Unterricht zuhause

So organisieren Oberallgäuer und Kemptener Schulen das Distanz-Lernen

Anton ist ein Lernprogramm, das vor allem Grundschulen im Distanzunterricht einsetzen.

Anton ist ein Lernprogramm, das vor allem Grundschulen im Distanzunterricht einsetzen.

Bild: Sibylle Mettler

Anton ist ein Lernprogramm, das vor allem Grundschulen im Distanzunterricht einsetzen.

Bild: Sibylle Mettler

Schulleiter und Eltern ziehen überwiegend positive Zwischenbilanz. Unterschiedlich viel Live-Unterricht. Langsames Internet lähmt allerdings.
21.01.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Wer früher Anton fertigmachte, bekam üblen Ärger in der Schule. Corona ändert das. Heute gibt es dafür eine virtuelle Medaille. Anton ist eines von vielen IT-Programmen, mit denen die Schulen im Oberallgäu und in Kempten den Distanzunterricht organisieren. Der funktioniere inzwischen überwiegend gut, versichern Schulleiter – was Eltern bestätigen. Wie oft die Kinder Live-Unterricht haben, ist aber sehr unterschiedlich.

Die Realschule an der Salzstraße in Kempten und die Mädchenrealschule Maria Stern in Immenstadt setzen beide stark auf Video-Konferenzen. In beiden Schulen haben sich die Lehrer darauf verständigt, den Großteil der Unterrichtsstunden mit Video-Konferenzen zu beginnen, berichten die Schulleiter Elisabeth Schindele und Werner Schilling. „Ich habe den Eindruck, dass die Schüler die Video-Konferenzen gerne annehmen“, sagt Schindele. Sie seien wichtig, um den Kontakt zu den Schülern zu halten. Der Ablauf richte sich nach dem Stundenplan. „Das hilft, Stabilität reinzubringen“, sagt Schindele.

Datenaustausch über Software

Beide Realschulen organisieren seit dem ersten Lockdown die Kommunikation, den Datenaustausch und den Live-Unterricht über Microsoft Teams. „Das funktioniert sehr gut“, sagt der Immenstädter Schulleiter Schilling. An der Mädchenrealschule müssten die Lehrer am Vortag bis 18 Uhr die Videokonferenz-Zeiten bekannt geben und alle Unterrichtsmaterialien bereitstellen. Der Schultag beginne jeden Tag mit Live-Unterricht, in dem die Anwesenheit der Schülerinnen kontrolliert werde. In den Schulstunden erhalten die Mädchen laut Schilling dann in Videokonferenzen Impulse, denen sich individuelle Arbeitszeit anschließt. Die Elternbeiräte beider Realschulen äußern sich zur Unterrichtsorganisation mit viel Video-Konferenzen mehr als zufrieden – auch wenn diese für viele sehr anstrengend seien, schildert die Immenstädter Elternbeiratsvorsitzende Edith Heidler.

Auch die Grundschule auf dem Lindenberg in Kempten setze zunehmend Videokonferenzen ein, berichtet Schulleiterin Margret Bresele-Frisch. Rein digital könne der Unterricht dort aber nicht funktionieren. Deshalb würden für die Kinder Päckchen mit vorbereiteten Unterrichtsmaterialien bereitgestellt. Zur täglichen Organisation diene die digitale Pinnwand „Padlet“. „Eine große Rolle spielt bei uns aber auch das Telefon“, sagt Bresele-Frisch. Die Schule habe einen großen Anteil von Familien mit Migrationshintergrund, die besondere Unterstützung seitens der Lehrer bräuchten. Das klappe aufgrund des hohen Engagements des Kollegiums sehr gut. „Ich finde es bewundernswert, wie fleißig die Kinder lernen“, betont die Schulleiterin. Auch die Eltern unterstützen die Schüler nach Kräften. Viele gingen über ihr Limit.

"Sind an der Belastungsgrenze"

„Wir sind an der oberen Belastungsgrenze“, sagt auch Matthias Dorn, Elternbeiratsvorsitzender der Grundschule Rieden in Sonthofen, nach fast einem Jahr im Homeoffice zweier berufstätiger Elternteile mit drei schulpflichtigen Kindern. Die Organisation seitens der Grundschule funktioniere gut. „Aber wir Eltern tun uns schwer, Sachverhalte kindgerecht gut zu erklären. Wir können die Lehrer nicht ersetzen“, betont Dorn.

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„Der Distanzunterricht funktioniert schon“, sagt die Riedener Grundschulleiterin Marion Arnold. Wie gut ein Kind damit zurechtkommt, hänge aber davon ab, wie gut strukturiert es selbst schon ist und wie stark die Eltern es unterstützen können. Sowohl Arnold als auch Bresele-Frisch in Kempten beobachten, dass die Zahl der Kinder in der Notbetreuung langsam zunimmt.

Gymnasium setzt auf verschiedene Plattformen

Auf verschiedene Online-Plattformen setzt das Carl-von-Linde-Gymnasium in Kempten, berichtet Schulleiter Hermann Brücklmayr. Im Vergleich zum ersten Lockdown habe sich wahnsinnig viel getan, lobt Elternbeiratsvorsitzende Antonia Widmer. Sie bedauert aber, dass aufgrund der Datenschutz-Bedenken mancher Eltern Live-Unterricht nicht verpflichtend ist.

Über Schwierigkeiten mit der Ausstattung berichtet der Schulleiter des Oberstdorfer Gymnasiums, Ludwig Haslbeck. Die bestellten I-Pads seien im Moment nicht lieferbar. Die Internet-Verbindung sei außerdem nicht überall gut – ein Problem, das auch den Unterricht der anderen befragten Schulen lähmt.