"Nach-Spiel-Zeit" beim ERC Sonthofen

Vom Flügelflitzer zum Marathoni: Wie Ex-Eishockey-Profi Björn Friedl heute lebt

Der ERC Sonthofen gewann im Heimspiel gegen den TSV Peißenberg klar mit 7:1.   Björn Friedl  Foto: Christoph Specht

1987, als siebenjähriger Knirps, schon stabil auf den Kufen, durchlief Björn Friedl alle Füssener Jugendteams. Stets von seinen Eltern Petra und Manfred unterstützt erlebte der heute 40-Jährige eine deutschlandweit erfolgreiche Eishockey-Karriere. Ein Jahr nach deren Ende absolvierte Friedl seinen ersten New-York-Marathon.

Bild: Fotos: Friedl Privatarchiv

1987, als siebenjähriger Knirps, schon stabil auf den Kufen, durchlief Björn Friedl alle Füssener Jugendteams. Stets von seinen Eltern Petra und Manfred unterstützt erlebte der heute 40-Jährige eine deutschlandweit erfolgreiche Eishockey-Karriere. Ein Jahr nach deren Ende absolvierte Friedl seinen ersten New-York-Marathon.

Bild: Fotos: Friedl Privatarchiv

2015 beendet Björn Friedl seine bunte Karriere. Ein Jahr später absolviert der Ex-Sonthofer den New-York-Marathon. Heute sitzt er als Fan auf der Tribüne.
06.05.2021 | Stand: 18:31 Uhr

„Ich bin dankbar für die Zeit, in der ich mein Hobby zum Beruf machen konnte“, sagt Björn Friedl, wenn er über seine aktive Zeit auf dem Eis nachdenkt. Die Profilaufbahn als Eishockey-Spieler endete für den Füssener am 26. März 2008 überraschend und ohne Chance auf einen bewussten Abschied. Der damals 28-Jährige wäre gerne bei den Tower Stars Ravensburg geblieben. Allerdings hatte der neue Trainer des damaligen Zweitligisten andere Pläne und so wurde der Einjahresvertrag des Allgäuers nicht verlängert. Die Wechseloption zu einem anderen Zweitligisten schlug Friedl aus und konzentrierte sich hingegen auf seine berufliche Zukunft, für die er seine Zeit einer Umschulung widmete.

Später Transfer von Füssen nach Sonthofen

„Mir war klar, dass ich es nie nach ganz oben schaffen würde“, begründet Friedl seinen damaligen Entschluss, den er seither auch nie bereut hat. Den in der Sportbranche tätigen Handelsfachwirt zog es zunächst zu seinem Heimatverein, dem EV Füssen, zurück – zwei Jahre später wechselte er zum ERC Sonthofen. „Für mich war das eine schwere Entscheidung, weil ich seit meiner Jugend mit Füssen verbunden bin“, erinnert sich Friedl an den Wechsel.

Da er in Sonthofen arbeitete, war es für ihn durch den sportlichen Transfer aber einfacher, Hobby und Beruf zu vereinen. Rückblickend möchte er die Zeit bei den Kreisstädtern auch nicht missen. „Ich bin sehr dankbar für die Zeit in Sonthofen“, sagt Björn Friedl – und das nicht nur, weil er gleich zu Beginn die Bayernliga-Meisterschaft feiern durfte.

1987, als siebenjähriger Knirps, schon stabil auf den Kufen, durchlief Björn Friedl alle Füssener Jugendteams. Stets von seinen Eltern Petra und Manfred (im Bild) unterstützt erlebte der heute 40-Jährige eine deutschlandweit erfolgreiche Eishockey-Karriere. Ein Jahr nach deren Ende absolvierte Friedl seinen ersten New-York-Marathon.
1987, als siebenjähriger Knirps, schon stabil auf den Kufen, durchlief Björn Friedl alle Füssener Jugendteams. Stets von seinen Eltern Petra und Manfred (im Bild) unterstützt erlebte der heute 40-Jährige eine deutschlandweit erfolgreiche Eishockey-Karriere. Ein Jahr nach deren Ende absolvierte Friedl seinen ersten New-York-Marathon.
Bild: Friedl Archiv

