Prominenter Müllsammler

Olympiasieger Johannes Rydzek säubert seine Heimat bei den "Clean Up Days" von Unrat

Kümmert sich um die Natur seiner Heimat: Olympiasieger Johannes Rydzek aus Oberstdorf sammelte am Wochenende Müll am Fellhorn ein.

Kümmert sich um die Natur seiner Heimat: Olympiasieger Johannes Rydzek aus Oberstdorf sammelte am Wochenende Müll am Fellhorn ein.

Bild: Dominik Berchtold

Kümmert sich um die Natur seiner Heimat: Olympiasieger Johannes Rydzek aus Oberstdorf sammelte am Wochenende Müll am Fellhorn ein.

Bild: Dominik Berchtold

Der Nordische Kombinierer aus Oberstdorf macht beim Müllsammeln am Fellhorn mit. Seine Gruppe holt bei den „Clean Up Days“ den Abfall aus Bächen und Wäldern.
Kümmert sich um die Natur seiner Heimat: Olympiasieger Johannes Rydzek aus Oberstdorf sammelte am Wochenende Müll am Fellhorn ein.
Von Larissa Pucher
18.08.2020 | Stand: 18:00 Uhr

500 Freiwillige sammelten bei der Aktion „Allgäuer Alpen Clean Up Days“ am Wochenende Abfall in den Allgäuer Bergen, Seen und Flüssen. Unter ihnen war auch der zweifache Olympiasieger und sechsfache Weltmeister Johannes Rydzek aus Oberstdorf. Der Nordische Kombinierer fischte mit seiner Gruppe am Fellhorn Flaschen, Absperrbänder oder Verpackungen aus Bächen oder befreite den Wald von Unrat.

Mit Rydzek hatten die „Clean Up Days“ im zweiten Jahr einen prominenten Helfer, der damit auch andere motivieren will: „Viele in meinem Freundeskreis nehmen den Abfall, den sie in der Natur finden, mittlerweile nach Hause mit und werfen ihn dort in die Mülltonne“, erzählt der 28-Jährige. So ist auch er in der Freizeit immer fleißig am Müllsammeln.

Und dann ein "Astra" aus Altona

Sonntagmorgen gehen er und seine Gruppe vom Parkplatz der Fellhornbahn los. Schon nach zehn Meter entdeckt Rydzek die ersten Plastikschnipsel auf dem Parkplatz. Danach geht die Gruppe den Wanderweg Richtung Fiderepass-Hütte hinauf.

Die bemerkenswertesten Funde: ein kaputter Skistock, mehrere Meter rot-weißes Absperrband und viele leere Bierdosen. Eines darunter sogar aus dem fernen Norden: Marke „Astra“ aus Altona.

Taschentücher sind die widerlichsten Funde

Die Gruppe läuft weiter bergauf und steht schließlich kopfschüttelnd vor einem viele Meter langen Fund: Entlang eines Zuflusses der Stillach liegt ein stark verrostetes Metallseil. Es ist zu viel zu sperrig und schwer, um es mitzunehmen. „Immerhin kein Plastik“, heißt es von den Naturfreunden.

Zu den widerlichsten Funden gehören die vielen Taschentücher, mit denen sich Wanderer nach ihrer Notdurft im Wald behelfen. Da sind die Helfer dankbar, dass das Organisationsteam sie neben Mülltüten aus recycelten Gewebeplanen auch mit Metallzangen und Handschuhen ausgerüstet hat.

Als Wanderer an ihnen vorbeilaufen, erhalten sie Anerkennung: „Schön, dass ihr das macht, aber schade, dass es soweit kommen muss“, meint eine Frau.

"Es ist wirklich krass"

Die Gruppe ist im Schneckentempo unterwegs. „Es ist wirklich krass, wie viel Müll entlang der Wege herumliegt, wenn man erst mal den Blick dafür entwickelt hat“, sagt der sechsfache Weltmeister und bückt sich nach einer Bierdose. Ihm fällt auf, dass besonders viel Müll an den Ufern der Bäche angespült wird.

Der Aktionstag sei zwar wichtig, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung zu schärfen, „aber den Müll aufheben, kann jeder das ganze Jahr über“, findet der 28-Jährige.

Am Ende über eine Tonne Müll

Die Fellhorn-Gruppe mit Johannes Rydzek war an dem Wochenende eines von 209 Teams, die im ganzen Allgäu unterwegs waren, um Abfall aufzusammeln. Am Ende kamen über 1.000 Kilogramm Müll zusammen. Organisiert wurde die Aufräum-Aktion zum zweiten Mal von der Initiative „Patron Plasticfree Peaks“. Und auch nächstes Jahr wollen die Naturfreunde wieder losziehen, um achtlos weggeworfenen Unrat aufzuheben.