Naturschutz

Naturerlebniszentrum leistet Überzeugungsarbeit in den Bergen

Auch die Umwelterziehung mit Kindern (hier bei einem Aktionstag) gehört zu den Aufgaben der Mitarbeiterinnen des Zentrums Naturerlebnis Alpin.

Auch die Umwelterziehung mit Kindern (hier bei einem Aktionstag) gehört zu den Aufgaben der Mitarbeiterinnen des Zentrums Naturerlebnis Alpin.

Bild: Werner Kempf

Auch die Umwelterziehung mit Kindern (hier bei einem Aktionstag) gehört zu den Aufgaben der Mitarbeiterinnen des Zentrums Naturerlebnis Alpin.

Bild: Werner Kempf

Das Zentrum Naturerlebnis Alpin in Obermaiselstein hat die Arbeit aufgenommen. Leiter Ethelbert Babl fordert bei einem Besuch von Grünen-Landtagsabgeordneten mehr unbefristete Stellen für Mitarbeiter.

14.09.2020 | Stand: 18:38 Uhr

Im Herzen von Obermaiselstein hat die Mannschaft des Naturerlebnis Zentrums Alpin (ZNAlp) ihre Büros bezogen. In der alten Schule und der früheren Bankfiliale auf der anderen Straßenseite arbeiten jetzt acht Mitarbeiter, die sich um die Bereiche Naturschutz, Landnutzung und Tourismus kümmern. Erst vor wenigen Monaten hat das Projekt so richtig Fahrt aufgenommen. Jetzt sind drei Rangerinnen in den Bergen unterwegs, es gibt Aktionstage für Kinder und Beratungsangebote für Landwirte. Doch doch die ZNAlp-Mitarbeiter müssen bei den Einheimischen noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Das hat mit der Vorgeschichte zu tun. Nach dem Aus für das Projekt einer Skiverbindung am Riedberger Horn, versprach die Staatsregierung den Gemeinden Obermaiselstein und Balderschwang 16 Millionen. Die Einheimischen nennen es das „Söder-Paket“.

Schwierige Vorgeschichte

Von einer „sehr schwierigen Vorgeschichte“ sprach Obermaiselsteins dritter Bürgermeister Armin Kling bei einem Besuch des Grünen-Fraktionschefs im Landtag, Ludwig Hartmann, der sich vor Ort ein Bild machen wollte, was aus dem Projekt geworden ist. „Der Streit um die Bergbahnpläne hat große Gräben gerissen – in der Gemeinde und darüber hinaus“, sagte Kling. „Wir sind froh, dass wir nun anfangen können, diese Gräben zu schließen.“ Anfangs sei man in der Gemeinde davon ausgegangen, selbst über das von der Staatsregierung versprochene Geld verfügen zu können, erklärte Kling. Dann sei Ernüchterung eingetreten. Doch seit das ZNAlp die Arbeit aufgenommen habe, steige die Akzeptanz in der Bevölkerung, so Kling.

Gäste leichter zu überzeugen als Einheimische

Das Zentrum in Obermaiselstein ist eine Außenstelle der Oberen Naturschutzbehörde, erklärte Leiter Ethelbert Babl bei dem Ortstermin. Dort gaben die Mitarbeiterinnen des Zentrums den Grünen-Landtagsabgeordneten Thomas Gehring und Ludwig Hartmann einen Einblick in ihre Arbeit. Rangerin Carina Bühler berichtete von ihren Erfahrungen bei der Besucherlenkung in den Bergen: „Die meisten Menschen lassen sich überzeugen, die Gäste leichter als die Einheimischen.“ Die Ranger versuchen auch, im Internet Einfluss auf Tourenportale und ihre Nutzer auszuüben, die Strecken durch Schutzgebiete empfehlen.

Marina Gabler, die sich im ZNAlp um den Bereich Landnutzung kümmert, erläuterte, welchen Mehrwert ihre Arbeit für Landwirte bieten kann. „Ich versuche naturschutzfachlich zu beraten.“

Den Gästen Alternativen bieten

Andrea Lachmuth, 15 Jahre Leiterin der Gästeinformation in Obermaiselstein, versucht, die Brücke zwischen Naturschutz und Tourismus zu schlagen, von dem viele Menschen in den Hörnerdörfern leben. „Meine Aufgabe ist es, den Gästen Alternativen anzubieten.“

Damit die Arbeit fortgesetzt werden kann, hofft ZNAlp-Leiter Babl darauf, bald weitere Stellen besetzen zu können. 20 Mitarbeiter wurden dem Zentrum versprochen. „Wichtig wären für uns unbefristete Verträge, damit wir Planungssicherheit bekommen“, sagte Babl. „Hier wären wir dankbar über Hilfe aus dem Landtag.“ Grünen-Fraktionschef Hartmann sagte seine Unterstützung zu: „Sie brauchen Personal, weil sie große Flächen betreuen müssen.“

Kein großes Informationszentrum 

In Obermaiselstein soll ein Zentrum entstehen, in dem alle Mitarbeiter unter einem Dach arbeiten können. Eine zweite Station für Ranger ist in Balderschwang geplant. Ein großes Besucher-Informationszentrum wird in den Hörnerdörfern dagegen wohl nicht gebaut, erklärte Babl. Stattdessen sollen die Mittel an verschiedenen Stellen eingesetzt werden. „Lieber viele kleine als ein großes Projekt“, sagte Babl. Schon viele Gemeinden aus dem Oberallgäu hätten Interesse am Einsatz von Rangern bekundet.