Klimakrise

Regenerativ, aber klimaschädlich: Stadtrat Immenstadt diskutiert über Hackschnitzelheizung

Im Immenstädter Stadtrat entbrennt eine hitzige Diskussion ums Heizen mit Holz-Hackschnitzeln. Schließlich kann ein Fachmann beruhigen. Welche Argumente er bietet.

Im Immenstädter Stadtrat entbrennt eine hitzige Diskussion ums Heizen mit Holz-Hackschnitzeln. Schließlich kann ein Fachmann beruhigen. Welche Argumente er bietet.

Bild: Symbolbild

Im Immenstädter Stadtrat entbrennt eine hitzige Diskussion ums Heizen mit Holz-Hackschnitzeln. Schließlich kann ein Fachmann beruhigen. Welche Argumente er bietet.

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Im Stadtrat entbrennt eine Diskussion über alternative Heizmethoden. Nach Zögern stimmt das Gremium einem Bauvorhaben in Bühl zu. Die Hintergründe.
04.10.2022 | Stand: 08:24 Uhr

Am Ende fiel das Ergebnis überraschend deutlich aus. Mit zwei Gegenstimmen votierte der Stadtrat Immenstadt dafür, dem Antrag auf Bau einer Hackschnitzel-Heizzentrale auf dem Gelände des Campingplatzes in Bühl das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen. Vorangegangen war jedoch eine – teilweise hitzig geführte Debatte über die Frage, welche Heizmethoden Immenstadt in Zukunft unterstützen will.

Denn eigentlich hatte der Immenstädter Bauausschuss bereits mit sieben zu vier Stimmen für das Vorhaben votiert. Doch mehrere Ratsmitglieder stellten einen Nachprüfungsantrag und brachten das Thema so erneut auf die Tagesordnung. Die Antragsteller übten Kritik an fehlenden Informationen durch die Verwaltung, stellten aber auch grundsätzlich das Heizen mit Hackschnitzeln im Stadtgebiet infrage.

"Heizen mit Holz ist nicht kllimaneutral"

„Heizen mit Holz ist nicht klimaneutral“, sagte Markus Fetzer (FW). Die Belastung durch die Kleinfeueranlagen werde immer schlimmer. Verschiedene staatliche Stellen wie das Umweltbundesamt hätten bereits empfohlen, auf das Heizen mit Holz zu verzichten, weil die Feinstaubbelastung durch Holz stärker vorangetrieben werde als durch Autos. „Ich sehe hier eine Unzumutbarkeit für die Anlieger“, sagte Fetzer. „Unsere Aufgabe ist es nicht nur, das Baurecht zu prüfen, sondern auch das Allgemeinwohl im Auge zu behalten.“ In die gleiche Kerbe schlug auch Eberhard Fetzer (CSU): „Es geht darum, die Sorgen und Nöte der Bürger aufzugreifen und dem Betreiber den Rat zu geben, über innovative Möglichkeiten nachzudenken“, sagte Fetzer und griff seine Ratskollegen an. „Ich verstehe nicht, wie hier so ein Unsinn verbreitet werden kann.“

"Mit gutem Beispiel vorangehen"

„Es ist kein guter Stil, wenn man gegen die Entscheidungen des eigenen Gremiums vorgeht“, kritisierte Dr. Thorsten Nusser (CSU) den Nachprüfungsantrag. Stadträte sollten vielmehr „mit gutem Beispiel vorangehen und nicht die eigenen Interessen in den Vordergrund stellen.“ Zudem setze die Stadt ja selbst auf die Form der Energiegewinnung. „Wir können nicht dem Betreiber des Campingplatzes die Anlage untersagen und selbst ein Heizkraftwerk bauen.“

Auch Thomas Wurmbäck (CSU) trat für das Vorhaben ein. „Wir haben hier einen mittelständischen Unternehmer, der von Gas auf eine regenerative Heizform umsteigen will“, sagte Wurmbäck. „Woanders würde er dafür gefeiert werden. Hier wird ihm vorgeworfen, dass er seinen Mitmenschen schadet.“

Martin Sambale, Geschäftsführer vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu (EZA), den Bürgermeister Nico Sentner als Experten zur Sitzung geladen hatte, brachte die Sachlichkeit in die Debatte zurück. „Wenn wir in Deutschland alles auf Holz umstellen, wird es nicht funktionieren – wir reden von Millionenstädten ohne Wald.“

"Aus meiner Sicht macht der Campingplatz-Betreiber alles richtig"

Im vorliegenden Fall handele es sich aber um einen Unternehmer, der einen Wald besitzt. „Das eigene Holz wird verarbeitet und als Abfallprodukte fallen Hackschnitzel an, die dann verbrannt werden“, sagte Sambale. „Das ist der ideale, regionale Kreislauf. Die Nachhaltigkeit und Klima-Neutralität ist hier absolut gegeben.“ Zudem habe die Anlage das Potenzial, in Zukunft ein Einspeisepunkt für ein größeres Wärmenetz zu sein, erklärte der EZA-Geschäftsführer. „Aus meiner Sicht macht der Camping-Platz-Betreiber alles richtig.“

„Wenn ich Holz verbrenne, bleibt die Wertschöpfung in der Region“, argumentierte auch Bürgermeister Nico Sentner (CSU) für Hackschnitzel als Heizform. „Wir haben Probleme wie den Käferbefall, da muss das Holz raus aus dem Wald.“ Sentner betont zudem, dass sich der Campingplatz-Betreiber kompromissbereit gezeigt habe. So habe er auf Wunsch von Verwaltung und Anliegern das Gebäude der Hackschnitzel-Heizzentrale gedreht und die Anlieferung auf das eigene Grundstück verschoben. So gelang es, Kritiker der Pläne umzustimmen.

„Mich haben vor allem der Standort, die Anlieferung über die Spielstraße und die fehlenden Informationen an die Nachbarn gestört“, begründete Alexandra Konda (Frauenliste) ihre Ablehnung des Antrags im Bauausschuss. Sie trat dafür ein, weitere Anlieger an die Heizzentrale anzuschließen. „Die meisten heizen noch mit Öl und Gas.“ Hierzu sollen mit den Nachbarn weitere Gespräche geführt werden, kündigte Immenstadts Rathauschef Nico Sentner an.

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