Oberallgäuer Ausdauersportler feiern Doppelsieg

Irre Challenge im Internet: Oberstdorfer Bergläufer schaffen 160.000 Höhenmeter im Mai

Andreas König und Mabella Netzer

Andreas König und Mabella Netzer haben die weltweite „Strava Climbing Challenge“ gewonnen. Dabei „assistierte“ Hündin Laila den beiden Bergläufern beispielsweise auch auf dem Niedereck. Für die 160 000 Höhenmeter wählte das Duo manchmal auch den schnellen Weg, ließ sich aber nie vom Wetter abhalten.

Bild: Andreas König

Andreas König und Mabella Netzer haben die weltweite „Strava Climbing Challenge“ gewonnen. Dabei „assistierte“ Hündin Laila den beiden Bergläufern beispielsweise auch auf dem Niedereck. Für die 160 000 Höhenmeter wählte das Duo manchmal auch den schnellen Weg, ließ sich aber nie vom Wetter abhalten.

Bild: Andreas König

Andreas König und Mabella Netzer gelingt der Doppelsieg bei der weltweiten "Strava-Challenge". Nun will der 54-Jährige den dritten Sieg in Serie angreifen.
26.06.2021 | Stand: 11:05 Uhr

Nein, zugenommen haben Mabella Netzer und Andreas König während der Pandemie definitiv nicht. Seit Beginn der Corona-Zeit ist nicht selten davon zu lesen, dass viele Menschen an Gewicht zulegen, weil sie sich zu wenig bewegen. Bei den beiden Oberstdorfern bewirkte der Lockdown allerdings das Gegenteil: Mabella Netzer und Andreas König haben sich durch den Lockdown und die damit verbundene Zwangsschließung ihres Cafés im Ort bzw. seines Souvenirladens in der Fußgängerzone sportlich betätigt – mit großem Erfolg.

Das Duo „sammelte“ im Mai bei der „Climbing Challenge“ auf „Strava“, einer Internetplattform für Ausdauersportler, 160 000 Höhenmeter und feierte einen Doppelsieg in der Gesamtwertung. Nicht nur das ist ein Novum in der Marktgemeinde. Noch nie gelang es einer Frau, sich im weltweiten Konkurrenzkampf den zweiten Rang zu sichern.

Passionierter Läufer muss verletzungsbedingt umplanen

Andreas König selbst war früher als Bergläufer noch viel aktiver als heute, mit nun 54 Jahren. Aufgrund falschen Trainings, daraus resultierender Arthrose und dem Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks musste er seine sportlichen Ambitionen allerdings weitgehend zurückschrauben. 2014 entdeckte er „Strava“ als „Anreiz, sich mit anderen Läufern auf der ganzen Welt zu messen. Früher hatte ich ein Lauftagebuch und jetzt habe ich die App“, erzählt König. „Ich bin begeistert, über die laufend aktualisierten Bestenlisten, die mich richtig anstacheln“. Vor allem die Höhenmeter-Challenge hat es ihm angetan.

Andreas König und Mabella Netzer haben die weltweite „Strava Climbing Challenge“ gewonnen. Dabei „assistierte“ Hündin Laila den beiden Bergläufern beispielsweise auch auf dem Niedereck. Für die 160 000 Höhenmeter wählte das Duo manchmal auch den schnellen Weg, ließ sich aber nie vom Wetter abhalten.
Andreas König und Mabella Netzer haben die weltweite „Strava Climbing Challenge“ gewonnen. Dabei „assistierte“ Hündin Laila den beiden Bergläufern beispielsweise auch auf dem Niedereck. Für die 160 000 Höhenmeter wählte das Duo manchmal auch den schnellen Weg, ließ sich aber nie vom Wetter abhalten.
Bild: Andreas König

Mittlerweile sieht er sie allerdings mehr als persönliche Herausforderung, denn Monatssiege hat er mittlerweile satte 20 eingefahren. Vor ein paar Jahren hat er es dabei in einem Monat sogar auf 108 000 Höhenmeter gebracht. Nicht umsonst behauptet der 54-Jährige von sich, dass er sich in der Strava-Gemeinschaft einen gewissen Rang erlaufen hat. Wenn König antritt, zählt nur der Sieg – und das weiß seine internationale Konkurrenz.

