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„Worauf arbeiten wir überhaupt hin?“: Wie der 1. FC Sonthofen in der Krise plant

Der 1. FC Sonthofen hat in den vergangenen 483 Tagen nur vier Ligaspiele absolviert. Seit über vier Monaten steckt das Team im Cybertraining.

Der 1. FC Sonthofen hat in den vergangenen 483 Tagen nur vier Ligaspiele absolviert. Seit über vier Monaten steckt das Team im Cybertraining.

Bild: Günter Jansen

Der 1. FC Sonthofen hat in den vergangenen 483 Tagen nur vier Ligaspiele absolviert. Seit über vier Monaten steckt das Team im Cybertraining.

Bild: Günter Jansen

Bernd Kunze, Teammanager des 1. FC Sonthofen, spricht über Sorgen und Probleme im zweiten Lockdown. Der FCS verpflichtet ein Trio für den Sommer.
20.03.2021 | Stand: 08:48 Uhr

168 Tage sind seit dem bisher letzten Schlusspfiff vergangen. In den zurückliegenden 483 Tagen hat der 1. FC Sonthofen gar nur vier Ligaspiele absolviert. „Seit meinem fünften Lebensjahr bin ich mit dem Fußball verbunden, aber so weit weg wie jetzt war er noch nie für mich“, sagt Bernd Kunze. „So wenig habe ich mich noch nie damit beschäftigt. Corona macht es immer fremder.“ Dabei ist der 47-jährige Teammanager des FCS, der seit genau einem Jahr im Amt ist, auch inmitten des zweiten zähen Lockdowns durchaus tätig geworden.

Ein Talent, ein Fischinger und ein Routinier verstärken Sonthofen

Obwohl eine geregelte Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach wie vor noch nicht absehbar ist, vermeldet der FCS drei Neuzugänge für die kommende Saison. Dabei geht der Tabellendritte der Landesliga den Weg weiter, den die Clubführung seit zwei Jahren vorzeichnet. „Wir haben bewusst auf Spieler aus der Region gesetzt, aus dem Umfeld, zum Teil sogar auf Ex-Spieler des Vereins“, sagt Kunze. Vielversprechend ist dabei der 19-jährige Jonas Koller, der aus dem U 19-Bayernliga-Team des FC Memmingen nach Sonthofen kommt. Mit dem 25-jährigen Alexander Haase (TSV Fischen) – für Kunze „einer, der ungemeines Potenzial hat“ – plant Trainer Benjamin Müller ebenfalls für die Landesliga-Mannschaft. Routinier Michael Skarke (36), bis 2013 FCS-Spieler, verstärkt die Reserve der Sonthofer.

Wann genau das Trio erstmals das FCS-Trikot überstreifen kann, hängt ganz maßgeblich davon ab, wann eine neue Saison beginnt – mehr noch davon, ob und wann die durch den Lockdown ohnehin schon zerpflückte laufende Spielzeit fortgesetzt wird. „Das Schwierige an der momentanen Situation ist, dass es kein Ziel mehr gibt. Immer wenn ein Funke Hoffnung aufkommt, wird wieder verschoben“, sagt Bernd Kunze. „Dass die Jungs, die heute noch immer zweimal pro Woche im Cybertraining stecken, allmählich Motivationsprobleme bekommen, ist verständlich. Denn worauf arbeiten wir überhaupt hin?“

Bernd Kunze: "Wir müssen flexibel bleiben"

Eine Frage, die sich mit dem FCS unzählige Fußballclubs und Sportvereine generell angesichts der unübersichtlichen Lage stellen. Und trotzdem läuft die Arbeit beim 1. FC Sonthofen im Hintergrund weiter – nicht nur mit Blick auf die Transfers. „Ich bin als Teil der Mannschaft bei den Trainings dabei. Wir tauschen uns aus, erarbeiten immer wieder Pläne für den Neustart“, sagt der Teammanager. „Meine größte Aufgabe sehe ich in dieser Phase darin, die Truppe auf eine Flexibilität vorzubereiten. Denn wann immer es losgeht: Es wird alles anders werden und darauf müssen wir gefasst sein.“

Die Spieler jedenfalls, das betonen Kunze und Coach Müller, ziehen mit. Das belegt die rege Teilnahme an den Cyber-Trainings, das unterstreicht der laufende Gehaltsverzicht eines Großteils des Kaders und das festigt die Zusage für die Zukunft. „Wir haben mit allen Jungs der ersten und zweiten Mannschaft online Gespräche gehabt und haben das Signal bekommen, dass alle auch noch ein Jahr später in Sonthofen dabei sind“, sagt Bernd Kunze. „So will niemand den Verein wechseln.“ Und so hofft der 47-Jährige, dass es „irgendwann zum April hin“ ein Signal gibt, nach dem man wieder mit dem Training beginnen könnte. „Wie es dann weitergeht, weiß kein Mensch“, sagt Kunze. „Aber ich hoffe, dass man endlich wieder am Spielfeldrand stehen kann und nicht mehr über Corona redet. Sondern über Tore.“

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