Schall-Veredler

In einer Sonthofer Werkstatt entstehen hochwertige Konzertgitarren

Bei der Arbeit ist Präzision gefragt: Einblick in die Sonthofer Werkstatt des Gitarrenbaumeisters Jonas Schneele.

Bei der Arbeit ist Präzision gefragt: Einblick in die Sonthofer Werkstatt des Gitarrenbaumeisters Jonas Schneele.

Bild:    Kristin Noack

Bei der Arbeit ist Präzision gefragt: Einblick in die Sonthofer Werkstatt des Gitarrenbaumeisters Jonas Schneele.

Bild:    Kristin Noack

Der Sonthofer Gitarrenbaumeister Jonas Schneele verbindet neue Techniken mit altbewährten Traditionen. Was die Instrumente kennzeichnet und wofür sie geschätzt werden.
20.01.2021 | Stand: 05:30 Uhr

„Endlich hören mich meine Kollegen“, schwärmt Marcel Ege. Er spielt im renommierten Zürcher Eos-Gitarren-Quartett und er spielt seit einiger Zeit ein Instrument, das aus Sonthofen stammt und dessen Klangfülle ihn begeistert. Denn es „behauptet sich im Pegelstreit gegen Trompete, Alphorn und Cello“. Geschaffen hat es Jonas Schneele. Der 37-jährige gebürtige Gunzesrieder arbeitet seit 2017 als selbstständiger Gitarrenbaumeister in Sonthofen. In seiner Werkstatt fertigt er hochwertige Konzertgitarren und restauriert historische Zupfinstrumente. Eventuell übernimmt er auch Reparaturen.

Der Klang der Gitarre begeistert Jonas Schneele schon, seit er als Kind die Blockflöte gegen das Zupfinstrument tauschen durfte. Schon sein Vater und seine Mutter spielten Gitarre, erzählt Jonas Schneele, und auch er sei bald voll im Gitarrenspiel aufgegangen. Er nahm Unterricht bei Oliver Post in Immenstadt und lernte zunächst die klassische Literatur kennen.

Als Jugendlicher wechselte Jonas Schneele dann zur E-Gitarre. Denn er wollte eigene kleine Stücke kreieren, erzählt er, wollte selbst improvisieren. Von Komponieren möchte er in diesem Fall nicht sprechen, sagt er und schmunzelt. Mit einer Sängerin, einem Bassisten und einem Schlagzeuger bildete er eine Band, die im Keller des Immenstädter Jugendhauses „Rainbow“ probte und etwa drei bis vier Jahre bestand, solange, bis jedes Mitglied eigene Wege ging.

Jonas Schneele hatte damals bereits mit 15 eine Ausbildung zum Schreiner begonnen. Sein Vater war Schreiner und baute Möbel, erzählt Jonas Schneele, und ihm gefiel die Kreativität, die dieser Beruf ermöglichte. Doch die Begeisterung für die Gitarre blieb. Jonas Schneele fragte seinen Meister, ob man nicht die E-Gitarre bautechnisch etwas verändern könne. Doch der Meister winkte ab.

Das weckte die Wissbegier von Jonas Schneele. Er informierte sich, wie und wo man den Gitarrenbau erlernen könne. Und nach seiner Ausbildung zum Schreinergesellen absolvierte er eine zweite Ausbildung: die des Zupfinstrumentenbauers an der Geigenbauschule in Mittenwald.

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Aus Liebe zum Holz

Dort unterzukommen, war gar nicht so einfach. Es gab eine Aufnahmeprüfung. Von 25 Bewerbern wurden nur vier angenommen. Jonas Schneele halfen seine Schreinerausbildung und der musikalische Unterricht, den er genossen hatte. Hinzu kam sein zeichnerisches Talent. Denn eine Aufgabe bestand auch im Zeichnen einer Lautenrosette, die das Schallloch des Instruments ziert.

