Filmfestival in Immenstadt

"Musikfilmzeit" in Immenstadt beschwört die Kraft der Klänge

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Die Sonne geht auf nach einer in vieler Hinsicht schwarzen Nacht: Ein Standbild aus der Schweizer Filmkomödie „Trumpet“, die bei der "Musikfilmzeit" in Immenstadt zu sehen ist.

Bild: Kevin Haefelin/Filmzeit Allgäu

Die Sonne geht auf nach einer in vieler Hinsicht schwarzen Nacht: Ein Standbild aus der Schweizer Filmkomödie „Trumpet“, die bei der "Musikfilmzeit" in Immenstadt zu sehen ist.

Bild: Kevin Haefelin/Filmzeit Allgäu

Die „Musikfilmzeit“ im Immenstädter Kino beleuchtet das Thema Musik aus vielfältigen Blickwinkeln. Das Programm bietet berührende und humorvolle Kurzfilme.
23.09.2021 | Stand: 20:45 Uhr

„Musik ist eine heilige Kunst“, dichtete Hugo von Hofmannsthal in seiner „Ariadne auf Naxos“. Und der österreichische Literat scheint recht zu haben. Auch der Spielfilm „Écoute-moi (Hör mir zu)“ von Françcois Hoskovec erzählt von der magischen Wirkung der Musik: Der taube Nathan besucht in der Bar eines Freundes Konzerte und erliegt plötzlich der Faszination eines seltsamen Instruments und dessen Spielerin. Nathan empfindet Schwingungen – nicht nur jene des Instrumentes. Angespornt vom Freund, mit dem er sich in Gebärdensprache verständigt, geht er der Musikerin nach …

Ein Thema und viele Facetten

Das nur zehn Minuten dauernde Werk ist einer von sieben Kurzfilmen, der in einem ersten, etwa 90-minütigen Block die „Musikfilmzeit“ im Immenstädter Union-Filmtheater eröffnet. Ein zweiter, ebenso langer wird folgen. Insgesamt 14 internationale Kurzfilme präsentiert das kleine Festival im Kino. Es ist ein Ableger der „Filmzeit Kaufbeuren“, die bereits im vergangenen Jahr expandiert hat: nach Kempten und Immenstadt. Im Mittelpunkt stehen künstlerisch hochwertige Kurzfilme. In jeder Stadt werden dabei andere thematische Schwerpunkte gesetzt. In Immenstadt konzentrieren sich die Kurzfilme auf das Thema Musik. Doch selbst das ist weit gefächert, wie bereits der erste Filmblock mit sieben Beiträgen zeigt.

Hochzeit und Krise

Neben dem berührenden Spielfilm aus Frankreich finden sich darin noch zwei weitere Spielfilme: einer aus Österreich und einer aus der Schweiz. Beide zeigen feinen Humor und unterscheiden sich doch erheblich: Guy Lichtensteins Spielfilm „Das Probespiel“ führt in Wiens gutbürgerliche Kreise: Ein Streichquartett soll eine Hochzeitsfeier untermalen – möglichst nicht zu laut, auf Wunsch der Braut. Die hat sowieso mehr für Pop als für Klassik übrig. Doch den eigentlichen Konflikt bemerkt die Frau gar nicht: Ihr Bräutigam und die Cellistin waren einmal ein Paar. Wie das alles zusammenhängt und welche Konsequenzen die Figuren aus dieser Konstellation ziehen, erzählt der 22-minütige Spielfilm kreativ und kompakt – mit vielen feinen pointierten Spitzen.

Albtraum und Hoffnung

Der Schweizer Spielfilm „Trumpet“ von Kevin Haefelin lässt zwei unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen: Ein japanischer Trompeter möchte in New York den Jazz studieren. Da der junge Mann kaum Englisch kann, findet er sich in Brooklyn, statt in Manhattan wieder. Was er erlebt, scheint in einen Albtraum zu münden und endet doch hoffnungsvoll – dank der Kraft der Musik.

Noten und Bilder

Wie Musik in Bilder umgesetzt werden kann, zeigt auf beispielhafte Weise der russische Experimentalfilm „Alexander Mosolow: Three Pieces“. Er liefert in schnellster Schnittfolge zu den Noten des in Kiew geborenen Komponisten Fotografien von Häusern und Straßen, die auf grafische Strukturen reduziert sind. Fotografien und Zeichnungen kombiniert der französische Animationsfilm „Solo“ von Elsa Perry, der die Kunst des legendären amerikanischen Tänzers und Choreografen William Forsythe würdigen will. Er setzt dazu auch Verfremdungseffekte ein – wie etwa verpixelte Aufnahmen.

Mensch und Puppe

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Gänzlich ins Surreale führt der französische Experimentalfilm „Room with a View“ der Gruppe „La Horde“. Die Grenzen zwischen Besuchern und Bühnenakteuren verschwimmen ebenso wie jene zwischen Menschen und Puppen, zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Solch poetischen, aber rätselhaften Bildern steht eine Dokumentation gegenüber: „This Is a Film About a Band“. So prosaisch wie der Titel ist der britische Film allerdings gar nicht. Er schildert mit durchaus kreativen Mitteln den Werdegang der Band „Morton Valence“, die jenseits der großen Geldgeber ihre Produktionen mittels „Crowdfunding“ finanziert. Trotz immer neuer Rückschläge machen die Musiker ihren Weg. Es geht hier zwar um Rockmusik, doch bleibt auch Platz für Klassik: Normas Auftrittsarie „Casta diva“ aus Vincenzo Bellinis gleichnamiger Oper steht für die emotionale, grenzen-überwindende Kraft der Musik.

Jury- und Publikumspreis

Wen die Fachjury als Gewinner des Wettbewerbs der insgesamt 14 Filme kürt, wird bei der Matinee am Samstag, 25. September, um 11 Uhr bekannt gegeben. Außerdem wird ein Publikumspreis verliehen. Beiträge aus dem Festival „Filmzeit“ sind außerdem im Internet zu sehen.

Die "Musikfilmzeit" in Immenstadt.

Die "Filmzeit IAllgäul".

Die "Filmzeit Kaufbeuren".

Kurzfilme und Beiträge der "Filmzeit" im Internet.

Das Immenstädter Union-Fiilmtheater.

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