Schreck beim Abstieg

Kieslaster rutscht auf Bergwanderer in Oberstdorf zu

In Oberstdorf läuft auf Hochtouren der Neubau der Nebelhornbahn - sowohl unten im Tal als auch droben auf dem Berg. Dort kam es jetzt zu einer gefährlichen Begegenung.

In Oberstdorf läuft auf Hochtouren der Neubau der Nebelhornbahn - sowohl unten im Tal als auch droben auf dem Berg. Dort kam es jetzt zu einer gefährlichen Begegenung.

Bild: Ralf Lienert

In Oberstdorf läuft auf Hochtouren der Neubau der Nebelhornbahn - sowohl unten im Tal als auch droben auf dem Berg. Dort kam es jetzt zu einer gefährlichen Begegenung.

Bild: Ralf Lienert

Schreck für Urlauber in Oberstdorf: Erst springen sie über die Leitplanke, dann laufen sie geschockt ins Tal. Das sagen die Gemeinde und die Polizei dazu.
22.08.2020 | Stand: 13:08 Uhr

Rutscht einem auf einer engen, steilen Strecke ein Kieslaster entgegen, darf man ordentlich erschrecken. So erging es Dieter und Maria Hoffmann auf der Schanzenstraße in Oberstdorf. Sie sagen: „Wir wissen nicht, wie die Unfallstatistik aussieht. Aber sollte es bis dato dort noch keinen Unfall gegeben haben, mag der glückliche Zufall eine Rolle spielen.“ Die Urlauber aus Borken (Nordrhein-Westfalen), beide Anfang 60, warnen vor der Gefahrenstelle. Wenn es ihnen gelänge, so nur ein Menschenleben an dieser Stelle der Schanzenstraße zu retten, hätten sich ihre Worte mehr als gelohnt, sagen sie.

Was war geschehen? Maria und Dieter Hoffmann befanden sich auf dem Rückweg einer Wanderung zur Gaisalpe. Vom Wallraffweg kommend ging es talwärts in Richtung Oybeleparkplatz. Kurz vor der vorletzten Kehre kamen von oben ein Lastwagen und zwei Autos. Diesen Fahrzeugen wichen sie mit ein paar Schritten in eine Kiesbucht aus. Danach ging es weiter, doch schon kurz hinter der Kurve fuhr ihnen der Schreck gehörig in die Glieder.

Von oben kam ein weiterer Sattelauflieger, dessen Fahrer die Wanderer wohl erst sehr spät erblickte. Laut Schilderung rutschte der Laster bei der folgenden Vollbremsung wegen seines Gewichtes, seiner Geschwindigkeit und des Kiesels auf der Straße auf die Urlauber zu und kam etwa einen Meter vor ihnen zum Stehen. Dieter Hoffmann schildert, wie seine Frau panisch über die Leitplanke und zwischen die Streben des Geländers hindurch kletterte, um sich auf der schmalen Gebirgskante in Sicherheit zu bringen. Er selbst sei ebenfalls über die Leitplanke gesprungen.

Der Lkw-Fahrer schien geschockt und fuhr dann weiter, sagt Hoffmann. Seine verängstigte Frau und er seien nicht minder geschockt ins Tal gelaufen – froh, dass nicht mehr passiert war. Nun weist Dieter Hoffmann die Verantwortlichen des Marktes Oberstdorf auf die Gefahrenstelle“ hin. In 44 Jahren als Polizeibeamter habe er viele Verkehrs- und Unglücksfälle erlebt und sich oft gefragt: Wie konnte das passieren? Die Schanzenstraße sei Wanderweg und Fahrstraße zugleich, sagt der Urlauber. Mountainbiker, Eltern mit Kindern in Kinderwagen, Fahrradanhänger oder Tragsäcken, Wanderer und Nordic-Walker teilten sich die Straße mit dem Schwerlastverkehr der Nebelhornbahn-Baustelle.

Christine Uebelhör vom Rathaus teilt aber auch mit, dass es seit Beginn der Baumaßnahme der erste Vorfall sei, der dem Markt bekannt wurde. Schon vor einem Jahr hatte die Verwaltung demnach eine verkehrsrechtliche Anordnung erlassen, die den Baustellenverkehrs zwischen Schanzenstraße und Seealpe regelt. Die beinhaltet unter anderem ein Tempolimit (20 km/h) und Hinweisschilder für die Fußgänger. Weiter gilt auf der gesamten Strecke ein Verbot für Radler, das entsprechend beschildert und auch im Bereich Gaisalpe/Wallraffweg angekündigt wird.

„Eine Baustelle in der Größenordnung der Nebelhornbahn ist nicht durchgehend einzuzäunen“, sagt Polizeihauptkommissar Harald Wirth, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Oberstdorf. Fußgänger würden an allen Wegeeinmündungen auf die Schanzenstraße mit Warnschildern darauf hingewiesen, dass sie sich in einen Baustellenbereich begeben. Dazu gebe es den Hinweis „Baustellenverkehr und Gefahr für Fußgänger“. Wirth: „Fußgänger begeben sich also offensichtlich in einen Baustellenbereich und auf die Gefahren dort wird wiederholt hingewiesen.“ Bisher seien der Polizei Oberstdorf weder Beschwerden von Fußgängern noch Verkehrsunfälle im Baustellenbereich bekannt.

Hoffmanns Gedanke: Vielleicht könnte ein Verkehrsspiegel die Sicherheit etwas erhöhen. So könne die Gemeinde für einen vergleichsweise geringen Betrag im Kurvenbereich die Sicherheit erhöhen. Diesen Vorschlag nehme der Markt Oberstdorf auf, heißt es im Rathaus, und dass man den Bereich hinsichtlich der Verkehrssicherheit erneut prüfen wolle.