Bildung in der Corona-Pandemie

Oberallgäuer Lerntrainer raten: Lieblingsmusik unterstützt das Homeschooling

Mit der Lieblingsmusik für zwischendurch und einer „Lernwand“ klappt der Wechselunterricht besser, raten Experten.

Mit der Lieblingsmusik für zwischendurch und einer „Lernwand“ klappt der Wechselunterricht besser, raten Experten.

Bild: Sibylle Mettler

Mit der Lieblingsmusik für zwischendurch und einer „Lernwand“ klappt der Wechselunterricht besser, raten Experten.

Bild: Sibylle Mettler

Wie Schüler erfolgreich den Wechselunterricht in Corona-Zeiten bewältigen: Zwei Lerntrainer aus Sonthofen und Burgberg verraten ihre Tricks.
10.12.2020 | Stand: 18:30 Uhr

Alle 30 Minuten Fenster auf, Musik an und abtanzen. Das rät Lerncoach Christiane Debray-Goyke aus Sonthofen allen Schülern, die jetzt im bayerischen Wechselunterricht-Modell zuhause lernen. „Denn das Gehirn braucht zwischendurch immer wieder kurze Pausen, um Gelerntes zu verarbeiten“, sagt die Trainerin. „Und es benötigt beim Lernen brutal viel Sauerstoff“, betont Ursula Wetterich, Lerncoach aus Burgberg. Beide verraten Tricks, mit denen Schüler sich selbst motivieren können und das Homeschooling wegen der Corona-Pandemie meistern. Die Lern-Profis sind sich einig: Wichtig ist zunächst, den Tagesablauf zu strukturieren: mit einem festen Startpunkt, Lernblöcken, regelmäßigen Pausen, kreativen Tätigkeiten und Bewegung. Zu Beginn sollen die Schüler immer checken, was es von der Schule Neues gibt.

Das Handy müssen sie beim Lernen und in den kurzen Pausen zur Seite legen. „Sonst bekommt das Gehirn keine Pause“, erklärt Debray-Goyke. Musik sei hingegen immer gut, weil sie für positive Stimmung sorgt. Es gebe zum Beispiel auf Youtube auch spezielle Lernmusik. Sie sei rein instrumental und dem Herzschlag angepasst. „Die kann man in gemäßigter Lautstärke mitlaufen lassen“, sagt die Trainerin.

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Eine "Lernwand" hilft den Schülern, sich zu strukturieren

Strukturieren können sich die Schüler laut Wetterich am besten mit einer „Lernwand“. Dazu werden auf einem großen Blatt Papier oder Karton drei Spalten aufgezeichnet: Eine für Sachen, die „gerade in Arbeit“ sind, eine für Aufgaben, die „schon erledigt“ sind, und eine für „Dinge, bei denen ich Hilfe brauche“. Was zu tun ist, schreibt man laut Wetterich am besten auf einzelne „Post it“- Zettel. Ist die Aufgabe erledigt, wandert der Zettel von der einen Spalte in die andere.

Aufschreiben, was gelungen ist, um aus der "Negativ-Spirale" heraus zu kommen

Wichtig ist laut der Burgberger Lernexpertin: „Zum Schluss sollte etwas Positives stehen. Also zum Beispiel die Lernwand anschauen und sich bewusst machen: Wow, was habe ich heute erreicht!“ Hilfreich sei auch ein Erfolgstagebuch. Darin schreibe man jeden Abend drei Dinge auf, die an diesem Tag gut gelungen sind. „So kommt man aus der Negativ-Spirale raus“, rät Wetterich. Dagegen hilft laut Debray-Goyke auch, mit sich selbst positiv umzugehen. Wenn man daran denkt, was man alles noch nicht kann, komme Frust auf. „Besser ist: Was kann ich schon und was will ich noch lernen?“, sagt die Lerntrainerin.

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Oberallgäu/Kempten

Die digitale Tafel für Zuhause

Die beiden Expertinnen gewinnen dem Heimunterricht trotz aller Herausforderungen für Kinder und Eltern auch positive Aspekte ab. Die Schüler könnten sich den Stoff freier einteilen. Beim Lernen könne man sich frei bewegen und den Ort wechseln. Wetterich rät den Schülern sogar dazu, etwas später aufzustehen. „Es ist erwiesen, dass man bessere Leistungen bringt, wenn man länger schläft“, sagt sie.

Weitere Tipps und Tricks:

  • „Ohne gescheite Technik geht es nicht“, sagt Trainerin Christiane Debray-Goyke. Als Ausrüstung benötige man einen Laptop oder ein I-Pad mit Stift, eine vernünftige Webcam und ein Mikrofon.
  • Wer sich mit der Technik oder den Programmen zu wenig auskennt, dem empfiehlt sie die rund 15 Youtube-Kanäle, von Lehrern für Lehrer. In denen werde alles Nötige für den Online-Unterricht erklärt. Viele Schulbuchverlage böten außerdem Online-Kurse an.
  • Wichtig beim Heimunterricht ist laut der Lehrerin und Leiterin des Medienzentrums Oberallgäu, Doris Sippel: „Nicht nur Arbeitsblätter verschicken!“
  • Sippel rät den Lehrern, mit den Schülern einen gemeinsamen Tageseinstieg zu schaffen. Das gelinge zum Beispiel mit der App „Mentimeter“. Man könne fragen, welches Fach die Schüler an diesem Tag zuerst lernen wollen, man könne eine digitale Wurfscheibe gestalten oder eine Wortwolke anbieten. Denn: „Es ist wichtig, eine Beziehung zu den Schülern aufzubauen“, betont sie.
  • Die Schüler müssten für ihre erledigten Aufgaben immer Feedback erhalten. Am einfachsten gehe das, wenn die Lehrkraft zurückgeschickte Blätter an einem Tablet mit Stift bearbeitet und den Schülern zurückschickt.
  • Bei einem sinnvollen Online-Unterricht gibt es laut Sippel eine Mischung aus Erklärvideos, reinen Arbeitsphasen und Phasen, in denen sich die Schüler selbst etwas erarbeiten müssen.
  • Für hohe Motivation sorgten interaktive Arbeitsformen wie die „Learning Apps“, „h5p“, oder das spielerische „Kahoot“. „Das geht für egal welches Fach“, betont die Medien-Expertin.

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