Freunde der Kirchenmusik in Immenstadt

Orgelklänge erzählen Märchen aus fernen Landen: Konzert zum Muttertag in Immenstadt

Erzählungen aus verschiedenen Kulturen liegen Enjott Schneiders Komposition „Drei Märchen“ zugrunde. Organist Hannes Ritschel stellt sie in Immenstadt vor. Eigentlich forscht er an Robotern.

Erzählungen aus verschiedenen Kulturen liegen Enjott Schneiders Komposition „Drei Märchen“ zugrunde. Organist Hannes Ritschel stellt sie in Immenstadt vor. Eigentlich forscht er an Robotern.

Bild: Fotos: Hannes Ritschel

Erzählungen aus verschiedenen Kulturen liegen Enjott Schneiders Komposition „Drei Märchen“ zugrunde. Organist Hannes Ritschel stellt sie in Immenstadt vor. Eigentlich forscht er an Robotern.

Bild: Fotos: Hannes Ritschel

Eigentlich forscht Hannes Ritschel mit Robotern. In seine Oberallgäuer Heimat kehrt er als Organist zurück. In Immenstadt spielt er ein spezielles Programm.
04.05.2022 | Stand: 05:00 Uhr

Soziale Roboter bestimmen derzeit sein Leben: Hannes Ritschel (31) schreibt an seiner Doktorarbeit im Fachbereich Informatik an der Uni Augsburg. Doch in der Region ist der gebürtige Sonthofer vor allem bekannt für seine Musik. So gestaltet er am Sonntag, 8. Mai, am Muttertag, ein Orgelkonzert in der Pfarrkirche St. Nikolaus zu Immenstadt. Darauf freut er sich schon sehr. Denn die Arbeitsbelastung durch die Dissertation sei „gewaltig“ und die Musik deswegen ein wenig in den Hintergrund gerückt.

Aus verschiedenen Kulturkreisen

Im Mittelpunkt des Konzerts stehen die „Drei Märchen“ des zeitgenössischen deutschen Komponisten Enjott Schneider. Erzähler ist Michael Hanel, Chorregent an St. Nikolaus. Die Werke, zwischen sieben und zehn Minuten lang, seien zu unterschiedlichen Zeiten entstanden und stammten aus verschiedenen Kulturkreisen, so Ritschel. „Der Mönch und sein Glöcklein“ ist ein japanisches Märchen, „Die Palme und der Stein“ kommt aus Afrika, „Gott und der Friseur“ ist in der islamischen Kultur beheimatet.

Wie ein Soundtrack zu einem Film

Die musikalischen Motive passen sehr gut zu den Texten, erklärt der Organist. Die Musik wirke „wie ein Soundtrack zu einem Film, die Orgel produziert auch Geräusche und zum Teil Special Effects“. So könne man sich die Märchen gut vorstellen. Bei dem japanischen Mönch wird zusätzlich noch eine Klangschale eingesetzt, die entweder vom Erzähler oder vom Orgelspieler bedient wird. Das werde bei den Proben entschieden.

Zeit zum Nachdenken

Zwischen den Märchen trägt Hannes Ritschel noch weitere kleinere Orgelwerke vor, um dem Zuhörer Zeit zum Nachdenken über die Aussagen in den Erzählungen zu geben. So werden drei der vier Skizzen von Robert Schumann für Pedalflügel erklingen: „sehr kurzweilig und fröhlich, ein guter Ausgleich“. Außerdem spielt Ritschel das Stück „Miroir“ des niederländischen Komponisten Ad Wammes. „Sehr reizvoll, das ähnelt vom Höreindruck der Minimal Music“, so Ritschels Kommentar. Es gebe ein zentrales Motiv, eine Melodie, die immer wiederkehre: „Wenn man es spielt, macht die rechte Hand immer das gleiche, die linke sorgt für Abwechslung.“

"Virtuelle Pfeifenorgel"

„Das gesamte Programm ist eine Herausforderung“, gesteht Ritschel. Denn er spiele alle Werke zum ersten Mal. Der Reiz liege aber auch in der Kombination von Text und Musik. Ist er in Augsburger Kirchen Stammgast, um an dem großen Instrument zu üben? Der Doktorand schmunzelt. Er habe zu Hause eine „virtuelle Pfeifenorgel“ stehen: ein realer Orgelspieltisch mit Manualen und Pedalen, der an einen Computer angeschlossen wird. Der Klang erfolgt über Kopfhörer, so dass keine Nachbarn belästigt werden können. Er habe aber auch ein „gewisses Netzwerk“ in Augsburg geknüpft, wenn er denn mal an einer realen Orgel sitzen wolle.

Weiterentwicklung von Sprachassistenten

Lesen Sie auch
##alternative##
Er ist erst seit Freitag im Amt

Plagiatsvorwürfe gegen neuen CSU-Generalsekretär Huber

Doch im Augenblick steht seine wissenschaftliche Arbeit im Focus, die Dissertation will Ritschel noch in diesem Jahr abschließen. Die sozialen Roboter, an denen er forscht, sind eine Weiterentwicklung von Sprachassistenten wie „Alexa“ oder „Siri“. Denn die Roboter können mit dem Menschen interagieren, sie reagieren auf Sprache, Gestik und Mimik und sind in der Lage, zu lernen und sich an einen Menschen anzupassen.

"Das geht rein finanziell nicht"

Wie geht es für ihn weiter, wenn er seine Doktorarbeit abgeschlossen hat? Hannes Ritschel weiß es noch nicht, ob er in der Wissenschaft bleibt oder in einen Betrieb geht. „Das ist für mich noch nicht in Stein gemeißelt.“ Könnte er sich auch vorstellen, ganz auf die Musik umzusatteln? Er schüttelt den Kopf: „Das geht rein finanziell nicht.“

Kirchenmusik in Immenstadt.

Hannes Ritschel an der Universität Augsburg.

Der Sänger, Musikpädagoge und Sprecher Michael Hanel.

Lesen Sie auch: "Immenstädter Freunde der Kirchenmusik starten mit viel Schwung ins neue Jahr".

Für nur 0,99 € einen Monat alle exklusiven AZ Plus-Artikel auf allgaeuer-zeitung.de lesen
Jetzt testen
Ausblenden | Ich habe bereits ein Abo.