Songs vom Allgäuer "Homeland"

Oberallgäuer Liedermacher Siegfried Lüer feilt an neuem Album

Siefried Lüer Foto Marcel Durach

Liedermacher und Organisator von Liedermacher-Konzerten: Siegfried Lüer, dessen Bühnenlaufbahn in der Sonthofer Kultur-Werkstatt begann.

Bild: Marcel Durach

Liedermacher und Organisator von Liedermacher-Konzerten: Siegfried Lüer, dessen Bühnenlaufbahn in der Sonthofer Kultur-Werkstatt begann.

Bild: Marcel Durach

Während sein neues Konzertprogramm wegen Corona auf Eis liegt, arbeitet Liedermacher Siegfried Lüer an einer CD. Wie er in Sonthofen begann und was er plant.
06.06.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Seine Leidenschaft für Musik hat Siegfried Lüer zwar schon früh entdeckt, musikalisch durchgestartet ist er allerdings erst im Rentenalter. Noch gut erinnert sich der 71-Jährige, wie er in seiner frühesten Jugend vom „warmen Klang“ der Blockflöte „fasziniert“ war und sich nichts sehnlicher wünschte als dieses Instrument. Da er aus armen Verhältnissen stammte, stand für ihn, nachdem sein Wunsch erfüllt wurde, „Learning by doing“ auf dem Programm.

Mit seiner Frau lebte der gebürtige Nordrhein-Westfale später zunächst in Berlin, wo er 1975 ein Reinhard-Mey-Konzert besuchte. Der Auftritt des deutschen Liedermachers hat Siegfried Lüer nicht nur „sehr beeindruckt“, sondern sein Leben auch nachhaltig geprägt. Vor allem von den sozialkritischen Balladen „Atze Lehmann“ und „Mein guter alter Balthasar“ „aufgewühlt“, verkündete Lüer seiner Frau nach dem Konzert: „Ich werde Liedermacher“.

Überraschung am Hochzeitstag

Am nächsten Hochzeitstag überraschte ihn seine Frau mit einer Gitarre und einem Gutschein für Unterricht. Begeistert machte sich der Musikliebhaber ans Üben und schrieb bereits kurze Zeit später mit „Wie soll das weitergehen?“ sein erstes Stück, das sich um Zukunftssorgen dreht. Während Lüer den Text eigenständig verfasste, lehnte er sich bei der Melodie an das Mey-Stück „Sag mir, wo die Blumen blühen“ an.

Musikalisch zunächst ausgebremst

Kurz nach diesem Debüt wurde Siegfried Lüer durch den Umzug ins Allgäu und die Forcierung seiner beruflichen Karriere im medizinischen Bereich musikalisch zunächst ausgebremst. „Ich hatte einfach keine Zeit für die Musik“, bedauert er. Der Familienvater schrieb zwar noch hin und wieder eigene Stücke, trat aber nur sporadisch auf.

Bei einem Auftritt in Immenstadt traf er den mittlerweile verstorbenen Schlagzeuger der „Washhouse Basement Stompers“, Elmar Besserer, der den Liedermacher zunächst am Schlagzeug begleitete und ihm danach einen Auftritt in der Sonthofer Kultur-Werkstatt nahelegte. Nachdem Besserer den Kontakt herstellte, hatte Lüer dort 2007 seinen ersten Auftritt vor zahlendem Publikum.

Richtig los geht's im Ruhestand

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Richtig los ging es bei ihm allerdings erst vier Jahre später, als er in den Ruhestand ging. Seit damals hat der Sulzberger nicht nur mehr Solo-Auftritte, sondern organisiert Open-Air-Konzerte mit anderen Allgäuer Liedermachern oder tritt gemeinsam mit Musikerkollegen aus der Region auf.

Corona-bedingt ist sein letztes Konzert schon fast sieben Monate her und andere im vergangenen Jahr geplanten Auftritte, wie das Open-Air im Hofgarten-Pavillon und ein gemeinsamer Auftritt mit Tim Hecking in der Sonthofer Kultur-Werkstatt mussten abgesagt werden. Dabei hatte sich Lüer so auf die Auftritte gefreut, weil er dem Publikum sein neues Programm präsentieren wollte. Unter dem Slogan „Homeland“ wollten Hecking und er etwas über das Allgäu machen, aber aufgeschoben sei nicht aufgehoben.

Ansporn Reinhard Mey

Denn auch wenn Lüer durch das Auftrittsverbot die Kontakte fehlen, hat er seine Freude an der Musik keineswegs verloren, sondern musiziert zuhause. Seit dem ersten Lockdown sind schon drei neue Lieder entstanden. Damit hat der Allgäuer Liedermacher ein Repertoire von rund 40 Eigenkompositionen. Einen Teil davon präsentiert der 71-Jährige auf YouTube, er ist aber momentan auch dabei, eine eigene CD herauszubringen, weil die Menschen ihn immer danach fragen. Neben seinen neuen Stücken sollen auf das Album auch ein paar von den bekannten Stücken, die das Publikum bei den Konzerten besonders ins Herz geschlossen habe. Der Erscheinungstermin steht noch nicht fest.

Den Ansporn, neue Stücke zu schreiben, erhält Lüer oft durch Lieder von Reinhard Mey, womit keineswegs gemeint ist, dass er diesen nur covere. Er benötige „Inspiration aus dem Leben“. Als er zum Beispiel ein Mey-Stück hörte, in dem dieser über seine Eltern sang, erzählt Lüer, sei ihm sein eigener Vater eingefallen und nicht mehr aus dem Kopf gegangen. „Zwei Tage später war der Text fertig.“

„Kultur ist teuer“

Gerne würde er die Stücke seinem Publikum präsentieren, aber momentan ist sein Kalender noch gänzlich leer. „Ich bin nicht so ein gefragter Typ“, scherzt er darüber und meint, die Auftritte würden sich eher spontan ergeben. Offen sei auch, wie zahlreich das Publikum erscheine, wenn es nach der Corona-Zwangspause auf den Bühnen wieder losgehe. „Kultur ist teuer“, sagt Lüer, „deshalb bleibt die große Frage, wer sich das nach der Pandemie noch leisten kann“.

Siegfried Lüer und Allgäuer Liedermacher im Internet