Bauprojekt

Lieber ein Bypass als ein großes Becken in Immenstadt-Stein

Wenn der Rechen durch angeschwemmtes Holz zumacht, könnte der Riedtobelbach Stein überfluten.

Wenn der Rechen durch angeschwemmtes Holz zumacht, könnte der Riedtobelbach Stein überfluten.

Bild: Franz Summerer

Wenn der Rechen durch angeschwemmtes Holz zumacht, könnte der Riedtobelbach Stein überfluten.

Bild: Franz Summerer

Der Immenstädter Ortsteil Stein soll von der Hochwassergefahr befreit werden. Dafür erhält der Riedtobelbach ein weiteres Rohr, das durch die Dorfmitte führt.
11.07.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Dem kleinen Riedtobelbach ist die Gefährlichkeit nicht anzusehen. Aber, sagen die Experten, bei einem anhaltenden Starkregen könnte er Teile von Stein bei Immenstadt überfluten. Deshalb gehen die Immenstädter Stadträte jetzt auf „Nummer sicher“. Im Bauausschuss stimmten sie einhellig für einen „Bypass“. So soll ein zusätzliches Rohr von der Westseite der Ortsdurchfahrt unter der Kreisstraße hindurch Richtung nördliches Dorfende führen. Die Kosten für den Einbau der Verrohrung werden auf 580 000 Euro geschätzt.

Der Riedtobelbach wird von Zuflüssen aus dem Bergstättgebiet gespeist und fließt dann vorbei an der Steinmühle – streckenweise verrohrt – durch Stein. In der Ortsmitte unterquert er die Kreisstraße, geht am Gemeindekindergarten vorbei und mündet dann nördlich des Dorfs in den Gießner Bach. Weil für die Erweiterung des Kindergartens sowieso dort Erdarbeiten notwendig sind, soll das zweite Rohr gleich mitverlegt werden. Derzeit gibt es laut Bürgermeister Nico Sentner „einen Alarmplan, bei dem die Feuerwehr im Notfall mit Sandsäcken ausrückt“.

Der Bach könnte die Dorfmitte fluten

Die Ergebnisse der hydraulischen Untersuchungen des Kemptener Ingenieurbüros Dr. Koch stellten die beiden Diplom-Ingenieure Rüdiger Dittmann und Jürgen Zeller im Bauausschuss vor. Sie hatten die Auswirkungen von Starkregen auf Stein untersucht. Demnach könne nicht ausgeschlossen werden, „dass der Riedtobelbach überläuft und danach auch die Kreisstraße überflutet“. Anschließend würde das Wasser in den unteren Bereich des Dorfs strömen und dort die Wohnhäuser im Kirchbichl erreichen.

Ein Problem sei die Einmündung des Bachs in die Verrohrung kurz vor der Fußgängerunterführung. Dort hält ein Rechen beispielsweise anschwemmtes Holz zurück. Sollte zu viel Material die Mündung verschließen, könnte der Fluss an der Stelle übertreten und dann Straße und Unterführung überfluten. „Die Anwohner oberhalb entsorgen mitunter auch ihre Gartenabfälle über den Fluss“, erzählte Sentner von einer Beobachtung des Bauhofs.

Vier Lösungen und deren mögliche Kosten boten die beiden Ingenieure den Stadträten zur Wahl, um die Überflutungsgefahr zu mildern oder ganz zu beseitigen. Zwei davon sehen ein Hochwasser-Rückhaltebecken vor, die beiden anderen ein eigenes Rohr, mit dem das zusätzliche Wasser abgeleitet wird.

Zwei Millionen waren den Stadträten zuviel

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Ausreichend Sicherheit würden laut Dittmann aber nur zwei Lösungen bieten: das große Rückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von 35 000 Kubikmetern oberhalb des Orts im Bereich der Steinmühle oder der lange Bypass durch die Ortsmitte. Die voraussichtlichen Kosten gaben schließlich den Ausschlag für die einstimmige Entscheidung des Stadtrats. Laut Ingenieur Zeller müsse bei dem großen Rückhaltebecken mit Ausgaben von fast zwei Millionen Euro gerechnet werden. Für die Rohrlösung veranschlagt er nach einer groben Kostenermittlung „nur“ 580 000 Euro. Eine staatliche Förderung werde es laut Sentner vermutlich nicht geben.

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