Bargeld

So gibt’s Bares, auch wenn der Automat fehlt

Grafik_Bargeldversorgung_OA

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Bild: beckmann

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Selbst wenn Banken Automaten abbauen oder Zugangszeiten begrenzen, können Kunden an Scheine kommen. Viele Supermärkte zahlen auf Wunsch auch Geld aus.
19.02.2021 | Stand: 18:24 Uhr

Noch mal schnell nachts Geld holen? Vielerorts kein Problem, wenn Banken Geldautomaten bieten, die rund um die Uhr geöffnet sind. Doch das ist nicht überall so. Immer wieder haben Kunden das Nachsehen, wenn Banken Filialen schließen, Öffnungszeiten reduzieren oder gar Automaten abbauen.

Beispiel Immenstadt: Ende 2000 zog die Dresdner Bank ab, ließ nur Automaten stehen. Die übernahm die Commerzbank, als sie die „Dresdner“ schluckte. Später löste die Hypovereinsbank ihre Filiale auf und baute jetzt auch ihre Automaten ab. Der Geldautomat der „ING“ im Bahnhof ist nur tagsüber zugänglich (unter der Woche bis 19, Samstag/Sonntag bis 14 Uhr). Die Volksbank überlegt, den Zugang zu ihren Automaten aus Sicherheitsgründen von Mitternacht bis 5 Uhr morgens zu schließen. Einschränkungen gibt’s auch anderswo.

Klar hängt das mit dem Kundenverhalten zusammen. Viele wickeln Bankgeschäfte per Computer und Smartphone ab oder wechseln zu einer Direktbank. Doch Filialen und Automaten vor Ort lassen sich nicht für lau betreiben. „Die Kunden entscheiden mit ihrer Nutzung, wo was entsteht, bleibt oder verschwindet“, formuliert es Alfons Stöberl (Raiba Kempten-Oberallgäu). Es habe beispielsweise keinen Sinn, in Blaichach nachts den Geldautomaten abzuschalten, wenn dort regelmäßig Arbeiter im Schichtdienst ab 4 Uhr morgens Geld holen. Banken haben ihr Filialnetz im Blick und prüfen, welche Angebote wann gefragt sind. Bei den Öffnungszeiten spiele die örtliche Historie ebenso rein wie die Frequenz, sagt Heribert Schwarz (Sparkasse Allgäu). Das kann zu Anpassungen führen. Mitte Februar will die Sparkasse in Immenstadt, Kempten und Sonthofen in besuchsschwachen Bereichen einzelne Öffnungszeiten etwas reduzieren.

Heimische Banken bieten trotz allem ein großes Filialnetz, auch wenn manche Stelle an einzelnen Vor- und Nachmittagen zu ist. Doch ein geschlossener Servicebereich bedeutet nicht, dass da niemand arbeitet. Man nutze solche Zeiten zur Kundenberatung, sagt Schwarz. Die ist heute nach Terminvereinbarung oft weit über den Schalterschluss hinaus möglich.

Wer Bargeld braucht, ist eh nicht auf Banken angewiesen. Vereinzelt gibt es (etwa in der Klinik Immenstadt) Automaten eines privaten Betreibers, der das über entsprechende Gebühren finanziert. Zudem bieten einige Tankstellen einen Bargeldservice für Kunden der Banken, die zur Cash Group gehören. Und man erhält in vielen Supermärkten und Discountern Bargeld, wenn man einkauft und mit Bankkarte zahlt. Warum? „Wir halten das für einen tollen Service, den wir unseren Kunden gerne anbieten“, sagt Sonja Kehr (Feneberg). Dort reicht ein Einkauf für zehn Euro, um Geld abzuheben.

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An flotten Abläufen interessierte Händler haben weitere Gründe: Sie motivieren Kunden, mit Karte zu zahlen, was meist schneller geht als das Kruschteln nach Geld. Zugleich werden Geschäfte einen Teil ihrer Bareinnahmen los. Dieses Geld müssen sie nicht mehr per Werttransport zur Bank bringen lassen, was wiederum Kosten spart.

Laut Schwarz blieb der Bargeldbedarf der Sparkasse in den Vorjahren gleich. Den gestiegenen Konsum hätten Kunden also bargeldlos abgewickelt. Und Kartenzahlungen nähmen immer stärker zu. Auf ein Ende des Bargelds, wie es manche Wirtschaftler binnen 20 Jahren für möglich halten, hoffen Stöberl und Schwarz nicht. Bargeld sei ein Stück Freiheit und Privatsphäre. Da wissen weder der Staat noch Google, was man gerade gekauft hat.