Skibergsteigen

So bewältigte der Hindelanger Skibergsteiger Marc Dürr das größte Rennen der Welt

Heiße Rennen in der Kälte: Marc Dürr blickt auf seine bisher erfolgreichste Saison als Skibergsteiger zurück. Der 26-jährige Hindelanger wurde deutscher Meister beim Jennerstier und Achter bei der „Patrouille des Glaciers“.

Heiße Rennen in der Kälte: Marc Dürr blickt auf seine bisher erfolgreichste Saison als Skibergsteiger zurück. Der 26-jährige Hindelanger wurde deutscher Meister beim Jennerstier und Achter bei der „Patrouille des Glaciers“.

Bild: Dominik Berchtold

Heiße Rennen in der Kälte: Marc Dürr blickt auf seine bisher erfolgreichste Saison als Skibergsteiger zurück. Der 26-jährige Hindelanger wurde deutscher Meister beim Jennerstier und Achter bei der „Patrouille des Glaciers“.

Bild: Dominik Berchtold

Trotz Temperaturschwankungen von 45 Grad hat Marc Dürr die weltberühmte "Patrouille des Glaciers". Rang acht krönt den Traumwinter für den 26-Jährigen.
19.05.2022 | Stand: 18:21 Uhr

„Insgesamt zufrieden“ sei er mit dem Erfolg, sagt Marc Dürr. „Vor allem freut es mich, dass ich nach der langen Krankheitsphase am Anfang so gut in Form gekommen bin. Die zweite Saisonhälfte war richtig gut.“ Nachdem er die ersten beiden Weltcups krankheitsbedingt verpasste, meldete sich der Skibergsteiger aus Bad Hindelang im Februar mit dem Sieg beim prestigeträchtigen Jennerstier und damit mit dem Gewinn des deutschen Meistertitels eindrucksvoll zurück. Mit diesem Erfolg im Rücken visierte der 26-Jährige in den verbleibenden Weltcups Top-30-Platzierungen an.

Im Südtiroler Martelltal erreichte Dürr einen „relativ guten“ 29. Platz im Individual und landete im Sprint in den „40ern“, für ihn recht zufriedenstellend. Es folgte sein persönliches Highlight beim Weltcup-Finale im französischen Flaine: Neben dem 29. Rang im Vertical gab es für den Oberallgäuer mit Rang 23 im Individual die bisher beste Weltcup-Platzierung. Doch das Beste sollte noch kommen: Der Saisonabschluss war richtig knackig.

Patrouille des Glaciers: 56 Kilometer und 4000 Höhenmeter

Mit der „Patrouille des Glaciers“ stand für Marc Dürr die erste Teilnahme an der in Skibergsteiger-Kreisen „Mutter aller Rennen“ auf dem Programm. Das 1943 vom Schweizer Militär ins Leben gerufene Skitourenrennen wird nur zweijährig ausgetragen. In Dreierteams gilt es für die Athleten auf der 56 Kilometer langen Strecke von Zermatt nach Verbier, einen Aufstieg von über 4.000 Höhenmetern zu bewältigen. „Die Patrouille ist das längste und das härteste Skitourenrennen“, erzählt Dürr. „Die Strecke ist sehr schön. Sonnenaufgang am Matterhorn, dann den Col de Riedmatten hoch, man überquert so viele Gletscher. Leider hat man aber nicht viel Zeit, das alles zu genießen.“

Als Vorbereitung auf die sportliche Herausforderung zum Finale des Winters setzte Dürr in erster Linie auf Regeneration. „Speziell nach dem Weltcup in Frankreich ist eine gute Erholung vor so einem langen Rennen wichtig“, sagt der 26-Jährige. Trotz dieses Vorsatzes wurde die Vorbereitung turbulent: Drei Wochen vor dem Start fiel der ursprünglich als dritter Mann eingeplante Athlet mit einem Schlüsselbeinbruch aus – es begann die stressige Suche nach Ersatz.

Kurzfristiger Ersatz für das Team um Marc Dürr

Den fanden Marc Dürr und sein Kollege, der Langenwanger Finn Koch, in dem Tiroler Andreas Mayer. Für Mayer war die „Patrouille“ allerdings Premiere – ein derart langes Rennen hatte der Österreicher zuvor nicht absolviert. Daher schraubte das Trio, das für das „Allgäu Outlet Raceteam“ startete, seine Erwartungen für die erste Teilnahme am Traditionsrennen zurück. „Wir haben zwar gewusst, dass wir alle fit sind, aber für Andreas war es das erste Rennen der Art und traditionell sind da extrem viele gute Läufer am Start“, sagt Dürr. Ein Top-15-Platz war deshalb im Vorfeld anvisiert worden.

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Zwei Tage vor dem Start reisten Dürr und Co. an, um zumindest noch die ersten Kilometer der unbekannten Strecke in Augenschein zu nehmen. „Wir waren auf den Ski, haben getestet, wie wir das Seil anbinden und die letzten Details abgestimmt“, erzählt Dürr. „Am Tag zuvor versucht man ein bisschen zu schlafen, weil man für den Start um 2.30 Uhr raus muss. Während ich im Weltcup schon Routine habe, war das noch alles ungewohnt.“

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Als erschwerende Besonderheit kam heuer die Tatsache hinzu, dass aufgrund des wenigen Schnees ein weitaus größerer Teil der Strecke zu Fuß zurückgelegt werden musste, was sich in den Zeiten aller Athleten bemerkbar machte.

Erster Knackpunkt für Dürr und seine Kollegen war nach eineinhalb Stunden die Ankunft auf dem Tête Blanche, dem höchsten Punkt der Wegstrecke auf 3710 Metern. Während am Vortag in Zermatt noch frühlingshafte 20 Grad herrschten, bekamen es die Athleten hier oben mit eisigen Minus 25 Grad zu tun. „Das waren extreme Temperaturunterschiede, die keiner von uns gewohnt war. Wir haben uns eine Daunenjacke und Überhandschuhe angezogen, was uns wiederum Zeit gekostet hat. Aber bei den Temperaturen hätten wir sonst Erfrierungen riskiert“, berichtet Dürr. Er selbst kämpfte zudem mit Problemen, sich über einen langen Zeitraum ausreichend ernähren zu müssen – zwischendurch bekam Dürr einen kleinen Hungerast.

„Blindflug“ auf Rang acht

Da die Teams zu unterschiedlichen Startzeiten auf die Strecke gehen, haben die Sportler während des Rennens keinen Überblick über die Positionierungen. „Wir haben zwar gewusst, dass wir nicht schlecht im Rennen liegen und haben vermutet, dass es sogar eine Top-Ten-Platzierung werden könnte, aber ob Fünfter oder Zwölfter, kriegt man während des Rennens nicht mit“, sagt Dürr. Am Ende waren er, Koch und Mayer mit ihrem achten Rang „sehr glücklich. Es hat alles funktioniert, obwohl wir nicht viel zusammen trainieren konnten.“

Für Marc Dürr steht nun erst einmal eine kurze Pause an, in der er sich nach der harten Saison auf andere Dinge konzentrieren möchte. Die Weichen für den Winter sind aber schon gestellt. Ende Juni geht der Skibergsteiger aus Bad Hindelang beim ersten Berglauf an den Start. Dass er da noch nicht in Top-Form sein wird, ist klar. Für ihn ist die Teilnahme aber in erster Linie Bestandteil seines langen Trainingsprogramms. Schließlich möchte er in der kommenden Wintersaison bei so vielen Weltcups wie möglich dabei sein. Dürr: „Ich hoffe, dass ich für alle nominiert werde und sie auch alle fit durchziehen kann.“