Preisgekrönte Artenvielfalt

Meisterliche Wiesen und Weiden im Oberallgäu: Viele Preisträger bei Wettbewerb

Jurytermin Bergmähwiese II

Jurytreffen im Freien mit (von links): Julia Wehnert (Bund Naturschutz), Ethelbert Babl (Alpinium), Birgit Marzinzig (Bio-Diversitäts-Beraterin, Landratsamt), Franziska Kaulfuß und Fabian Höß (beide vom Projekt Allgäuer Alpvielfalt).

Bild: Marina Gabler

Jurytreffen im Freien mit (von links): Julia Wehnert (Bund Naturschutz), Ethelbert Babl (Alpinium), Birgit Marzinzig (Bio-Diversitäts-Beraterin, Landratsamt), Franziska Kaulfuß und Fabian Höß (beide vom Projekt Allgäuer Alpvielfalt).

Bild: Marina Gabler

Bei der Abschlussfeier zur Oberallgäuer Wiesenmeisterschaft zeichnet die Jury 25 Finalisten aus. 15 Preisträger erhalten den Gold-Preis der Sparkasse Allgäu.
07.11.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Die besonderen Leistungen der Land- und Alpwirtschaft für die Artenvielfalt zu würdigen – das haben sich das Projekt Allgäuer Alpvielfalt, die Biodiversitätsberatung des Landkreises Oberallgäu sowie das Alpinium (Zentrum Naturerlebnis Alpin) heuer zur Aufgabe gemacht. Deshalb wurde das Gemeinschaftsprojekt „Oberallgäuer Wiesenmeisterschaft“ ins Leben gerufen. Gesucht wurden Wiesen und Weiden, die einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten und gleichzeitig gut in den landwirtschaftlichen Betrieb integriert sind. Bei der Abschlussfeier wurde deutlich, dass im Oberallgäu vielfach die Welt noch in Ordnung ist. Die bäuerlichen Betriebe und Alpflächen werden mit Fleiß und Idealismus bewirtschaftet und so bleibt eine einzigartige Kulturlandschaft mit enormer Artenvielfalt erhalten.

Landrätin: Sie sind es, die die Wiesen und Weiden so erhalten, wie sie sind: Wertvoll"

Landrätin Indra Baier-Müller, die die Schirmherrschaft übernommen hatte, machte deutlich, dass die Oberallgäuer Natur- und Kulturlandschaft durch die traditionelle Bewirtschaftung geprägt ist. An die Bäuerinnen und Bauern sowie Älpler gerichtet sagte sie: „Sie sind es, die die Wiesen und Weiden so erhalten wie sie sind: Wertvoll!“ Marina Gabler vom Alpinium und Fabian Höß vom Landratsamt zeigten auch anhand eines Filmbeitrags, wie bei der Flächenbewertung vorgegangen worden war. Nicht nur die Artenvielfalt wurde bewertet, sondern auch landwirtschaftlicher Nutzen und Pflegeaufwand. Über 58 Betriebe mit 72 Flächen nahmen teil. Dem Projektteam gehörten auch Birgit Marzinzig und Franziska Kaulfuß vom Landratsamt an. In der Jury engagierten sich der Bayerische Bauernverband, der Alpwirtschaftliche Verein im Allgäu, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten, der Landschaftspflegeverband Oberallgäu-Kempten, der Naturpark Nagelfluhkette sowie die Bund Naturschutz-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu.

Genau inspiziert wurden die Naturflächen. Hier ist Marina Gabler zu sehen beim Kartieren einer Streuwiese.
Genau inspiziert wurden die Naturflächen. Hier ist Marina Gabler zu sehen beim Kartieren einer Streuwiese.
Bild: Franziska Kaulfuß

Auf Wiesen und Weiden wurden häufig über 100 Pflanzenarten gezählt, von denen viele selten oder geschützt sind

Was macht die Wiesen und Weiden im Oberallgäu besonders? Trockene und feuchte, teilweise vermoorte Bereiche wechseln sich ab. Hinzu kommen unterschiedliche Ausgangsgesteine. Das bringt verschiedene Pflanzengesellschaften hervor, auf die sich wiederum unterschiedlichste Tierarten spezialisiert haben. Die angepasste Form der landwirtschaftlichen Nutzung verstärkt diese Vielfalt: Während Gülle oder Mist nur auf den Teilflächen landen, auf denen es sich „lohnt“, werden extensive Bereiche weiterhin gemäht oder beweidet und so dauerhaft offen gehalten. So wurden auf Wiesen und Weiden im Wettbewerb häufig über 100 Pflanzenarten gezählt, von denen viele selten oder geschützt sind. Das Rennen um die vordersten Plätze war oft sehr eng.

Sparkassen-Chef: "Jeder Einzelne kann die nachhaltige Bewirtschaftung unterstützen"

Manfred Hegedüs, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Allgäu, überreichte jeweils den drei Preisträgern aus den fünf Kategorien Goldpreise. Bei dem Wettbewerb habe er erfahren, dass das Grünland im Allgäu sehr nachhaltig bewirtschaftet werde. Im Humusboden des Grünlands ließe sich mindestens so viel CO2 speichern wie im Wald. So leisteten die Oberallgäuer Wiesen und Weiden einen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel. „Man muss aber auch an die ökonomische Nachhaltigkeit der Oberallgäuer Landwirtschaft denken. Jeder Einzelne kann die nachhaltige Bewirtschaftung unterstützen, wenn er sich beim Einkauf für die qualitativ hochwertigen, regionalen Produkte entscheidet“, sagte Hegedüs.

„Durch die Aufteilung in die Kategorien Alpweiden, Bergmähwiesen, Mähwiesen, Talweiden und Streuwiesen haben wir heuer eigentlich fünf Wiesenmeisterschaften ausgerichtet“, ergänzte Fabian Höß. Die positive Resonanz der Teilnehmenden motiviere Projektteam und Jury, zukünftig wieder eine Meisterschaft auszurichten.

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