Immenstädter Sommer

Poesie und donnernde Predigten: "Dreiviertelblut" erntet rauschenden Applaus in Immenstadt

Stimmungsvoll und schonungslos: Die bayerische Kultband „Dreiviertelblut“ erntet mit sprühender Musikalität und großartiger Performance in Immenstadt rauschenden Applaus.

Stimmungsvoll und schonungslos: Die bayerische Kultband „Dreiviertelblut“ erntet mit sprühender Musikalität und großartiger Performance in Immenstadt rauschenden Applaus.

Bild: Michael Hanel

Stimmungsvoll und schonungslos: Die bayerische Kultband „Dreiviertelblut“ erntet mit sprühender Musikalität und großartiger Performance in Immenstadt rauschenden Applaus.

Bild: Michael Hanel

Die Musiker der bayerischen Kultband „Dreiviertelblut“ haben bei ihrem Konzert in Immenstadt viel zu sagen. Sie nutzen dabei auch den erhobenen Zeigefinger.
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Von Michael Hanel
05.08.2022 | Stand: 19:30 Uhr

Stimmungsvoll und schonungslos – so wird die bayerische Kultband „Dreiviertelblut“ oft umschrieben. Stimmungsvoll, weil am Ende des Konzerts das gesamte Publikum zum „Deifedanz“ ausgelassen zwischen den Stühlen im Immenstädter Klostergarten herumspringt, und schonungslos, weil hier eben keine biersprudelnde Partyband mit trötendem Hauruck-Klamauk einen lauen Sommerabend vergewaltigt, sondern versierte Musiker ihrer Poesie freien Lauf lassen. Künstler eben, die ihre Instrumente virtuos beherrschen und heimatlich klebriger Säuselei nichts abgewinnen können.

Patrioten am Pranger

„Dreiviertelblut“ hat eine Meinung und tut diese kund, wenn Verschwörungstheoretiker oder Patrioten mit scharfer Zunge an den Pranger gestellt werden. Sphärisch, weltmusikalisch und düster kommen so manche Stücke daher, die sich nur aufgrund der Besetzung mit Gitarre (Gerd Baumann und Luke Cyrus Goetze), Trompete (Dominic Glöbl), Bass-Klarinette (Florian Riedl), Kontrabass (Benny Schäfer) und Schlagzeug (Flurin Mück) in ein scheinbar volksmusikalisches Gewand hüllen. Schon nach den ersten Takten ist klar, dass die Musiker ihr Publikum nicht in Schunkellaune versetzen wollen. „Raunacht“, „Soldat“ oder „Sturm“ heißen die Lieder, denen Frontmann Sebastian Horn mit sonorer, fundamental bebender Stimme Leben einhaucht.

Treffsichere Mundart

Deutlich ist zu spüren: Hier hat einer was zu sagen, und die bairische Mundart ist dafür in ihrer direkten, bisweilen derben und darum so treffsicheren Einzigartigkeit ein passendes Werkzeug. Zwar schwingt die illustre Kapelle bisweilen ordentlich den Zeigefinger und so manche musikalische Ausdeutung erinnert an eine donnernde Predigt von der Kanzel, aber vielleicht braucht es diese Klänge in unserer multimedialen, unverbindlichen und oberflächlichen Welt, um Gehör zu finden. Unerwartbare Harmoniewechsel und überraschende Rhythmik tun ein Übriges, um auch musikalische Entdecker bei Laune zu halten.

Leise Töne

Doch die Band kann auch anders: Immer wieder flutet sie den voll besetzten Klostergarten mit nachdenklichen, leisen und gerade deshalb so eindringlichen Tönen, dass der hektische Taktschlag des Tages schnell vergessen und die eigenen Gedanken wieder hörbar werden. „Weck mi net auf“ und „Woana“ sind melancholische Balladen, die zum Träumen und Nachdenken einladen, ja zwingen.

Eine Alternative

Trötende Bierzeltmusik oder liebliches Heimatgedudel? „Dreiviertelblut“ ist eine wahre Alternative. Nach zwei Stunden sprühender Musikalität und großartiger Performance bedankt sich ein klanglich geflutetes Publikum mit rauschendem Applaus.

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