Interview mit Tierheim-Chefin

"Viele wissen nicht, wie man ein Haustier zu halten hat"

Iris Thalhofer, Leiterin des Tierheims in Immenstadt, hat in den vergangenen Monaten hauptsächlich Katzen und Hunde vermittelt. Kleintiere wie Meerschweinchen waren weniger gefragt.

Iris Thalhofer, Leiterin des Tierheims in Immenstadt, hat in den vergangenen Monaten hauptsächlich Katzen und Hunde vermittelt. Kleintiere wie Meerschweinchen waren weniger gefragt.

Bild: Andreas Arnold, dpa (Symbolbild)/Silvia-Reich-Recla/Collage: Klaus Kiesel

Iris Thalhofer, Leiterin des Tierheims in Immenstadt, hat in den vergangenen Monaten hauptsächlich Katzen und Hunde vermittelt. Kleintiere wie Meerschweinchen waren weniger gefragt.

Bild: Andreas Arnold, dpa (Symbolbild)/Silvia-Reich-Recla/Collage: Klaus Kiesel

Der Lockdown ist vorbei, die Reisezeit geht los. Nicht nur die Leiterin des Tierheims Immenstadt fürchtet jetzt eine Rückgabe-Welle von Haustieren.
15.06.2021 | Stand: 17:15 Uhr

Das vergangene Jahr war für das Tierheim Immenstadt an der Unterzollbrücke in Immenstadt äußerst turbulent. Die Nachfrage nach Haustieren ist im Vergleich zu den Vorjahren stark gestiegen. Jetzt fürchten Experten eine Rückgabe-Welle der Tiere. Der Leiterin des Heims bereitet die bevorstehende Ferienzeit Sorgen. Iris Thalhofer über unverantwortliche Besitzer und zu wenige Tierpensionplätze:

Vor den Sommerferien erwarten Experten, dass Menschen vermehrt ihre Haustiere bei den Tierheimen abgeben oder sogar aussetzen. Woran liegt das?

Iris Thalhofer: In den vergangenen Monaten gab es Menschen, die sich komplett unüberlegt Tiere angeschafft haben. Doch ein Haustier bringt Verantwortung mit sich. Viele wissen zudem nicht, wie man ein Haustier zu halten hat. Ein weiterer Grund sind die bevorstehenden Sommerferien, da man wieder in den Urlaub kann und die Zeit für das Tier dann fehlt.

Wie ist das bei Ihnen im Immenstädter Tierheim?

Thalhofer: Glücklicherweise gab es bei uns bisher noch keinen Fall.

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Wie könnte dieses Problem in Zukunft eingedämmt werden?

Thalhofer: Mehr Tierpensionen würden sehr helfen. Dort kann man sein Haustier für die Urlaubszeit abgeben und es wird umsorgt. Leider gibt es in unserer Region zu wenige davon. Zudem sollte jedem bereits im Vorhinein klar sein, dass Tiere viel Zeit in Anspruch nehmen. Hunde leben meist über zehn Jahre. Katzen werden oft noch älter.

Haustier-Boom während Corona: Ein Tier nimmt viel Zeit in Anspruch - auch nach dem Lockdown

Seit Beginn der Corona-Pandemie gibt es in Deutschland einen regelrechten Haustier-Boom. Wie haben Sie diesen Run erlebt?

Thalhofer: Das war definitiv ein Boom. Wir hatten in der jüngeren Vergangenheit sehr viel Anfragen. Bis März haben wir drei bis vier Mal so viele Tiere vermittelt wie vor der Corona-Pandemie.

Welche Gründe gibt es dafür?

Thalhofer: Da gibt es verschiedene Ursachen. Zum Einen waren viele Menschen in Homeoffice oder Kurzarbeit - haben also mehr Zeit zuhause verbracht und somit Zeit für Neues gehabt. Außerdem sind Tiere für manche Paare und Singles auch eine Art Kindersatz.

Gab es Altersgruppen die sich verstärkt Tiere zugelegt haben?

Thalhofer: Wir hatten Kunden aus allen Bereichen. Uns haben aber schon auffällig viele junge Erwachsene besucht - Familien ebenso wie Alleinstehende.

Tierheim Immenstadt: Alle Hunde während Corona vermittelt

Bei manchen Tierheimen der Region hat sogar die Nachfrage das Angebot überstiegen. Zeitweise gab es kaum noch Hunde und Katzen. War das in Immenstadt ähnlich?

Thalhofer: Teilweise schon. Alle unsere Hunde und die zutraulichen Katzen haben wir vermittelt. Selbst scheue Tiere haben wir übergeben. Trotzdem haben wir die Tiere nicht Jedermann überlassen. Wir haben stets die Absichten der Interessenten hinterfragt.

Warum hat das Tierheim Immenstadt dann zurzeit finanziell zu kämpfen?

Thalhofer: Unsere Tierpensionseinnahmen sind weitestgehend weggefallen, da es während der Lockdowns schwierig war zu verreisen. Darüber hinaus fehlen Spendeneinnahmen. Unsere Ausgaben sind aber auf ähnlichem Niveau wie vor der Pandemie. Immerhin gibt es mittlerweile erste Pension-Buchungen für die Sommerferien.

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