Klassik in Immenstadt

Oberallgäuer Talente widmen sich bei Orchesterkonzert „Helden“

„Toller Klassiker“: Die 18-jährige Ida Pfister aus Immenstadt findet es „cool“, Beethovens Schicksalssinfonie aufführen zu dürfen.

„Toller Klassiker“: Die 18-jährige Ida Pfister aus Immenstadt findet es „cool“, Beethovens Schicksalssinfonie aufführen zu dürfen.

Bild: Christoph Pfister

„Toller Klassiker“: Die 18-jährige Ida Pfister aus Immenstadt findet es „cool“, Beethovens Schicksalssinfonie aufführen zu dürfen.

Bild: Christoph Pfister

Das Schwäbische Jugendsinfonieorchester spielt im Immenstädter Hofgarten. Bei dem Konzert wirken auch eine Immenstädterin und ein Balderschwanger mit.
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Von Christoph Pfister
16.09.2021 | Stand: 05:00 Uhr

Die Welt der Sinfonik als Musikschüler auf der Konzertbühne zu erleben, neue Literatur mit erfahrenen Dozenten einzustudieren, auf Tournee zu gehen, ein Traum für junge Instrumentalisten. Das Schwäbische Jugendsinfonieorchester (sjso) kann ihn musikalischen Talenten erfüllen.

Wichtige Starthilfe

Dieser Tage bereitet das vom Bezirk Schwaben geförderte Orchester sein nächstes Projekt vor. Ida Pfister aus Immenstadt und Ramon Boss aus Balderschwang werden nach Qualifikation durch erfolgreiches Probespiel im Celloregister mitwirken. Ihre Freude auf neue Erfahrungen, das Musizieren in einer ambitionierten Gemeinschaft, das Lernen von namhaften Berufsmusikern und der Dirigentin Carolin Nordmeyer ist groß. Schließlich zählt das sjso zu den besten Jugendorchestern, war für zahlreiche Berufsmusiker wie Musiklehrerinnen wichtige Starthilfe.

Die hohen Werte der Förderung von Talenten, von gelebter Musikkultur sind für Barbara Holzmann Herzensangelegenheit. Die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin engagiert sich als Vorsitzende des Fördervereins und lädt das Orchester regelmäßig in ihre Heimat Immenstadt ein.

Auch wenn die beiden Cellisten aus dem Oberallgäu eines der berühmtesten Werke der Klassik, Beethovens Schicksalssinfonie, als ihr wichtigstes Erlebnis sehen, wartet das Programm des Schwäbischen Jugendsinfonieorchesters mit weiteren eindrucksvollen Werken auf:

Der Erlöser

Die Ouvertüre zur Oper „Rienzi, der letzte der Tribunen“. Richard Wagner huldigt in seiner ersten erfolgreichen Oper einem Befreier, einem Erlöser. Strotzend von Fanfaren, mit mächtigem Schlagwerk und druckvollen Trompeten.

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Helden, so das Motto des Konzertes, lässt Mauricio Kagel skurril erscheinen – und scheitern. Seine „Zehn Märsche, um den Sieg zu verfehlen für Bläser und Schlagzeug“ (1978/79) dienten in einem Hörspiel einem Politiker dazu, sich gestisch und rhetorisch vor einem Auftritt in Stimmung zu bringen.

Ludwig van Beethoven führt schließlich mit seinem Paradewerk, der 5. Sinfonie in c-Moll, „aus der Dunkelheit zum Licht“.

Traumberuf: Musik ausleben: Ida Pfister aus Immenstadt

Klassische Musik umgibt sie ihr ganzes Leben: Die Mama spielt Klavier, der Vater Cello. Ida Pfister stimmt schon in jungen Jahren begeistert in die Hausmusik ein. Mit dem Violoncello, das sie bei Malgorzata Grzanka-Räth in der Musikschule Oberallgäu-Süd erlernt. Idas Leidenschaft für das Musizieren ist damit noch nicht ausgefüllt: Im Alter von elf Jahren möchte sie ein zweites Instrument erlernen. Der Flügel im Hause Pfister wird nun auch vierhändig gespielt.

