Wildbach zerstört

Wie die Wildbach-Begradigung im Rappenalptal öffentlich wurde

Das Ufer des Wildbachs im Rappenalptal wurde eingeebnet und das Wasser fließt jetzt wie in einem Kanal.

Das Ufer des Wildbachs im Rappenalptal wurde eingeebnet und das Wasser fließt jetzt wie in einem Kanal.

Bild: Sophia Ungerland

Das Ufer des Wildbachs im Rappenalptal wurde eingeebnet und das Wasser fließt jetzt wie in einem Kanal.

Bild: Sophia Ungerland

Der Bund Naturschutz deckte die nicht genehmigten Bauarbeiten am Wildbach im Rappenalptal auf. Das Landratsamt Oberallgäu wusste aber schon vorher Bescheid.
30.11.2022 | Stand: 07:02 Uhr

Die nicht genehmigte Begradigung des Wildbachs im Rappenalptal bei Oberstdorf hat überregional für Aufsehen gesorgt. Noch bevor der Fall öffentlich wurde, wusste das Landratsamt Oberallgäu von der Zerstörung des Biotops im Naturschutzgebiet. Das geht aus einer E-Mail der Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu des Bund Naturschutz (BN) hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Eine Rekonstruktion der Geschehnisse.

So kam der Ausbau des Wildbachs im Rappenalptal an die Öffentlichkeit

Bei einem Starkregen Mitte August türmte sich laut Landratsamt Gestein und Kies „zum Teil meterhoch“ entlang des Rappenalpbachs und auf den angrenzenden Alpwiesen auf. An manchen Stellen sei das Ufer sogar abgebrochen. Daraufhin sollte das Material aus den landwirtschaftlichen Flächen entfernt werden. Dazu sei ein Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde mit Mitgliedern der betroffenen Alpgenossenschaft den Bach abgegangen und habe vier Abschnitte für „punktuelle“ Maßnahmen festgelegt, sagte Franziska Springer, Sprecherin des Landratsamts. Dabei habe es sich um eine mündliche Genehmigung gehandelt. Bei einer Gewässerpflege – nicht bei einem Ausbau wie jetzt geschehen – sei keine schriftliche Genehmigung nötig. Mehr über das beliebte Wanderziel Rappenalptal erfahren Sie hier.

Naturschützer Alfred Karle-Fendt hatte die Ausmaße der Arbeiten am Wildbach am 29. Oktober entdeckt, sagt der BN. Spätestens seit 2. November wusste auch das Landratsamt Oberallgäu von der Begradigung. Denn an diesem Tag verschickte der BN eine E-Mail an die Höhere und die Untere Naturschutzbehörde, jeweils ansässig bei der Regierung von Schwaben und beim Landratsamt.

Landratsamt hatte einen Baustopp im Rappenalptal verhängt

Öffentlich wurde der Fall am 10. November, als der BN eine Pressemitteilung über die nicht genehmigten Bauarbeiten im Naturschutzgebiet verschickte. Nach Angaben von Landratsamt-Sprecherin Springer war zuvor bereits ein Baustopp verhängt worden. Wann genau dies geschah und ob dieser eingehalten wurde, teilte das Landratsamt bisher nicht mit. Die Behörde kündigte aber eine entsprechende Stellungnahme an.

Als Reaktion auf die Berichterstattung über den Umweltfrevel schaltete sich die Staatsanwaltschaft Kempten ein. Auch das Umweltministerium erfuhr aus den Medien von den Bauarbeiten im Naturschutzgebiet „Allgäuer Hochalpen“. Vergangene Woche machte sich Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) selbst ein Bild der Lage vor Ort. Er sagte, dass nun Gutachten erstellt werden müssten, um das Ausmaß der Schäden im Rappenalptal festzustellen.

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