Schwierige Berufswahl

So wirkt sich Corona auf Ausbildungsplätze im Oberallgäu aus

Im Lebensmittelhandwerk sind noch Ausbildungsplätze frei. Jeanett Libert hat sich vergangenes Jahr für eine Lehre als Fachverkäuferin bei der Bäckerei Speiser in Waltenhofen entschieden. Im Moment betreut sie das Backwaren-Mobil vor der neuen Filiale, die in der Ortsmitte entsteht.

Im Lebensmittelhandwerk sind noch Ausbildungsplätze frei. Jeanett Libert hat sich vergangenes Jahr für eine Lehre als Fachverkäuferin bei der Bäckerei Speiser in Waltenhofen entschieden. Im Moment betreut sie das Backwaren-Mobil vor der neuen Filiale, die in der Ortsmitte entsteht.

Bild: Matthias Becker

Im Lebensmittelhandwerk sind noch Ausbildungsplätze frei. Jeanett Libert hat sich vergangenes Jahr für eine Lehre als Fachverkäuferin bei der Bäckerei Speiser in Waltenhofen entschieden. Im Moment betreut sie das Backwaren-Mobil vor der neuen Filiale, die in der Ortsmitte entsteht.

Bild: Matthias Becker

Wegen der Corona-Krise tun sich viele Absolventen bei der Berufswahl schwer. 1.300 Jugendliche aus Kempten und dem Oberallgäu starten am 1. September.
01.09.2021 | Stand: 17:53 Uhr

Die wichtigste Nachricht vorweg: Wer noch eine Lehrstelle sucht, kann noch bis Weihnachten mit einer Ausbildung beginnen. Darauf verweisen Handwerkskammer (HWK) und Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben. Denn in diesem, von Corona geprägten Jahr, gebe es besonders viele Unentschlossene, die nicht wissen, was sie nach ihrem Schulabschluss machen sollen. „Die Berufsorientierung war extrem schwierig“, stellt Dr. Christian Fischer, Fachbereichsleiter Ausbildung der IHK, fest.

Die meisten Aktionen, bei denen Schüler normalerweise verschiedene Berufe kennenlernen, hätten gar nicht oder nur sehr eingeschränkt stattgefunden, erklärt Fischer. Digitale Veranstaltungen seien zwar gut besucht gewesen. „Aber das hat nicht die Qualität, wie wenn man sich in die Augen schaut“, betont Fischer. Dass alles nur virtuell stattfinden konnte, „war die zweitbeste Wahl“, sagt auch HWK-Pressesprecherin Monika Treutler-Walle.

Berufsberatung per E-Mail

Doch Lena Braxmair weiß, was sie will. Sie ist eine der laut HWK und IHK mehr als 1.300 Jugendlichen aus Kempten und dem Oberallgäu, die am Mittwoch ihre Ausbildung starten. Die 17-jährige Oberstdorferin ist angehende Medizinische Fachangestellte. Sie wollte lange „etwas mit Kindern“ machen, hätte gerne bei einem Kinderarzt reingeschnuppert. Das habe aber wegen Corona nicht geklappt. Die Schülerin bewarb sich bei Allgemeinmedizinern – und bekam beim dritten Versuch eine Zusage.

Die Berufsberatung habe hauptsächlich per E-Mail stattgefunden, berichtet die Jugendliche. „Am Anfang war das etwas holprig, aber dann in Ordnung“, sagt die 17-Jährige, die an der Mittelschule Oberstdorf die Mittlere Reife erlangte. Doch obwohl fast alle berufsbildenden Veranstaltungen ausfielen, sagt sie: „Ich fühle mich von der Schule sehr gut vorbereitet.“

Viele ihrer Klassenkameraden hätten schon im Pflichtpraktikum in der achten Klasse einen Ausbildungsplatz gefunden, berichtet Braxmair. Eine ihrer Freundinnen habe aber „ewig lang“ nicht gewusst, was sie beruflich machen soll. (Lesen Sie auch: Er ist Azubi und 50 Jahre alt: Wie ein Kaufbeurer zum Vorbild für andere wird)

Arbeitsagentur Kempten: Ausbildungsmarkt ist gut

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Aus Sicht der Agentur für Arbeit in Kempten war der Ausbildungsmarkt in diesem Jahr „sehr gut“. „Die Bereitschaft auszubilden, war auch im Coronajahr da“, stellt Pressesprecher Armin Iqbal fest. Aktuell verzeichnen IHK und HWK immer noch 145 offene Stellen. Sie betonen, dass nicht jede ausbildungswillige Firma offene Lehrstellen auch meldet. Nachfragen lohne sich daher immer – egal, ob für ein Praktikum oder für einen Ausbildungsplatz.

Vor allem Betriebe aus Hotellerie und Gastronomie, die wegen der Pandemie schließen mussten, fehlt es laut IHK-Ausbildungsleiter Fischer nun an Bewerbern. Er betont, dass Jugendliche auch nach dem offiziellem Start am 1. September noch mit einer Ausbildung beginnen können. Für Oktober kündigt Fischer eine große Nachvermittlungsaktion an, denn: „Der Jugendliche, der jetzt nicht in Ausbildung geht, fehlt uns in drei Jahren als Fachkraft.“ Die Spenglerei Lerchenmüller aus Dietmannsried hat laut Gabi Dorn hingegen von der Situation profitiert. Viele Jahre lang habe man keinen geeigneten Bewerber gefunden, berichtet die Geschäftsassistentin. In diesem Jahr habe der Betrieb gleich vier angehende Spengler eingestellt. Dorn ist sich sicher, dass das mit Corona zu tun hat. „Wir konnten weiter arbeiten – weil wir draußen sind“, stellt Dorn fest.

Betriebe auf der Suche

Andere Betriebe der Baubranche sind nach Angaben der HWK noch auf der Suche nach Bewerberinnen. Gefragt seien außerdem angehende Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Friseure und Augenoptikerinnen.

Lena Braxmair ist froh, dass sie ihren Job in einem „coolen Team“ gefunden hat. Überwiegt nun die Nervosität oder die Freude? „Beides“, sagt sie und lacht.

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