972 wartet mit der deutschen Nummer 12 kein Geringerer als Holger Geschwinder, der Entdecker von Dirk Nowitzki, unter dem Korb auf den Ball (links). Fünf Jahrzehnte später ist der Basketball schneller, athletischer und dynamischer geworden. LeBron James von den Los Angeles Lakers ist der dominanteste Spieler der vergangenen zehn Jahre.

Bild: imago

Der Blick ist unverändert: Der Fokus gilt dem Korb – obwohl zwischen diesen beiden Bildern fast 50 Jahre liegen. Im Duell mit der UdSSR 1972 wartet mit der deutschen Nummer 12 kein Geringerer als Holger Geschwinder, der Entdecker von Dirk Nowitzki, unter dem Korb auf den Ball (links). Fünf Jahrzehnte später ist der Basketball schneller, athletischer und dynamischer geworden. LeBron James von den Los Angeles Lakers ist der dominanteste Spieler der vergangenen zehn Jahre.

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Sprungkraft, Geschwindigkeit und Distanzwürfe: Der Basketballsport verschiebt seine Grenze seit einem halben Jahrhundert. Drei Trainer über Entwicklungen und Trends.
22.01.2021 | Stand: 11:33 Uhr

Aus Holz-Tennisschlägern wurden Karbon-Rackets, aus massiven Drahteseln ultraleichte Rennmaschinen, präzise Arbeit mit dem Maßband ist von moderner Lasertechnik abgelöst. In vielen Bereichen des Sports gilt heute: höher, schneller, weiter. In unserer neuen Serie „Sport im Wandel“ blicken wir auf Ursprünge und Entwicklungen von Sportarten, auf neue Trends und Strömungen, und wir lassen Generationen des Oberallgäuer Sports ihre Geschichten erzählen.

Mit der Distanz setzt der Wandel ein. Seit 1979, als die Drei-Punkte-Linie in der nordamerikanischen NBA eingeführt wurde, hat sich die Spielweise im Basketball bis heute auf eine Weise geändert, die dem Sport ein grundlegend anderes Gesicht verleiht. Während Ende des 19. Jahrhunderts, als Basketball noch in den Kinderschuhen steckte, vor allem auf geduldig herausgespielte Korberfolge Wert gelegt wurde, spielen 120 Jahre später schnelle Abschlüsse und der „Dreier“ eine große Rolle. Der vermeintlich schnellste Teamsport der Welt hat eine Revolution erlebt: Athletik, eine ausgefeilte Spielzugtaktik, hochwissenschaftlich entwickeltes Schuhwerk und über Jahre verfeinerte Trainingsmethoden haben den Basketball spektakulärer gemacht. Helmut Volk, Abteilungsgründer des TSV Sonthofen, Tanja Lipp, mehrfache schwäbische Meisterin und Jugendtrainerin des TSV, und Tim Eisenhauer, Ex-Regionalliga-Spieler und Coach der Sonthofer Herren, unternehmen eine Zeitreise durch die Jahrzehnte.

Hartnäckiges Klischee: "Kontaktloser Sport"

„Der kontaktlose Sport“ – ein hartnäckiges Klischee, gegen das der Basketball nicht selten ankämpfen muss. Tatsächlich erlauben die Regeln nur bedingt – beispielsweise unter dem Korb, in der Zone oder beim Kampf um den Rebound – körperbetontes Spiel. Doch dieses Vorurteil trifft Lipps Meinung nach nicht mehr zu: „Das hat sich massiv geändert. Basketball ist wesentlich körperlicher geworden“, sagt die 50-Jährige. Für Tim Eisenhauer ist eine weitere Änderung entscheidend: „Das Spiel hat sich dahingehend gewandelt, dass es nicht mehr klar verteilte Rollen gibt. Jeder Spieler muss auf jeder Position spielen können.“

Einen Aspekt des Umbruchs mit Blick auf Regeländerungen spricht dabei Helmut Volk an, der vor allem positive Reformen erkennt: „Es gab immer wieder kleinere und größere Änderungen. Besonders die Einführung der Drei-Punkte-Linie hat sich bewährt.“ So würden heute auch vermehrt die großen Spieler aus der Distanz werfen – früher undenkbar. Hinzu kamen um die Jahrtausendwende die „Viertelung“ der Spielzeit auf 4 x 10 Minuten anstelle der 20-Minuten-Halbzeiten sowie 1956 die Einführung einer 30-Sekunden-Frist für den Abschluss eines Angriffs. 2000 wurde diese „Wurfuhr“ auf 24 Sekunden reduziert, um das Spiel weiter zu beschleunigen.

