Oberallgäuer Volksmusik

Jodlerabend in Oberstaufen erzählt von schönen Stunden und kleinen Lästlingen

Staufner Jodler

Natürlicher Vortrag, ausgewogener Gesamtklang: Die „Staufnar Johlar“ und ihre Gastgruppen zeigen im Oberstaufner Kurhaus beispielhaft, wie echte Volksmusik klingen sollte.

Bild: Peter Hausner

Natürlicher Vortrag, ausgewogener Gesamtklang: Die „Staufnar Johlar“ und ihre Gastgruppen zeigen im Oberstaufner Kurhaus beispielhaft, wie echte Volksmusik klingen sollte.

Bild: Peter Hausner

Die Staufnar Johlar und ihre Gastgruppen zeigen im Oberstaufner Kurhaus eindrucksvoll, wie Volksmusik stilvoll und auf hohem Niveau zum Klingen gebracht wird.
03.11.2021 | Stand: 17:52 Uhr

So schön das Leben in den Bergen auch sein mag, es gibt dort auch unangenehme Dinge – zumindest kleine, die aber sehr lästig sein können. Von einem solchen Lästling singen „Nätt glii“. Der Oberstdorfer Dreigesang, der von einer Akkordeonspielerin begleitet wird, erzählt von der „Rossbrime“, einem stechwütigen Insekt, das nicht nur Pferde heimsucht, und erntet mit dem humorvollen Lied viel Beifall. So wie alle Gruppen, die bei diesem Volksmusikabend im Oberstaufner Kurhaus auftreten.

„D’ Staufnar Jodlar ladet i“ lautet das Motto. Nach langer corona-bedingter Zwangspause, in der keine Kulturveranstaltungen stattfinden durften, merkt man es dem 1995 gegründeten Ensemble und seinen Gästen auf der Bühne an, wie sehr sich alle Akteure freuen, endlich wieder vor Publikum singen, jodeln und musizieren zu können.

Als Gäste haben sich die Staufner Jodler dazu neben „Nätt glii“ aus Oberstdorf auch die Brennar Museg aus Hinterstein und den Moderator Max Dieter Kuhn aus Niedersonthofen eingeladen. Dazu kommen noch Oberstaufner Eigengewächse: das Schlitzohr-Trio und das Jodlerduett Christine und Reinhold, das den Reihen der Staufner Jodler entstammt.

"Mir saget Donk"

Das Gesangsduo Christine und Reinhold sorgt auch für einen der bewegendsten Momente des Abends, wenn es den schlichten, berührenden Zweigesang „Mir saget Donk“ anstimmt. Der natürliche Vortrag, die klangschönen Stimmen, ihr gut ausbalancierter harmonischer Zusammenklang und die einfühlsame, den Gesang nie überdeckende Begleitung von Luis Walser am Akkordeon zeigen beispielhaft, auf welch hohem Niveau an diesem Abend echte Volksmusik zum Klingen gebracht wird.

"Grad zum Trotz"

Denn auch „Nätt glii“, ein Ensemble, das sich „grad zum Trotz“ gebildet hat, wie Moderator Max Dieter Kuhn den Ensemblenamen erklärt, präsentiert solche Qualitäten bei seinen Vorträgen. Auch Katrin Brutscher auf dem Akkordeon achtet penibel darauf, den Dreigesang von Stine Huber, Roswitha Tauscher und Iris Scheidle nur zu stützen, aber nie zu überdecken.

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Schwungvoll und stilvoll zugleich sind die Zwischenspiele der „Brennar Museg“. Claudius Wechs (Harmonika), Flori Schlipf (Gitarre) und Fredi Hüttlinger (Zither) steuern für die gute Laune etwa den „Hinterbichl-Walzer“ oder den „Gemsbluet-Marsch“ bei. Flotte Akzente setzt zudem das Schlitzohr-Trio.

Das "stille G'heimnis"

Die Staufner Jodler um Vorsitzenden Reinhold Wagner wiederum demonstrieren mustergültig, wie ein ausgewogener Gesamtklang mit zwei Frauenstimmen und einem guten Dutzend Männerstimmen herzustellen ist. So etwa bei dem Lied „Herbstmelodie“ oder beim Naturjodler „Denneten“. Beim „stille G’heimnis“ wird dann die Frauenpower im Ensemble noch um Sabrina verstärkt, die das Ensemble gleichsam als „Azubine“ unterstützt, wie Max Dieter Kuhn humorvoll vermerkt.

Humoristischer Zündstoff

Er führt durch das Programm und sorgt mit zahlreichen amüsanten Anekdoten und Witzen, die bei den Zuhörerinnen und Zuhörern sehr gut ankommen, zusätzlich für eine unbeschwerte Stimmung im Saal. Neben Bürgermeister, Pfarrer und Lokalpresse bietet vor allem der Gegensatz zwischen den Geschlechtern reichlich humoristischen Zündstoff: Er zu Ihr: Eine Statistik habe bewiesen, dass Frauen „doppelt so viel schwätzen“ wie Männer. Darauf Sie zu Ihm: „Kein Wunder, wenn wir euch Mannsbildern immer alles zweimal erklären müssen.“

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Die Gesangsgruppe "Nätt glii" aus Oberstdorf.

Das Schlitzohr-Trio aus Oberstaufen.

Dar "Gemsbluet-Marsch" der "Brennar Museg".

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