Skicross-Talent aus dem Oberallgäu

Rettenberger Skicrosser mischt die Szene auf: Sebastian Veit im Portrait

Sebastian Veit (19) wechselte vom alpinen Skisport zu den Skicrossern und feierte im März 2022 mit Silber bei der Junioren-WM seinen größten Erfolg.

Sebastian Veit (19) wechselte vom alpinen Skisport zu den Skicrossern und feierte im März 2022 mit Silber bei der Junioren-WM seinen größten Erfolg.

Bild: Lisa Weishaupt

Sebastian Veit (19) wechselte vom alpinen Skisport zu den Skicrossern und feierte im März 2022 mit Silber bei der Junioren-WM seinen größten Erfolg.

Bild: Lisa Weishaupt

Skicrosser Sebastian Veit holte im März Junioren-WM-Silber. Im Sommer sucht der 19-jährige Rettenberger den Adrenalinkick im Wasser. Sein besonderer Weg.
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Von Lukas Herr
12.05.2022 | Stand: 19:03 Uhr

„Eigentlich wollte ich nur mal mit hochfahren und schauen, was geht“, sagt Sebastian Veit. Es geht um den Tag der Skicross-Entscheidung bei der Junioren-Ski-WM im Schweizer Veysonnaz. Zwei Tage zuvor hatte sich der 19-Jährige eine Lebensmittelvergiftung eingefangen und konnte danach kein Training mehr absolvieren. Am Ende dieses besonderen 22. März aber sollte der Rettenberger die Silbermedaille gewinnen. Angesichts der Umstände für den jungen Skicrosser selbst eine Überraschung.

Sein Weg zum Edelmetall begann mit dem Wechsel der Disziplinen. Bis zur U16 fuhr Veit noch bei den klassischen Alpinen. Der Nachwuchssportler war aber – auch verletzungsbedingt – nicht mehr so aktiv wie in den Vorjahren und hatte zunehmend weniger Spaß an der Sache. „Es war nicht das sportliche Element der Wettkämpfe, sondern mehr das Drumherum der Rennen, das mich weniger reizte“, sagt Veit.

Europacup-Debüt mit 17 Jahren

Von den Alpinen sei er in den Skicross reingerutscht und konnte sich sofort dafür begeistern. Im November 2019 gab Veit mit 17 Jahren im Pitztal seine Europacuppremiere.

Die Sportart fasziniere ihn vor allem wegen der Kombination aus Elementen des Alpinen Skisports und des Freestylebereichs, das er – wie das Freeriden – von klein auf mochte. Veit nennt mit Candide Thovex, Tanner Hall und Henrik Harlaut auch drei Vorbilder, die im Freestyle und Freeride aktiv sind. „Die haben es geschafft, sich so zu verwirklichen, dass sie selbst eine Marke sind“, erklärt der Teenager seine Bewunderung. Da überrascht es wenig, dass er die Skicross-Szene an sich und deren „Vibe“ liebt.

„Man merkt immer noch, dass der Skicross von der Masse nur als Randsportart wahrgenommen wird“, sagt der Athlet vom Skiclub Rettenberg. Im Europacup seien meist halb so viele Zuschauer wie bei Schülerrennen der Alpinen. Dennoch sieht der Juniorenvizeweltmeister ein zunehmend stabileres Standing seiner Sportart.

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Abseits des Sports befindet sich der Rettenberger in der Abiturphase am Gymnasium in Oberstdorf, das er seit der elften Klasse besucht. Gerade in den Wintermonaten war er aber mehr auf den Skicrossstrecken Europas unterwegs als auf der Schulbank. Eine Saisonvorbereitung vor der Haustür in Grasgehren ist nicht möglich – deshalb peilt Veit den Sportkader der Bundeswehr an.

Das Ende einer Saison ist vermeintlich auch eine Pause für Adrenalin, Geschwindigkeit und Freestyle-Vibe bis zum Spätherbst. Das ist bei Sebastian Veit nicht der Fall.

Schwere Verletzung 2020

Wenn der Sommer kommt und der Schnee schmilzt, tauscht der frischgebackene Vizejuniorenweltmeister Schnee gegen Wasser und zwei Bretter gegen eins. Wakeboarden ist seine große Leidenschaft in den warmen Monaten – für ihn ein Ausgleich zum Skicross. Er könne sich hierbei gut verwirklichen, ohne den ständigen Leistungsgedanken zu verfolgen. Allerdings fiel die Saison 2020/21 eben dieser Sommerleidenschaft zum Opfer. Veit zog sich beim Wakeboarden einen Kreuzband- und Innenbandriss zu, die Wintersaison war bereits im August 2020 vorbei. 237 Tage dauerte es nach der OP, ehe er wieder auf Skiern stehen konnte.

Ein Erfolg, wie bei der Junioren-WM heuer, hätte auch schon 2020 geschehen können. Bei den Olympischen Jugendspielen in Lausanne lag Veit bereits auf Finalkurs, als sein Halbfinale nach einem Gegnerkontakt im Fangzaun endete. Er habe sich auch an diesem Tag eine Medaille zugetraut. „Aber das ist auch Teil dieses Sports“, sagt er heute.

Was dem 19-Jährigen im Umgang mit Extremen hilft, ist die Fähigkeit, sich selbst nicht immer zu ernst zu nehmen. Lockerheit und vor allem der Spaß an der Sache gehören sowohl auf den Skiern als auch auf dem Wakeboard dazu und sind ein wichtiger Erfolgsgarant für Veit. So finden sich in den sozialen Medien Beiträge, in denen den „Followern“ mal scherzhaft ein „Trainingstag“ nahegebracht wird, oder die neusten Einlagen beim Wakeboarden präsentiert werden. Veits Ziele für die kommende Saison sind klar: eine gute Eurocupsaison mit vielen Finals und Top-Acht-Resultaten. Und die eigene Riesentorlauftechnik zu verbessern: „Da lasse ich im Moment auf jeden Fall noch Potenzial liegen“, sagt Veit.

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