Ein Lehrer aus Mittenwald machte Jonas Schneele nach dem Zivildienst auf eine interessante Stelle in der Schweiz aufmerksam. Ein renommiertes Fachgeschäft für Konzertgitarren in Winterthur suchte einen Gitarrenbauer für die Werkstatt. Am Ende leitete Jonas Schneele diese Werkstatt. Etwa fünfeinhalb Jahre arbeitete er in der Schweiz, dann kehrte er nach Deutschland zurück, um seinen Meister zu machen. Er studierte Musikinstrumentenbau in Markneukirchen (Sachsen) und absolvierte später die Meisterprüfung zum Zupfinstrumentenbauer in Mittenwald.

Schon während seiner Arbeit in der Schweiz habe er mit der Entwicklung eines eigenen Konzertgitarrenmodells begonnen, erzählt er. An dessen Entwicklung feilte er in Markneukirchen weiter und überarbeitete es in der eigenen Werkstatt in Sonthofen, bis es ausgereift vorlag. Es verbinde neue Techniken mit altbewährten Traditionen.

Wichtig sei zum Beispiel, dass die Hölzer zum richtigen Zeitpunkt geschlagen werden: im Winter, wenn sich der Saft im Holz fast vollständig zurückgezogen hat. Dann schwinde das Material nur gering. Auch der Stand des Mondes spiele dabei eine entscheidende Rolle. Diese sogenannten Decken-Tonhölzer der heimischen Fichte wachsen ab 1200 Metern über dem Meer, erklärt Jonas Schneele. Es seien sehr seltene freistehende Bäume, mit einem sehr feinen Jahresringaufbau. Das Holz müsse vom Stamm heruntergespaltet sein, um ideale Bedingungen als Resonanzholz zu haben. Es lasse sich sehr dünn ausarbeiten, was wiederum die Ansprache der Gitarrendecke beim Spiel begünstige. Nach 15 Jahren Lagerung kann das Holz verwendet werden.

Für die Decke des Instrumentes verwendet Jonas Schneele heimische Fichte und kanadische Zeder, für den Boden indischen Palisander. Der stamme noch aus Altbeständen, erklärt der Sonthofer, da der Handel des Holzes mittlerweile eingeschränkt sei. Zwar bevorzugen viele Konzertgitarristen Gitarren mit Palisander, aber Jonas Schneele hat inzwischen auch ein Modell mit einheimischen Hölzern aus dem Oberallgäu im Angebot, etwa mit Ahorn. Dadurch verändere sich zwar der Klang, sagt Schneele, der Klang werde heller, aber er sei deswegen nicht schlechter.

Jonas Schneele fertigt seine Instrumente für Konzertgitarristen auf Bestellung und für ausgewählte renommierte Geschäfte an. Er benötige etwa 200 bis 250 Stunden für ein Instrument, sagt er, das dann zwischen 7500 und 9000 Euro koste. Denn: „Hier muss alles stimmen.“ Jeder Arbeitsschritt müsse ganz präzise erfolgen. Deshalb benötige er auch Pausen, um das hohe Niveau zu halten, erklärt Jonas Schneele. Mehr als fünf Gitarren pro Jahr schaffe er derzeit nicht. Er arbeitet zudem als Lehrer an der Berufsschule in Immenstadt und unterrichtet dort Auszubildende im Schreinerhandwerk.

Seine Gitarren kennzeichne der Goldene Schnitt, sagt Jonas Schneele. Nach diesem alten harmonischen Prinzip sei alles aufeinander abgestimmt. Es präge zum Beispiel das äußere Erscheinungsbild des Instruments. Das Verhältnis der Leisten an der Schallinnendecke zueinander entspreche den Proportionen, wie sie als Intervallgröße in der Musik vorkommen. Andererseits verwendet Schneele auch neue Erkenntnisse, setzt auf einen doppelt verleimten, besonders steifen Rahmen, der die Decke des Instruments besser schwingen lasse. Das ermögliche jene erwünschte Lautstärke, damit das Instrument auch in einem großen Saal überall zu hören sei.

So erklärt sich die Begeisterung der Profis wie etwa von Marcel Ege. Doch auch heimische Künstler wissen die Arbeit von Jonas Schneele zu schätzen. Oliver Post etwa ist auf der Internetseite des Gitarrenbauers mit Werken des spanischen Klassikers Fernando Sor zu hören – auf einem Instrument von Jonas Schneele.

Jonas Schneele im Internet