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Über 8800 Höhenmeter

Bergläuferin stürmt zehn Mal auf den Hochgrat – an einem Tag

Im vergangenen April trat der Oberstdorfer mal wieder an, weil ihm „langweilig war“ und er durch die Zwangsschließung seines Geschäfts während des zweiten Lockdowns „eine Beschäftigung suchte“. Auf einer seiner Touren zur Seealpe nahm er Mabella Netzer mit und bemerkte sogleich „die Power“ und „den Biss“ der 47-Jährigen. Und das, obwohl Netzer abgesehen von den Spaziergängen mit ihrem Hund Laila nie viel Sport getrieben hat. „Sie ist keine Extremsportlerin. Aber die körperliche Arbeit in einem Lokal ist ein gutes Grundlagentraining“, erklärt König, der seine Bekannte sogleich ebenfalls bei „Strava“ anmeldete.

Während Netzer schnell Gefallen daran fand, Höhenmeter zu sammeln, entdeckte Andreas König ihr sportliches Potenzial. Daher fasste das Duo alsbald den Entschluss, die Mai-Challenge gemeinsam in Angriff zu nehmen. Dabei ließen sich die beiden Oberallgäuer Kletter-Könige nicht einmal von den widrigen Wetterbedingungen abhalten.

Mabella Netzer verdoppelt ihr Höhenmeter-Ziel

Um fünf Uhr morgens machten sie sich auf den Weg, König als „Zugpferd“ und Netzer als „sein Lehrling“. Fünf Mal zur Seealpe und dann noch einmal zum Niedereck hoch war „unser tägliches Brot“, erzählt Netzer, „Andreas hat sich unglaublich motiviert. Das hat mich mitgezogen und so habe ich immer mehr Ehrgeiz entwickelt.“ Ihr primäres Ziel waren 40 000 Höhenmeter, dann peilte sie den Sieg in der Frauenwertung an. Als dieser in trockenen Tüchern war, setzte sie ihre persönliche Messlatte noch ein gewaltiges Stück höher an: „Unser Oberstdorfer Doppelsieg war mein Traum“, verrät sie.

Dafür hat sie in einem Monat mit 74 000 Höhenmetern fast doppelt so viel erreicht, wie anfänglich erhofft. Hinzu kamen über 87 000 von König. Nun genießt Netzer gleich im mehrfachen Sinn den Lohn für ihr Durchhaltevermögen: Neben den neun Kilogramm, die sie alleine in dieser Phase abgenommen hat und dem „unbezahlbaren Blick, wenn man oben angekommen nach unten blickt“, erntet sie zu Recht auch viel Lob von Bekannten und Gästen. „Das Gefühl, das man hat, wenn man auf dem Berg ist und es geschafft hat, ist genial“, sagt Mabella Netzer.

Andreas König und Mabella Netzer haben die weltweite „Strava Climbing Challenge“ gewonnen. Für die 160 000 Höhenmeter ließ sich das Duo aber nie vom Wetter abhalten.
Andreas König und Mabella Netzer haben die weltweite „Strava Climbing Challenge“ gewonnen. Für die 160 000 Höhenmeter ließ sich das Duo aber nie vom Wetter abhalten.
Bild: Andreas König

Daher war ihr auch gleich klar, dass sie auf jeden Fall weitermachen wird. Neue Rekorde kann die Gastronomin aufgrund ihres zeitintensiven Berufs zwar momentan nicht anpeilen, aber eine Top-Ten-Platzierung ist ihrer Ansicht nach durchaus drin, vielleicht mehr.

Denn Mabella Netzer liebäugelt bereits wieder mit einem Oberstdorfer Doppelsieg im Juli und denkt laut darüber nach, sich dafür bereits um vier Uhr morgens auf den Berg zu schinden. Andreas König, der diesen Monat eigentlich „nur präsent sein“ wollte, hat jetzt schon wieder der Ehrgeiz gepackt. Sollte er sich im Juni nämlich wieder die Krone aufsetzen dürfen, hätte er dreimal hintereinander gewonnen – diesen „Hattrick“ visiert er jetzt an.