Sonthofer Stadthausgalerie

Hölle und Idyll: Sonthofen erinnert an den Maler Max Kaminski

Ein Gemälde aus der Werkschau des Malers Max Kaminski in der Sonthofer Stadthausgalerie: „Danse Macabre, rouge" (Ausschnitt), Öl auf Leinwand aus dem Jahr 2005.

Ein Gemälde aus der Werkschau des Malers Max Kaminski in der Sonthofer Stadthausgalerie: „Danse Macabre, rouge" (Ausschnitt), Öl auf Leinwand aus dem Jahr 2005.

Bild: Günter Jansen

Ein Gemälde aus der Werkschau des Malers Max Kaminski in der Sonthofer Stadthausgalerie: „Danse Macabre, rouge" (Ausschnitt), Öl auf Leinwand aus dem Jahr 2005.

Bild: Günter Jansen

Eine Werkschau in Sonthofen führt in die Bildwelten von Max Kaminski. Der 2019 in Augsburg verstorbene Maler beschwört apokalyptische Szenen. Aber nicht nur.
04.10.2021 | Stand: 18:30 Uhr

Der Befehlshaber hält seinen Säbel bereit – oder doch nicht? Das Bild „El General México D.F.“ von 2000 deutet nur an. Es empfängt den Besucher zur Werkschau des Malers Max Kaminski in der Sonthofer Stadthausgalerie.

Und diese Werkschau führt dem Besucher zunächst unangenehmste Dinge vor Augen. Denn sie konfrontiert ihn mit Tod und Zerstörung, dem unausweichlichen Ende des irdischen Daseins und der Hölle, die sich Menschen selbst auf Erden bereiten können. Daneben stehen fast naive Bilder eines Gartens, gleichsam als Vision dessen, was das Erdendasein als Alternative bietet oder bieten könnte.

Ein Werk mit vielen Facetten

Die Ausstellung macht deutlich: Das Werk des Malers Max Kaminski zeigt viele Facetten. 1938 im ostpreußischen Königsberg geboren, wächst Max Kaminski bei und im niedersächsischen Oldenburg auf. Er studiert an der Hochschule der Künste in Berlin, unterbrochen von einem mehrjährigen Aufenthalt in Mittel- und Südamerika. Kaminski wird Meisterschüler des informellen Malers Hann Trier, erhält wichtige Stipendien und gewinnt gewichtige Kunstpreise, wie etwa jenen der Villa Romana in Florenz.

Professor in Karlsruhe

Nach Gastprofessuren in Berlin und Karlsruhe wird er 1980 zum Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe ernannt. Doch Kaminski hält es nicht in Deutschland. Er zieht nach Straßburg und eröffnet später ein Atelier in Marseille, der Stadt, in der er 20 Jahre immer wieder arbeiten und leben wird. Zugleich verlegt er 1997 seinen Hauptwohnsitz nach München und 2003 nach Augsburg. Dort stirbt er 2019. Seine Bilder waren nicht nur in Europa, sondern auch in Chicago, Buenos Aires und Mexiko-Stadt zu sehen.

Der personifizierte Krieg

Nach Mittelamerika führen auch jene Bilder, die den Besucher am Eingang der Sonthofer Ausstellung empfangen. Dort wartet nicht nur der mexikanische General, sondern auch der personifizierte Krieg: Eine Figur in Uniform schlägt die Trommel. Sie gleicht jenem Trommler in einer kleinen Kaltnadelradierung, die in Schwarz-Weiß Gedanken an ein Totentanz-Bild aufkommen lässt. Daneben hängen großformatige Beschwörungen eines „Danse Macabre“ in Öl auf Leinwand: Die Körper mit Tierköpfen und menschlichen Gliedmaßen sind zu einem unentwirrbaren Knäuel verschlungen.

In Siegerpose vor dem Trümmerfeld

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Die beiden Bilder „Judith“ und „Holofernes“ öffnen dann apokalyptische Welten: Judith räkelt sich in Siegerpose vor einem Trümmerfeld, während im Gegenstück zu diesem Gemälde der enthauptete nackte Männerkörper wie ein Schlachtopfer aus dem Zelt ragt. Die beiden Bilder hinterfragen in ihrer brutalen Gestaltung die alttestamentarische Geschichte: Judith hat Holofernes, einen grausamen Heerführer, der ihr Volk bedroht, mit List und Kaltblütigkeit ermordet.

Die komplexe Welt

Apokalyptische Welten begegnen den Besuchern fortan immer wieder in dieser Ausstellung: Etwa in dem Gemälde „Señora sobre México D. F.“, in der sich eine Frauenfigur wie ein Koloss über einer brennenden Stadt und einem zerstörten Land erhebt. Ihr Gesicht ist uneindeutig, wie so vieles in Max Kaminskis Bildern: Gesichter gleichen Masken, Masken entwickeln Eigenleben. Körper setzten sich aus geometrischen Figuren zusammen oder zerfallen in mechanische Teile. Scharfe Konturen auf der einen Seite und wilde Übermalungen auf der anderen Seite sorgen für Verunklarungen. Die Welt ist komplex und nur schwer oder vielleicht gar nicht zu erfassen.

Der idyllische Garten

Neben solch abgründigen Bildern finden sich fast naive Darstellungen eines idyllischen Gartens, jenem von Ann-Marie. Dort findet sich ein konkretes Stillleben mit Gießkanne, Gartenschlauch, Zaun und Mauerpfosten, dort blühen die Obstbäume und ist ganz deutlich ein Traktor zu erkennen, der zwischen den Stämmen steht.

Die stilisierte Landschaft

Jene Bilder korrespondieren mit Landschaften wie „Montaigne Sainte-Victoire, la fenêtre“, in denen eine realistisch dargestellte Ruine sich inmitten einer leicht stilisierten Landschaft erhebt und durch ein Fensterloch im Mauerwerk zusätzlich den Blick auf die Berge im Hintergrund freigibt. Solche Arbeiten aus den 2000ern stehen dort Werken aus den 1970er Jahren gegenüber, die drei abgeschnittene und zugespitzte Baumstämme wie mahnende Pfosten in eine Landschaft stellen, oder einen überdimensionierten Parabolspiegel wie eine künstliche Sonne über einer scheinbar ebenso künstlichen Welt erscheinen lassen.

Das Ringen nach dem eigenen Stil

Noch frühere, völlig abstrakte, farbenfrohe Arbeiten von 1967 zeigen den nach einem eigenen Stil ringenden Künstler. Und zahlreiche Kompositionsskizzen von Köpfen, Figuren, Tieren oder größeren Konstellationen offenbaren nicht nur den Entstehungsprozess mancher Ölgemälde, sondern entwickeln eigenständiges künstlerisches Format. So nähert sich diese Ausstellung von vielen Seiten einem vielseitigen, faszinierenden Künstler an.

Öffnungszeiten: bis 31. Oktober, dienstags bis donnerstags sowie samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr.

Der Maler Max Kaminski.

Die Sonthofer Stadthausgalerie.

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