Baggerarbeiten am Wildbach nahe Oberstdorf

Biotop im Rappenalptal zerstört: Staatsanwaltschaft leitet Verfahren ein

Eine Alpgenossenschaft hat den Wildbach im Rappenalptal bei Oberstdorf begradigt. Der Bach folgt nun einem kanalartigen Verlauf. Dabei wurde das Biotop im Naturschutzgebiet zerstört.

Eine Alpgenossenschaft hat den Wildbach im Rappenalptal bei Oberstdorf begradigt. Der Bach folgt nun einem kanalartigen Verlauf. Dabei wurde das Biotop im Naturschutzgebiet zerstört.

Bild: BN Kreisgruppe / Herberst Stadelmann / AZ-Montage

Eine Alpgenossenschaft hat den Wildbach im Rappenalptal bei Oberstdorf begradigt. Der Bach folgt nun einem kanalartigen Verlauf. Dabei wurde das Biotop im Naturschutzgebiet zerstört.

Bild: BN Kreisgruppe / Herberst Stadelmann / AZ-Montage

Mitten im Naturschutzgebiet des Rappenalptals bei Oberstdorf hat eine Alpgenossenschaft einen Wildbach ausgebaggert und begradigt – wohl ohne Genehmigung.
08.12.2022 | Stand: 12:51 Uhr

Das Biotop des Wildbachs im Rappenalptal bei Oberstdorf ist zerstört worden. Nun schlängelt sich der Bach nicht mehr kurvenreich durchs Tal, sondern fließt gerade – wie in einem Kanal. An einzelnen Stellen ist das Wasser sogar ganz im Untergrund des Flussbetts verschwunden. Eine Alpgenossenschaft hat das Bachbett auf einer Länge von etwa 1,6 Kilometern begradigt. Die Arbeiten seien in dieser Form allerdings nicht genehmigt worden, heißt es beim Landratsamt. Der Bund Naturschutz (BN) Kempten-Oberallgäu ist laut einer Mitteilung „schockiert“. Das Wasserwirtschaftsamt Kempten spricht von einem „verheerenden“ Zustand. Mittlerweile hat sich auch die Kemptener Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Bauprojekte in dem Naturschutzgebiet hat das Oberallgäuer Landratsamt lediglich „vereinzelt“ und „punktuell“ genehmigt, aber nicht in dem Ausmaß, wie es jetzt geschehen ist. „Diese Maßnahme hat den Wildbach als dynamischen Lebensraum zerstört“, sagt Alfred Karle-Fendt von der BN-Kreisgruppe.

Alpgenossenschaft äußert sich nicht zu Maßnahmen im Rappenalptal

Die Baumaßnahmen führte die dortige Alpgenossenschaft aus. Diese wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht äußern. Für die Arbeiten habe eine Baufirma zwei Bagger für drei Wochen an die Genossenschaft vermietet, teilt eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage mit. Geleitet hat die Bauarbeiten nach ihren Angaben aber die Alpgenossenschaft.

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Kempten ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet. Dabei wird überprüft, ob ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt. „Wir werden auf einen Rückbau drängen“, sagt Karl Schindele vom Wasserwirtschaftsamt auf Nachfrage unserer Redaktion. Der betroffene Bachabschnitt liegt im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen sowie in einem Vogelschutzgebiet. Inwiefern der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt werden könne, ist laut Schindele unklar.

Rappenalpbach bei Oberstdorf könnte sich tiefer in den Untergrund graben

Bisher sei das Wasser regelmäßig über die Ufer getreten, habe dabei Geschiebe transportiert und den Bachlauf verändert. Wie der Wildbach jetzt bei Hochwasser reagiert, sei schwer zu sagen. Es könne sein, dass er weiter über die Ufer trete, ähnlich wie bisher, sagt Schindele. Allerdings könne es ebenso sein, dass das Wasser sich tiefer in den Untergrund eingrabe. „Momentan sehen wir aber keine verschärfte Hochwassergefahr für die nächstgelegenen bebauten Gebiete“, sagt der Behördenleiter.

So gerade fließt jetzt der Wildbach im Rappenalptal bei Oberstdorf.
So gerade fließt jetzt der Wildbach im Rappenalptal bei Oberstdorf.
Bild: Wasserwirtschaftsamt Kempten

Diplombiologe schätzt Dauer der Renaturierung auf fünf bis zehn Jahre

Der Oberstdorfer Umweltreferent Siegmund Rohrmoser (Grüne) bezeichnet die Baumaßnahmen als „absolut katastrophal“. Teilweise versickere das Wasser nun im Boden, weil die Bachsohle zerstört worden sei. Diese Schicht aus feinem Material diene als eine Art Dichtung zu den tieferen Kiesschichten. Diplombiologe Rohrmoser schätzt, dass die Sohle innerhalb eines halben Jahres wieder hergestellt sein könnte. Doch bis Flora und Fauna in ihren Ursprungszustand zurückgekehrt seien, könnten nach seiner Schätzung noch etwa fünf bis zehn Jahre vergehen.