Immenstadt

Immenstadt wurde vor 660 Jahren zur Stadt erhoben

Im Tiroler Landesarchiv liegt das bislang älteste Stadtsiegel, das von Immenstadt überliefert ist.

Im Tiroler Landesarchiv liegt das bislang älteste Stadtsiegel, das von Immenstadt überliefert ist.

Bild: Landesarchiv Innsbruck

Im Tiroler Landesarchiv liegt das bislang älteste Stadtsiegel, das von Immenstadt überliefert ist.

Bild: Landesarchiv Innsbruck

Eine Urkunde vom 22. Juli 1360 bezeugt die Erhebung von „Ymendorff“ zur Stadt. Graf Heinrich von Montfort wollte damit vor allem Geld machen.
Im Tiroler Landesarchiv liegt das bislang älteste Stadtsiegel, das von Immenstadt überliefert ist.
Von Siegbert Eckel
06.08.2020 | Stand: 06:00 Uhr

660 Jahre Stadterhebung könnte Immenstadt heuer feiern. Die in Nürnberg gesiegelte Urkunde nennt als Ausstellungszeit den „sandt marien magdalenentag“. Das war damals der 22. Juli 1360. Die Archivare der Stadt gehen davon aus, dass die Bemühungen des Grafen Heinrich von Montfort, „Ymendorff“ zur Stadt zu erheben, rein militärischen und kommerziellen Zielen dienten. Denn die Lage unter der Burg Rothenfels, zwischen den Bergen und dem See davor war ideal für eine Sperre und für eine Zollstation.

Die neue Stadt war vor über 600 Jahren an Umfang und Bevölkerung recht klein: Sie dürfte 175 bis 200 Bewohner gehabt haben. Ihre Umwallung friedete eine Fläche von rund 4,2 Hektar ein – das sind etwa sechs Fussballfelder. Das Städtchen war damals – wie sie die Wissenschaft heute betitelt – eine der Minderstädte oder Stadtzwerge, die das Mittelalter hervorgebracht hat.

Wesentlich bleibt jedoch, dass es sich tatsächlich um eine Stadt gehandelt hat, die mit allem versehen wurde, was im 14. Jahrhundert dazugehörte. Das waren vor allem drei Dinge: als erstes der Stadtbering mit seinen Toren und Mauern. Die Umwallung ist noch heute gut nachvollziehbar. Das zweite Merkmal war der Markt, ohne den eine Stadt damals nicht denkbar war, und der in Immenstadt ja immer noch stattfindet. Die dritte Besonderheit war das Stadtrecht mit der Erlaubnis zur Führung eines Stadtsiegels.

Erstmals mit Stadtwappen

Wann sich Immenstadt ein Stadtsiegel zugelegt hat, ist nicht überliefert. Im Tiroler Landesarchiv liegt das bislang älteste bekannte Stadtsiegel. Die lateinische Umschrift lautet: „Sigillum Civitatis in Ymmendorff“ – also: Siegel der Bürgerschaft von Immenstadt. Der gotische Spitzschild zeigt zum ersten Mal das Immenstädter Stadtwappen, wie es heute noch Verwendung findet. Die Nennung einer Stadt Ymmendorff deutet auf einen recht frühen Siegelschnitt hin, weil die Bewohner darin schon Bürger genannt werden. Allerdings hängt das Siegel an einer Urkunde des Jahres 1474 und zeigt, dass die junge Stadt längere Zeit noch unter ihrem althergebrachten Namen siegeln konnte.

Bereits am 15. Oktober 1360 siegelt Heinrich Graf zu Montfort eine Urkunde in seiner Stadt „zu Ymendorff“. Um 1470 findet sich ein neueres Stadtsiegel, in dessen Umschrift bereits „imenstatt“ aufgeführt wird. Auf der 1555 gezeichneten Rheinkarte des Caspar Vopelius wird Immenstadt noch als „Ymenstat“ geschrieben.

Arm wie die Kirchenmäuse

Die mit dem Namen zusammen-hängenden Stadtrechte sind verblieben. Zwar wird in einem Urbar von 1564 Immenstadt „gleichwohl ain schlechte geringfüege Statt“ genannt und erhält erst unter den planenden Händen der Königsegger Grafen seine heutige Gestalt. Gleichwohl wird aber auch in diesem Urbar auf die bestehenden Stadtrechte verwiesen. Dennoch: In der Stadt spiegeln sich über Jahrhunderte die wirtschaftlichen Verhältnisse des Oberallgäus wider. Seine Bewohner waren – von Ausnahmen abgesehen – so arm wie die Kirchenmäuse. Schaut man einmal in die Straßenzüge von Kempten, Memmingen, Wangen oder Ravensburg, dann weiß man, wo die Musik damals gespielt hat. In Immenstadt dagegen waren 1812 von 175 Häusern noch 127 mit Landern gedeckt und zum Stadtbild gehörten Kühe, Geißen und Misthaufen.

Ungeachtet seiner ländlich-kleinbürgerlichen Struktur aber war das „Städtle“ wegen seiner städtischen Verfassung, dem höfischen Einfluss samt Residenz und wegen des funktionierenden Zunftwesens ein bevorzugter Ort für die Untertanen des Umlandes. Die Liste der Einbürgerungen ist umfangreich, noch länger aber dürfte die der Abgewiesenen sein. Und so ist noch heute ein gewisser Stolz der Bürger nicht zu verkennen.