„Es sind sehr nette Leute, wir hatten einen super Zusammenhalt im Team und es war einfach spektakulär, dass vom Betreuer angefangen durch alle Reihen des Vereins alles gepasst hat“, schwärmt der 40-Jährige. „Nach der dieser einen besonderen Saison ist zum Beispiel das ganze Team gemeinsam in den Urlaub gefahren.“

Unrühmiches Abschiedsspiel für Björn Friedl

Nach drei Jahren bei den Bulls kehrte er nach Füssen zurück, wo er am 24. März 2015 zum Heimspiel gegen den EV Weiden das letzte Mal aufs Eis ging. Sein Abschiedsspiel war ein „unrühmliches Match“, räumt Friedl ein, denn die Ostallgäuer mussten den sportlichen Abstieg in Kauf nehmen und planten über den Sommer einen Neuanfang. Der damals 35-jährige Flügelflitzer wäre durchaus bereit gewesen, bei einem Neustart zu helfen, „von Vereinsseite aus war aber nie Not“, erinnert sich Björn Friedl und betont, dass Verein über einen „super Nachwuchs“ verfüge. Diese starken Talente sollten seiner Ansicht nach als erstes zum Zug kommen. Für viele seiner damaligen Begleiter Zeit mag es überraschend sein, dass der ehemalige Sonthofer Kapitän und Publikumsliebling dem Eishockey ganz den Rücken gekehrt hat.

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Nur ein Jahr nach seiner letzten „Eiszeit“ absolvierte der damals 36-Jährige nach einer quälenden Vorbereitung den traditionsreichen New-York-Marathon. Die Eishalle besucht er heute nur noch als Zuschauer – das aktive Geschehen fehle ihm nicht besonders, sagt Friedl. An die Situation, die anfangs als „Auszeit“ geplant war, hat er sich nämlich überraschend schnell gewöhnt, wie er verrät. „Die Jahre danach bin ich am Wochenende viel zum Skifahren gegangen“, sagt Friedl. „Ich vermisse weder das Rampenlicht des Profigeschäfts noch das schelle Spiel auf dem Eis. Es war schön, aber ich habe auch so Spaß am Sport“, sagt Friedl. Gemeinsam mit Freundin Christina hat er eine Wohnung mitten in Füssen mit Traumblick vom Schloss Neuschwanstein bis zum Breitenberg.

Aufstiege mit Füssen, Crimmitschau und dem ERC Sonthofen

Wenn Friedl auf seine Karriere zurückblickt, blitzen etliche Highlights auf. Gleich in seiner ersten Saison im Kader der „Ersten“ durfte er mit dem EV Füssen den Aufstieg in die Oberliga feiern. In seiner Zeit in Crimmitschau schaffte das Team den Sprung in die zweite Liga und beim ERC Sonthofen folgte der erwähnte Bayernliga-Titel und Oberliga-Aufstieg.

Einziger Wermutstropfen für den Ex-Profi ist, dass nicht sehr viele Kontakte zu den ehemaligen Kollegen den Jahren standgehalten haben. Ungebrochen ist allerdings die Freundschaft zu dem ehemaligen Goalie Thomas Zellhuber, dem jetzigen Sportlichen Leiter der Füssener, mit dem Björn Friedl viele Jahre zusammengespielt hat. Füssen und Sonthofen sind auch die einzigen Clubs, deren Entwicklung Friedl noch regelmäßig verfolgt und sich dabei an die besonderen Erlebnisse im Mannschaftssport erinnert: den Zusammenhalt im Team, die Erfahrung, gemeinsam Ziele zu erreichen und danach mit einem Bierchen in der Kabine zu feiern.