Groß ist lange nicht mehr alles

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Und allein deshalb sind – neben diversen Anpassungen bei Regeln – auch die körperlichen Anforderungen an Basketballer heute andere, als sie es noch vor wenigen Jahren waren. „Die Athletik hat enorm zugenommen. Beispielsweise müssen inzwischen auch große Spieler schnell auf den Beinen sein“, erklärt Eisenhauer. Lipp stimmt zu: „Früher haben wir im Training kaum Kraft- und Stabilisationsübungen gemacht. Heute braucht man das in allen Belangen, weil das Spiel schneller und physischer geworden ist.“

Zudem wurde das Training auch in anderen Punkten stark weiterentwickelt. Zwar wurden essenzielle Dinge, wie dribbeln, passen und werfen schon vor 50 Jahren trainiert, aber in anderer Art und Weise. „Prinzipiell kann man sagen, dass man mittlerweile versucht, verschiedene Übungen spielerisch zu verknüpfen. Das war früher nicht so“, erzählt der 35-jährige Eisenhauer und Lipp fügt an: „Im Vergleich zu aktuellen Methoden, war unser Training früher spielerischer. Gegenwärtig spielt der Leistungsgedanke eine größere Rolle.“ Der Sonthofer Gründervater ist da ähnlicher Meinung: „Als ich Anfang der 1970er Jahre in Sonthofen angefangen habe, Basketball zu unterrichten, war ich Abteilungsleiter, Trainer und Schiedsrichter zugleich. Ich war weitestgehend auf mich allein gestellt. Heute ist das undenkbar“, glaubt der 82-jährige Volk.

Mit all diesen Veränderungen hat auch die Professionalität im Basketball in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen. Nach dem Motto „Höher, schneller, weiter“, wird dabei gerade die Trainingswissenschaft zunehmend berücksichtigt. „Es wird mehr geforscht, Technik und Taktik sind ausgefeilter“ sagt Lipp. Als „durchdachter“ sieht Eisenhauer Training und Spiel – im Profibereich „werden unzählige Daten erfasst und dadurch werden Rückschlüsse gezogen, die das Spiel beeinflussen können. In erster Linie wirken sich diese Erkenntnisse auf die Spitzenteams in der NBA und den europäischen Ligen aus.“

Basketball im Nischendasein – trotz Dirk Nowitzki

Insbesondere in Nordamerika, Südeuropa und weiten Teilen Asiens genießt Basketball einen sehr hohen Stellenwert, während der seit 1936 olympische Sport in Deutschland noch immer im Schatten von Fußball und Handball steht. „Es ist nach wie vor ein Nischendasein für uns, auch ein Jahrhunderttalent wie Dirk Nowitzki konnte das nicht ändern“, sagt Eisenhauer und Lipp fügt hinzu: „Meiner Meinung nach ist Basketball gerade im Damenbereich weiterhin eine Randsportart. Bei den Herren hat sich das mittlerweile ein bisschen gebessert.“

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die beste Liga der Welt, die NBA, die Trends im Basketball setzt. Vor allem die Spielweise hat sich stark gewandelt. „Ich denke, das Small Ball wird weiter an Bedeutung gewinnen und Jugendspieler werden dafür ausgebildet werden“, glaubt Eisenhauer, wenn er über eine Aufstellungsvariante spricht, bei der verstärkt auf die Schnelligkeit, anstatt auf die Größe der Spieler gesetzt wird.

Und während seine Vereinskollegin Tanja Lipp sich darum sorgt, dass Jugendliche „sich heute nicht mehr auf eine Sportart festlegen und schwerer bei der Stange zu halten“ sind, bleibt der TSV-Gründungsvater gelassen: „Basketball ist schnell und begeisternd“, sagt Volk, der die Abteilung 1972 ins Leben gerufen hat. „Innerhalb von Sekunden kann sich eine Partie komplett ändern. Ich bin fast 83 und schwärme immer noch von dem Spiel.“ Und das dürfte sich auch in den nächsten 50 Jahren nicht ändern.