Sonthofer Triathlet wieder in Form

Nach dem Winter des Leidens: So kämpft sich Triathlet Fabian Eisenlauer zurück

Seitz Laufsporttag 2022 in Kempten Fabian Eisenlauer beim Seitz Laufsporttag 2022 in Kempten

Grenzenlose Freude über Rang zwei: Fabian Eisenlauer verbesserte beim Kemptener Halbmarathon seinen eigenen Rekord in der Zeit von 1:07:41 Stunden um über zwei Minuten, freute sich aber nach einer Zwangspause im Winter über die Rückkehr zur alten Form.

Bild: Dominik Berchtold

Grenzenlose Freude über Rang zwei: Fabian Eisenlauer verbesserte beim Kemptener Halbmarathon seinen eigenen Rekord in der Zeit von 1:07:41 Stunden um über zwei Minuten, freute sich aber nach einer Zwangspause im Winter über die Rückkehr zur alten Form.

Bild: Dominik Berchtold

Fabian Eisenlauer (29) erlebte einmal mehr einen schmerzvollen Winter. Und kämpfte sich einmal mehr zurück. Beim Kemptener Halbmarathon erlebt der Sonthofer eine Befreiung – und das, obwohl er „nur“ Zweiter wird.
07.04.2022 | Stand: 19:03 Uhr

Er hat nicht gewonnen, aber er ist ausgerastet vor Freude. Er ist Zweiter geworden, aber er hat einen persönlichen Kampf gewonnen. Als Fabian Eisenlauer beim Kemptener Halbmarathon völlig ausgepowert – vom Lauf und von seinem Urschrei – im Zielraum auf die Knie fiel, hatte er seinen eigenen Wettkampf gewonnen. „Es war ein grandioses Rennen. Ich bin überglücklich darüber, was mir da gelungen ist“, sagt der 29-jährige Sonthofer.

In der Halbmarathonzeit von 1:07:41 Stunde war Eisenlauer zwar hinter dem Sieger Nick Jäger aus Penzberg geblieben – seinen persönlichen Rekord verbesserte er aber über zwei Minuten. Diesen hatte er übrigens in 1:09:27 Stunde bei seinem Sieg in Kempten 2019 aufgestellt.

Eisenlauer: Heißes Rennen bei null Grad

Dass Eisenlauer bei der „Renntemperatur“ von null Grad aber ein derart heißes Rennen hinlegte, hängt mit der Ausgangslage des Sonthofers vor dem Wettkampf zusammen. „Der Sieg vor drei Jahren gerade hier, vor der eigenen Haustüre, hat mir unheimlich viel bedeutet“, sagt Eisenlauer. „Entsprechend hatte ich prinzipiell auch dieses Jahr wieder das Ziel zu gewinnen. Mir war aber klar, dass die Voraussetzungen heute andere sind.“ Denn der Ausnahme-Triathlet hat einmal mehr einen Winter des Leidens hinter sich, musste sich einmal mehr nach einer Blessur schonen und ist derzeit dabei, sich wieder seine Bestform zu erarbeiten. Einmal mehr.

Bei der Challenge in Montenegro absolvierte Eisenlauer im Oktober in einem Weltklasse-Feld mit Patrick Lange seinen Saisonabschluss 2021, bei dem er, nachdem er sich verlaufen hatte, aussteigen musste. Mitte November begann der 29-Jährige wieder mit dem Training, stieg allerdings bewusst „anders ein als in der Vergangenheit“. Langlaufen und Skitouren statt Laufband und Rolle.

Ab Dezember Entzündung in der Beinmuskulatur

„Aber schon im Dezember habe ich gespürt, dass etwas nicht stimmt“, sagt Eisenlauer. „Ich hatte eine veränderte Einstellung an den Pedalen, die fehlende Gewöhnung an diese Position hat eine Fehlhaltung bei mir ausgelöst.“ Die Muskulatur vom Knie hoch bis zum Gesäßansatz war verhärtet und das hat sich zu einer Entzündung verschlimmert. Eisenlauer war erneut zur Zwangspause verdammt.

Lesen Sie auch
##alternative##
Marco Maier im Portrait

"Behindert? Ja, aber einfach ein guter Langläufer!" Der bewegende Weg eines Blaichacher Talents

„Ich wollte vermutlich an zu vielen Stellschrauben gleichzeitig drehen. Das hat sich so extrem aufgestaut, dass ich nicht mal mehr gehen konnte“, sagt der Oberallgäuer. „Da hilft nur warten.“ Sechs Wochen setzte der 29-Jährige, der vom Fischinger Sportmediziner Dr. Florian Porzig betreut wird, mit dem Laufen aus, musste sich erneut gedulden.

Schon im Spätherbst 2020 hatte sich bei Eisenlauer infolge einer Überbelastung ein Knochenödem am Oberschenkelhals gebildet. Damals war der Ausdauersportler drei Monate raus. „Es ist nicht immer einfach, wenn man in den eigenen Ansprüchen gebremst wird. Der Leistungssport ist immer ein Ritt auf der Rasierklinge“, sagt Eisenlauer. „Ich kannte aber das Problem und konnte es gut beheben.“

Optimales Trainingslager auf Gran Canaria

Also machte er noch im Winter die Einstellungen am Rad rückgängig, ehe es im Januar zu einem Trainingslager nach Fuerte Ventura ging. Seit Ende Januar sei er „zum Glück wieder komplett zurück“. Es folgte ein Trainingsblock in der Heimat, erneut mit reichlich alternativem Training zum Standard-Triathlon-Programm. Nach einem „in jeder Hinsicht perfekten“ Trainingslager im März auf Gran Canaria mit vielen hohen Umfängen stand schon der Kemptener Halbmarathon an.

Bilderstrecke

Comeback der Grüntenstafette in Burgberg

Dabei freute sich Eisenlauer bei seinem zweiten Rang hinter dem 3000-Meter-Hindernis-Spezialisten Nick Jäger nicht nur über den Rekord. „Natürlich will ich immer gewinnen. Aber es ist Banane, wenn ich aktuell bei einer EM sagen würde: „Ich will den Titel.“ Wenn ich Zweiter bin, aber immer besser werde, bin ich glücklich“, sagt der 23. der Europameisterschaft 2021 in Walchsee.

Allgäu-Triathlon 2022: Eisenlauer setzt alles auf Sieg

Immerhin hat der 29-jährige Sonthofer 2022 auf diesem Weg große Schritte geplant – nicht immer allerdings mit einem Sieg als Zielsetzung. Schon am Wochenende steigt auf Mallorca der exotische Triathlon „Porto Colom“ über 1 km Schwimmen, 100 km Radfahren und 10 km Laufen. „Ich bin zwar gut in Form, aber es ist vor allem ein guter Test, ob alles wieder funktioniert“, sagt Eisenlauer.

Ende April steht die bayerische Meisterschaft im Duathlon an, im Juni ein 70.3 Ironman am Zürichsee – und im August das absolute Highlight: der Allgäu-Triathlon. Eisenlauer gewann 2015 und 2018 die Sprint-Distanz, wurde im vergangenen Jahr knapp Zweiter auf der Classic-Distanz. Und heuer? „Mir geht es primär immer darum, dass ich meine eigene Leistung verbessere“, sagt Eisenlauer. „Die 21 Sekunden, die mir 2021 gefehlt haben, will ich mir jetzt aber holen.“ Immerhin steigt der Allgäu-Triathlon am 21. August. An diesem Tag wird Fabian Eisenlauer 30.