Vegane Ernährung

Osterfrühstück mit oder ohne Ei? Zwei Frauen und ein Hühnerhalter erzählen

Daniela Faust (links) ernährt sich rein pflanzlich. Sie backt den veganen Käsekuchen, der in den Biowelten in Immenstadt ein Verkaufsschlager ist. Markus Speiser (rechtes Bild, links), Alessandro Zerbo (rechts) und dessen Sohn Mario möchten auf Eier nicht verzichten. Sie halten 480 Hühner in Mobilställen.

Daniela Faust (links) ernährt sich rein pflanzlich. Sie backt den veganen Käsekuchen, der in den Biowelten in Immenstadt ein Verkaufsschlager ist. Markus Speiser (rechtes Bild, links), Alessandro Zerbo (rechts) und dessen Sohn Mario möchten auf Eier nicht verzichten. Sie halten 480 Hühner in Mobilställen.

Bild: Sibylle Mettler / Günter Jansen

Daniela Faust (links) ernährt sich rein pflanzlich. Sie backt den veganen Käsekuchen, der in den Biowelten in Immenstadt ein Verkaufsschlager ist. Markus Speiser (rechtes Bild, links), Alessandro Zerbo (rechts) und dessen Sohn Mario möchten auf Eier nicht verzichten. Sie halten 480 Hühner in Mobilställen.

Bild: Sibylle Mettler / Günter Jansen

Zwei Frauen aus Immenstadt und Kempten erzählen, warum sie sich rein pflanzlich ernähren. Für Hühnerhalter Markus Speiser kommt das nicht infrage.
16.04.2022 | Stand: 17:00 Uhr

Osterei? Nein, danke. Immer mehr Menschen essen vegan. Sie ernähren sich rein pflanzlich – ohne Fleisch, ohne Milchprodukte, ohne Eier. Laut dem Bundes-Landwirtschaftsministerium verzichteten 2021 zwei Prozent der Bundesbürger vollkommen auf tierische Produkte – doppelt so viele als noch im Jahr zuvor. Auch das Osterfrühstück von Daniela Faust aus Immenstadt bleibt frei von tierischen Produkten. „Aus voller Überzeugung“, sagt die 33-Jährige.

Veganes Essen sei das Beste für die Umwelt und gut für die eigene Gesundheit, schildert Faust. Vor allem aber stehen für sie ethische Gründe im Vordergrund. „Ich kann nicht die Katze streicheln und akzeptieren, dass die Kuh geschlachtet wird“, sagt die Immenstädterin und verweist darauf, dass Tiere Gefühle wie Angst und Schmerz haben. An Ostern auf Eier zu verzichten, fällt ihr nicht schwer. „Es gibt unzählige pflanzliche Alternativen“, sagt sie.

Vegane Ersatzprodukte aus Erbsen, Sonnenblumen und Getreide

Auch die Lebensmittelindustrie hat vegane Kost als Trend entdeckt. Schnitzel aus Erbseneiweiß, Wurstersatz aus Sonnenblumen, veganes Hack und zig verschiedene Getreide-, Soja- und Nussdrinks als Ersatz für Milch füllen die Supermärkte. Laut einem Branchendienst gaben die Bürger in deutschen Supermärkten Jahr 2020 für vegane Produkte mehr als doppelt so viel aus als 2018.

Pflanzliche Wurst-Ersatzprodukte haben aus Sicht der Küchenchefin Nina Meyer durchaus ihre Berechtigung. Solche Substitute seien gut für Menschen, die mit veganer Kost beginnen. „Das muss für sie erst einmal funktionieren“, sagt die gelernte Köchin, die im Berghotel Ifenblick in Balderschwang am Herd steht. Ihr ist es jedoch wichtig, möglichst ohne diese industriell produzierten Lebensmittel zu kochen – weil sie Konservierungs- und Farbstoffe beinhalten. Für ihre Kost ist die 41-Jährige als eine von 25 Köchinnen in Deutschland vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau als „Bio Spitzenköchin“ ausgezeichnet worden. Am Osterbrunch des Berghotels Ifenblick tischt sie Veganern Galette mit Gelben Rüben und Tofu-Rührei auf.

Das sagt ein Hühnerhalter zur vegetarischen und veganen Ernährung

Vegetarisch essen sei für ihn okay, aber „vegan könnte ich mich nicht ernähren“, sagt Markus Speiser, der in der Nähe von Vorderburg (Gemeinde Rettenberg) zusammen mit seinem Schwiegersohn Alessandro Zerbo 480 Hühner hält. Die Eier sind für ihn eine natürliche Eiweißquelle, sagt Speiser. Trotzdem hält sich sein Eierkonsum in Grenzen. Normalerweise esse er sonntags zwei davon. Hinzu kämen die Eier, die er beim Kochen braucht.

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Auch Speiser legt Wert aufs Tierwohl. Für ihn bedeutet das aber nicht, auf tierische Produkte zu verzichten, sondern seine Hühner artgerecht zu versorgen. Mobilställe sind in seinen Augen die einzige Möglichkeit, eine größere Anzahl an Tieren zu halten. Nach dem Eierlegen gehe vormittags um zehn Uhr automatisch die Stalltür auf, damit die Hühner auf die Weide können. Jede Woche komme ein anderes Stück Wiese dran. Das beuge Krankheiten und Keimbefall vor, erklärt Speiser. Eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang gehe das Tor wieder automatisch zu.

Zu fressen bekommen die 480 Hennen laut ihrem Besitzer ausschließlich Gras und Bio-Legemehl. Das Ergebnis: Gelber, vollmundig schmeckender Eidotter, der nach dem Kochen die Farbe behält und Eiweiß, das nach dem Aufschlagen in Form bleibt, schwärmt Speiser.

Besonderes Augenmerk auf die Tierhaltung

Für die Kemptenerin Evelyn Rill ist entscheidend, wie die Tiere gehalten werden, deren Produkte man isst. Bei besten Bedingungen kann sie verstehen, dass jemand mal am Sonntag einen Braten oder an Feiertagen eine Biskuittorte genießt. „Ich selbst brauche das aber nicht“, betont die 29-Jährige. Sie ist Fachberaterin für ganzheitliche Ernährung, überzeugte Veganerin und arbeitet im Kemptener Bioladen Purnatur. Den Konsum von tierischen Lebensmitteln lehnt Rill aus ethischen und Umweltschutz-, aber auch aus gesundheitlichen Gründen ab. Die Qualität von Tierprodukten habe in den vergangenen Jahrzehnten stark nachgelassen. „Sie schaden dem Körper mehr als sie ihm nutzen“, findet die Ernährungsberaterin. Für Eier gebe es zahlreiche Ersatzprodukte auf Stärkebasis, sagt Rill. Selbst ausprobiert habe sie diese aber nicht. Denn zu viele vegane Ersatzprodukte seien ungesund, da sie stark verarbeitet würden.

Auch Daniela Faust setzt auf natürliche Zutaten. Beim Osterzopf könne man problemlos das Ei weglassen. Sogar Pfannkuchen gelingen nach ihren Angaben, wenn man einfach nur Mehl und (vegane) Milch verwendet. „Mehr braucht’s nicht“, sagt die 33-Jährige. Der Klebereiweiß im Weizen und in anderen glutenhaltigen Lebensmittel reiche völlig aus, um den Backwaren die richtige Konsistenz zu geben. Und wenn jemand einem Gericht partout Eiergeschmack geben möchte, empfiehlt sie Kala Namak Salz. Das sei ein natürliches Schwefelsalz aus Indien. Eine kleine Prise verleihe Gerichten den typischen Ei-Geschmack.

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