Filmkunst in Immenstadt

Immenstädter Regisseur dreht Film über Rainer Werner Fassbinder

Christian Wagner Null Komma Null

"Null Komma Null folgsam": Eine Kneipp-Bademeisterin (Traute Hoess) erinnert sich in Christian Wagners Film an den Buben Rainer Werner Fassbinder.

Bild: Christian Wagner Film

"Null Komma Null folgsam": Eine Kneipp-Bademeisterin (Traute Hoess) erinnert sich in Christian Wagners Film an den Buben Rainer Werner Fassbinder.

Bild: Christian Wagner Film

Der gebürtige Immenstädter Christian Wagner würdigt pfiffig Regielegende Rainer Werner Fassbinder. Der Film wurde jetzt im Immenstädter Kino präsentiert.
23.11.2021 | Stand: 18:34 Uhr

Mit einem Schmankerl wartete das Kino Immenstadt auf: Gezeigt wurden sechs Kurzfilme, die sich mit Rainer Werner Fassbinder beschäftigen und zu seinem 75. Geburtstag von den Münchner Fassbindertagen in Auftrag gegeben wurden. Mit dabei war auch der aus Immenstadt stammende Regisseur Christian Wagner, der nach der Vorführung zusammen mit dem Leiter der Fassbindertage, Ferdinand Leopolder, für eine angeregte, die Filme vertiefende Diskussion zur Verfügung stand.

Das Geburtshaus als Kulisse

Die Bandbreite der vorgeführten Streifen reichte von einem Trickfilm über ein morbides Gespräch über die Wirkung von Kokain bis zu einem Telefonat mit Ingrid Caven, die in vielen Fassbinder-Filmen mitwirkte und mit dem Regisseur von 1970 bis 1972 verheiratet war. Zwei Filme nutzen als Kulisse das Haus in Bad Wörishofen, in dem Fassbinder 1945 geboren wurde: eine Gruselfilm-Parodie, das Gespenst vom Balkon mit dem Staubsauger aufsaugend.

Ein indisches Filmteam rückt an

Christian Wagner lässt in seinem Beitrag ein indisches Filmteam anrücken, das von einer Kneipp-Bademeisterin mit Erinnerungen an den jungen Fassbinder versorgt wird. Auch an einem Kneipp-Wassertretbecken wird gedreht. Gespielt wird die Bademeisterin von Traute Hoess, die in „Berlin Alexanderplatz“ und „Lili Marleen“ mitwirkte.

Ein cineastischer Enthusiast

Null Komma Null folgsam sei der Bub gewesen, erzählt sie über Fassbinder, was auch den Titel „Null Komma Null“ von Wagners Kurzfilm erklärt. Das indische Team dreht übrigens genau auf jener Kamera, die Fassbinder bei „Berlin Alexanderplatz“ einsetzte. Wagner war so nostalgisch, dieses Super- 8-Material in seinem Kurzfilm einzusetzen, was zu den typisch grieseligen Effekten führt. Herstellung und Schnitt waren deshalb mühsam und teuer. Fertig wurde man 2020 einen Tag vor der Premiere bei den Fassbindertagen in einem Autokino, erinnert sich Wagner schmunzelnd. Was man sich als cineastischer Enthusiast nicht alles antut ...

Hemdsärmeliges von der Bademeisterin

Erst habe er das budgetfreie Angebot der Fassbindertage für so einen Kurzfilm abgelehnt, erzählt Wagner. Aber dann habe sich die Idee des Kurzfilms verselbstständigt und ihm keine Ruhe gelassen. Seinen besonderen Reiz erhält der Film auch, weil der indische Regisseur kein Deutsch spricht und so die hemdsärmeligen Sätze der Kneipp-Bademeisterin übersetzt werden müssen. Und außerdem, weil dort Anekdoten über Fassbinder erzählt werden, von denen der Zuschauer nicht weiß, ob sie biografisch sind oder erfunden. Etwa, dass der Bub in München immer wieder die Ruhe der Asamkirche aufsuchte. Dunkel habe er geliebt, egal ob in Kino oder Kirche.

Ein Forum für die Filmkunst

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Biografisch wurde Wagner im anschließenden Gespräch und erinnerte sich, dass er im Kino in Immenstadt als 13-Jähriger den Entschluss fasste, Film zu seinem Beruf zu machen. Mit 21 habe er dann im Fernsehen die ersten Fassbinderfilme gesehen. Sowohl Wagner als auch das Publikum zeigten sich dankbar, dass es in Immenstadt ein Kino gibt, dass nicht am Mainstream-Kommerz orientiert ist, sondern der Filmkunst ein Forum bietet. Und wie kam Wagner auf die Idee mit dem indischen Filmteam?

Weil er den jungen Mann aus Afghanistan kennt, erzählt Wagner, dem er die Rolle des indischen Regisseurs anvertraute. Der diese dann auch in dem typisch indisch-englischen Tonfall ausführt.

Der Filmregiseur Christian Wagner aus Immenstadt.

Das Union-Filmtheater in Immenstadt.

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