Bad Hindelang

Tristan Schwandke und die Kraft des letzten Wurfs

Er ist schwäbischer Rekordhalter und Deutschlands Nummer eins: Hammerwerfer Tristan Schwandke mischt nun sogar die internationale Szene auf.

Er ist schwäbischer Rekordhalter und Deutschlands Nummer eins: Hammerwerfer Tristan Schwandke mischt nun sogar die internationale Szene auf.

Bild: Sven Hoppe, dpa (Archiv/Symbolbild)

Er ist schwäbischer Rekordhalter und Deutschlands Nummer eins: Hammerwerfer Tristan Schwandke mischt nun sogar die internationale Szene auf.

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Er ist schwäbischer Rekordhalter und Deutschlands Nummer eins: Hammerwerfer Tristan Schwandke mischt nun sogar die internationale Szene auf.
14.06.2019 | Stand: 15:55 Uhr

Tristan Schwandke bedient sich für gewöhnlich nicht platter Floskeln. Wenn er es allerdings tut, dann belegt er sie mit Argumenten. „Es ist ein Phänomen: Wenn’s läuft, dann läuft’s heißt es doch immer“, sagt der 27-jährige Hammerwerfer. „Das trifft es wohl zur Zeit bei mir. Aber ich habe es mir erarbeitet. Ich kann am Ende die letzten PS rausholen – das macht mich zufrieden.“ Zufrieden kann der Leichtathlet vom TV Hindelang in der Tat sein. Schwandke übertraf jüngst beim Weltklasse-Meeting in Fränkisch-Crumbach seine Bestleistung erneut und schraubte sie auf 73,68 Meter.

Damit ist der Hindelanger nun mehrfacher Allgäuer und schwäbischer Rekordhalter – und die Nummer eins der deutschen Jahres-Bestenliste. Erst in der vorletzten Mai-Woche hatte der Oberallgäuer beim Saisonauftakt der Hammerwerfer in Zuchering mit 72,57 Metern nicht nur deutsche Jahresbestleistung geworfen, sondern auch seine persönliche Bestweite von zuvor 70,88 Metern verbessert. Nun der neuerliche Rekordwurf des 7,26-Kilo-Hammers auf internationaler Bühne – und ein sechster Rang inmitten der Weltelite. „Das Meeting hat einen sehr hohen Stellenwert, weil nationale Meister teilgenommen haben, die sich schon auf allen großen Bühnen durchgesetzt haben – dass ich da ins Finale gekommen bin und mitgehalten habe, gibt ein gutes Gefühl“, freut sich Schwandke: „Es ist gut, weil Weiten kommen, bei denen ich sagen kann, das ist endlich richtiges Hammerwerfen auf gutem Niveau. Ich hatte sehr viel Geduld und es ist eine gewisse Genugtuung, dass es nun so läuft.“

Tatsächlich hat sich diese Entwicklung zwar bereits über die vergangenen Jahre abgezeichnet – ab Herbst 2018 nahm der Höhenflug Schwandkes mit der deutschen Vizemeisterschaft und dem eigenen Rekord auf 70,88 Meter aber konkrete Züge an. „Es hat da begonnen, in die richtige Richtung zu gehen. Das hat sich angekündigt“, sagt Schwandke: „Ich hätte nicht gedacht, dass es in solchen Sprüngen passiert, aber ich habe gemerkt, dass ich immer stabiler werde und meine Technik gefunden habe.“

Den Ursprung dieser Entwicklung sieht der Hindelanger im Trainerwechsel zum Jahresbeginn 2016, als er die Arbeit mit den Schweizern Wolfgang und Björn Kötteritzsch aufnahm. Nach einer ersten Beschnupperungsphase sei die Arbeit mit Blick auf 2017 und vor allen Dingen auf 2018 nach und nach intensiviert worden. „Wir haben uns immer mehr ausgetauscht, Video-Analysen hin- und hergeschickt und inzwischen sehen wir uns in der heißen Phase mehrmals im Monat“, erzählt Schwandke.

Das Ziel: Leistungsspitzen reproduzierbar machen. Seit jeher ist Schwandke auf der Suche nach Konstanz, ein Tüftler im System. Nun scheint er den Schlüssel gefunden zu haben. „Wir haben in der Analyse versucht, meine Stärken zu stärken und nicht in ein System zu zwingen“, erklärt Schwandke und geht ins Detail: „Sobald ich in dem Rahmen mein Konstrukt finde, bleibt die Technik immer dieselbe, auch wenn sich kleine Parameter – beispielsweise die Geschwindigkeit des Anschwungs – verändern können.“

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An diesem Punkt angekommen könne er kleine Fehler korrigieren – die Weite bleibe dabei immer wieder in konstanten Bereichen. Krasse Einbrüche gebe es somit kaum mehr. Das hat auch die Vorstellung in Fränkisch-Crumbach bewiesen. In der Konkurrenz von Chris Bennett (britischer Meister 2016), Eivind Henriksen (neunfacher Norwegischer Meister), Adam Keenan (kanadischer Meister 2017/2018) und Olympiateilnehmer Conor McCullough aus den USA warf Schwandke schon im Vorkampf stark, erreichte mit 72,55 Metern als einziger Deutscher das Finale.

In diesem legte er Würfe auf 71,65 und 71,93 Meter nach, um beim Höhepunkt über sich hinauszuwachsen. Nach vier fast perfekten Drehungen und einem lauten Schrei flog der Hammer im finalen Wurf auf den neuen Rekord von 73,68 Meter – und eben auf Rang sechs beim Sieg des Norwegers Eivind Henriksen (78,25 Meter).

Letzteres dürfte dabei die größte neue Qualität Schwandkes sein. Denn seinen Körper hat der 27-Jährige über die Jahre kennen- und zu zähmen gelernt. Ungleich schwerer sei die mentale Komponente. „Die Grundlage ist sicher die körperliche Grundkondition – stimmt die, gibt mir das die Möglichkeit in den letzten Würfen noch nachzulegen“, sagt Schwandke. Dabei erinnert er sich gerne an die Anfänge unter Trainer Josef Zillibiller auf dem Platz in Bad Hindelang. „Josef und ich haben oft simuliert, ich stünde bei Olympia, läge auf Rang vier und es ist mein letzter Wurf. Das hat mich geprägt für diese Momente.“

Und sie könnten eines Tages Wirklichkeit werden für den 27-Jährigen. Doch zunächst geht es nach einer Wettkampfpause am Wochenende nach St. Gallen ins Training, ehe am 29. Juni die süddeutsche Meisterschaft bei Saarbrücken, zwei Meetings in St. Gallen und Luzern und die bayerische Meisterschaft in Regensburg anstehen. Alles „Vorläufe“ für den Höhepunkt, die deutsche Meisterschaft am 3. und 4. August.

„Logisch. Es kann nur ein Ziel geben“, sagt Schwandke, der vermutlich als Nummer eins der deutschen Bestenliste 2019 in die Hauptstadt fahren wird. „Ich will den Titel. Wenn ich eine persönlich sehr gute Leistung bringen kann, werden wir sehen, ob noch jemand besser ist.“ Er wird ihn ausgerechnet im traditionsreichen Olympia-Stadion bekommen, seinen großen Moment.