Keine Frage, dass Ida Musik als Fach für ihr gerade abgeschlossenes Abitur gewählt hat. Nächstes Ziel der Immenstädterin ist das Studium auf das Lehramt für Musik und Deutsch. Musik möchte sie auch in ihrem künftigen Beruf ausleben – am liebsten als Journalistin.

Eine Fülle an Details

„Einfach tolle Musik“ urteilt Ida Pfister über die Klassik. „Sie ist komplexer und vielseitiger als normale Popmusik. Deswegen braucht es aber viel Reife und Zeit, um diese Musik zu mögen“. Die 18-Jährige hat den Zugang schon lange gefunden, freut sich an der Fülle von Details, die man aus den Stimmen heraushören kann. Ihre Vorliebe gilt der Romantik: Die Cellowerke von Fauré, Beethoven, Schubert oder Brahms („schön zu hören“). Ab und an hat Ida auch ein Ohr für Indie.

Nach ersten Orchestererfahrungen ist Ida Pfister gespannt auf ihre Ensemblekollegen und Mitspielerinnen im Schwäbischen Jugendsinfonieorchester – und auf die Dirigentin Carolin Nordmeyer. Ida Pfister findet es „cool“ einen so tollen Klassiker aufführen zu dürfen. „Weil die Schicksalssinfonie von Beethoven so bekannt ist, muss sie richtig gut präsentiert werden. Wir werden das schon hinbekommen“.

In drei Jahren zum Orchesterniveau: Ramon Boss aus Balderschwang

Die Oma ist „schuld“, dass Ramon Boss zum Violoncello gefunden hat. Zum Üben auf einer Geige hätte sie ihn nämlich in den Keller verbannt. Der „unwiderstehliche“ Ton des Cellos überzeugte ihn ohnehin mehr und begeistert den jungen Balderschwanger noch immer. Dabei begann er mit dem Musizieren erst in der 8. Klasse, als im Gymnasium Oberstdorf Instrumentalunterricht angeboten worden ist. Bald landeten die Rennski im Keller, der Tennisschläger kam immer seltener zum Einsatz.

Ulrike Tenzer in Oberstdorf bringt den hoch motivierten und fleißig übenden Cellospieler in nur drei Jahren auf ein Niveau, das ihm 2019 die erste Teilnahme im Schwäbischen Jugendsinfonieorchester sichert. Der heute 18-jährige Gymnasiast fühlt sich dort bestens aufgehoben, freut sich auf den „extremen Zusammenhalt“ innerhalb des Ensembles, im Verbund mit den Dozenten. Hat „Freunde fürs Leben“ dort gefunden, mit denen er sich zwischen den Arbeitsphasen trifft.

Ein "persönlicher Schatz"

Das ganz besondere musikalische Talent von Ramon Boss fördert auch der Instrumentenbauer Robert Kobr. Er hat ihm seinen „persönlichen Schatz“ anvertraut, ein Cello des berühmten englischen Instrumentenbauers Samuel Gilkes (1787-1827). Und ab dem Wintersemester darf Ramon Boss als Jungstudent an das Leopold-Mozart-Zentrum Augsburg.

Ein weiterer Herzenswunsch geht für Ramon in Erfüllung: Er darf am „Riesensinfoniewerk“ von Beethoven mitwirken. Seit er dessen fünfte Sinfonie live erlebt hat, gibt es für ihn das Ziel, dieses Werk aufführen zu können.

Konzert: Das Schwäbische Jugendsinfonieorchester präsentiert sein Programm „Helden“ am Samstag, 18. September, um 19 Uhr in der Immenstädter Hofgarten-Stadthalle. Kartenreservierung: Telefon 0821/3101-240, E-Mail: sjso@bezirk-schwaben.de

Das Schwäbische Jugendsinfonieorchester und sein Programm im Internet.

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