Kunst aus dem Oberallgäu

Raffinierte Lichterspiele: Gunzesrieder Tierarzt stellt sich als Künstler vor

Buchelt Gras im Farbnebel

"Gras im Farbnebel": Fotografie von Kurt-Dieter Buchelt aus Gunzesried, zu sehen in seiner ersten Werkschau in Fischen.

Bild: Kurt-Dieter Buchelt

"Gras im Farbnebel": Fotografie von Kurt-Dieter Buchelt aus Gunzesried, zu sehen in seiner ersten Werkschau in Fischen.

Bild: Kurt-Dieter Buchelt

Kurt-Dieter Buchelt aus Gunzesried zeigt in einer ersten Werkschau in Fischen Arbeiten voller Sensibilität und Raffinesse. Zu sehen sind Objekte und Fotokunst.
12.10.2021 | Stand: 17:06 Uhr

Für manche sind Disteln nur lästiges Unkraut, das es im Garten auszumerzen gilt. Andere schätzen die oft wild wachsende Blume aus ganz verschiedenen Gründen. Kurt-Dieter Buchelt inszeniert die Pflanze, oder genauer gesagt deren Blütenstand, sogar wie einen blauen Planeten, einen Leben ermöglichenden Stern. Wie ein solcher schwebt er mit einigen Kollegen in einem unendlich wirkenden blauen Universum. Die Fotografie ist eine von vielen verblüffenden Aufnahmen, die der 68-jährige Gunzesrieder im Fischinger Kurhaus präsentiert.

"Arbeiten mit Zufall"

„Von Hand – Arbeiten mit Natur und Zufall“ nennt der promovierte Tierarzt diese erste Werkschau, mit der er sich als Künstler präsentiert. Die Ausstellung verbindet Fotokunst mit Drechselarbeiten. Sowohl beim Fotografieren in der Natur, als auch beim Arbeiten an der Werkbank finde er zu fast meditativen Momenten, erzählt Kurt-Dieter Buchelt bei der Eröffnung. Die dabei entstandenen Werke wollen zeigen, wie schützens- und erhaltenswert die Natur sei. Denn, ergänzt Kurt-Dieter Buchelt: „Eigentlich ist der Mensch nur ein Störenfried in der Natur.“

Die Schönheit der Natur

Doch zumindest einer dieser „Störenfriede“, Kurt-Dieter Buchelt, weiß in dieser Ausstellung mit sehr viel Sensibilität die Schönheit dieser Natur zu verdeutlichen. Etwa in seinen Fotografien: Sie wandeln sich von spektakulären Naturaufnahmen, wie etwa dem Kampf zweier Birkhähne im aufstiebenden Schnee, zu bewusst künstlerisch vertieften und verfremdeten Arbeiten. Etwa durch den Einsatz und das Experimentieren mit verschiedenen Objektiven, zumeist welchen aus den 50er oder 60er Jahren.

Verschleierte Umgebung

Sie bilden nur einen kleinen Teil des Motivs gestochen scharf ab und verschleiern dessen Umgebung. So entstehen reizvolle, rätselhafte Lichterspiele, die der Natur eine mystische, magische Kraft verleihen. Wieder andere Aufnahmen erreichen ihre Verunklarungen durch eine leichte Bewegung der Kamera während der Aufnahme. So gleichen Blicke in die Tiefe eines Waldes oder eines Birkenhains plötzlich abstrakten Aquarell-Kompositionen, in denen die Farben ineinander fließen. Andere Aufnahmen erinnern wieder an ein impressionistisches Gemälde, bei dem die pastosen Farben wie hingetupft erscheinen.

Unverwechselbarer Charakter

Raffinesse offenbaren auch die Drechselarbeiten. In ihnen nutzt Kurt-Dieter Buchelt die natürliche Maserung und Struktur des Holzes, um Vasen, Schalen oder anderen Gefäßen unverwechselbaren Charakter zu verleihen. Die durchweg schlichten Grundformen variiert der Künstler dabei auf fantasievolle Weise. Und er experimentiert mit Gold, mit Feuer und mit Strom. In der Ausstellung sind einige besonders gelungene Ergebnisse zu sehen: etwa vom Feuer geschwärzte „Türmle“, die goldene Zwiebelhauben krönen, oder Vasen und Schalen, in denen Strom ein wurzelähnlich verzweigtes filigranes Muster in das Holz gebrannt hat.

Aufmerksamkeit erregt

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Vor einem Jahr habe eine Arbeit von Kurt-Dieter Buchelt auf der Westallgäuer Kunstausstellung ihre Aufmerksamkeit erregt, erzählt Gabi Schmidbauer. Sie organisiert für das Fischinger Kulturforum die Ausstellungen in der Fiskina. Und Gabi Schmidbauer stellte den Kontakt zum Künstler her. So kam es zu dieser ersten Werkschau des Gunzesrieders. Von dessen „tollen Arbeiten“ ist Bürgermeister Bruno Sauter hörbar begeistert, wie seine Begrüßung bei der Eröffnung der Ausstellung verdeutlichte.

Öffnungszeiten: bis 18. November, täglich von 9 bis 17 Uhr.

Was in Fischen sonst noch geboten ist.

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