Kunst und Corona

Welchen Wirkstoff gegen das Virus Sonthofer Künstler empfehlen

Helfen Alpenblumen gegen das Virus? Fotocollage von Ilona Plattner, zu sehen in der Ausstellung "Gemeinsam kreativ" in der Sonthofer Stadthausgalerie.

Helfen Alpenblumen gegen das Virus? Fotocollage von Ilona Plattner, zu sehen in der Ausstellung "Gemeinsam kreativ" in der Sonthofer Stadthausgalerie.

Bild: Günter Jansen

Helfen Alpenblumen gegen das Virus? Fotocollage von Ilona Plattner, zu sehen in der Ausstellung "Gemeinsam kreativ" in der Sonthofer Stadthausgalerie.

Bild: Günter Jansen

Unter dem Motto „Gemeinsam kreativ“ zeigen Kunstschaffende aus Sonthofen ihre Werke in der Stadthausgalerie. In der bunten Schau gibt es einiges zu entdecken.
09.06.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Wer hofft nicht auf einen Wirkstoff gegen das Corona-Virus, das die Welt seit eineinhalb Jahren in Atem hält? Ilona Plattner empfiehlt ein neues Mittel: Alpenblumen. Als kleine Kugeln, mit Blütenblättern bewehrt, nehmen sie den Kampf gegen Sars-Cov2 auf – auf einer Fotocollage der Künstlerin. Ilona Plattner ist eine von 16 Kunstschaffenden aus Sonthofen, denen die Stadt ein Forum in einer Ausstellung der Stadthausgalerie bietet – nach der pandemie-bedingten Kultur-Zwangspause.

„Gemeinsam kreativ“ lautet das Motto. Und Kreativität beweisen die Künstlerinnen und Künstler, die ihre Werke präsentieren. Ilona Plattner zum Beispiel hinterfragt auf sehr unterschiedliche Weise die Rolle der Frau in der Gesellschaft, angefangen von Jesu Gefährtin Maria von Magdala bis hin zu Fragestellerinnen der Gegenwart.

Gesichts-Verlust

Margit Klammsteiner bastelt aus Tablettenverpackungen und kaschierter Leinwand reliefartige Bilder, die monochrom Gänsehaut auf gerupftem Geflügel zeigen oder ein Kind, das sein Gesicht verloren hat. Letzteres kugelt auf dem Boden, während der Kopf des Knirpses eine gesichtslose Kontur bleibt.

Valeria Karas, 1999 im italienischen Cirié geboren und seit 2000 in Sonthofen zu Hause, experimentiert mit Fotografie: Kleine bemalte Hausmodelle aus Pappe, in Zellophan gehüllt, ergeben zum Beispiel eine „Verpackte Stadt“. Auch Florian Lauerwald hat sich der Fotografie verschrieben und im Zyklus „Landscape“ magische Naturstimmungen eingefangen.

Verblassende Erinnerungen

Sie sind flüchtig wie die Zeit. Und unsere Erinnerungen an vergangene Tage verblassen, wie Gabriele Sodeur in ihren Gemälden „1955“ und „1958“ verdeutlicht. Über den Familienbildern scheint ein Schleier zu liegen, der nicht nur Distanz zur feinen Kleidung der Portraitierten schafft, sondern auch zu dem Idyll, das sie darbieten.

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Mit zwei neuen Bildergruppen überrascht Sabine Busse: Sie formt einerseits aus strengen geometrischen Flächen kleine bunte Landschaften, andererseits lässt sie in freien farbintensiven Aquarell-Kompositionen männliche und weibliche Formen aufscheinen.

Faszinierende Kompositionen

Doch nicht alle Arbeiten in dieser Ausstellung sind so neu: Bertram Schillings großformatige farbintensive Kompositionen stammen aus früheren Jahren. Sie haben aber nichts von ihrer Faszinationskraft verloren. Die Bilder, die an stark abstrahierte Landschafts- oder sonstige Strukturen erinnern, zeichnet eine sichere, eigenständige, ausdrucksstarke Handschrift aus.

Auch Stefan Fischers mit der Fotokamera eingefangene Wasserspiegelungen sind immer wieder aufs Neue verblüffend: Sie entlocken der Natur Mystik, Poesie und Schalkhaftigkeit. Elmar Jonietz zeigt seine Fotokunst an einem vom Podest aus beleuchteten, gymnastisch kühnen Frauenakt in Schwarz-Weiß. Ulrike Kocher weiß mit einem kleinen, treffend skizzierten Portrait in Ölpastell von Marie in Rot zu beeindrucken.

Gold in Hochhaus-Schluchten

Renate Gütlein führt Schatten auf dem Straßenpflaster gleichsam als Mosaik aus lauter kleinen Quadraten vor. Das Material ist dabei nicht Stein, sondern Stoff, den sie zu einer großformatigen Quilt-Applikation fügt. Patricio Cataldo hat seine Fotoüberblendungen von Hochhaus-Schluchten und Palmen-Alleen mit Goldklecksen verziert.

Corinna Voggel löst das „Du“ in abstrakte „Fotogramme“ auf, die nur schwer zu fassen sind. Die Serie einiger freier Figurationen von Doris Pfeifer gipfelt in skizzierten kauernden Figuren. Klara Wirthensohn zeigt den Reiz der Starzlach im Winter. Michael Klammsteiner erreicht Effekt mit Aussparungen und Leerräumen im Motiv, etwa bei einer überdimensionalen Zigarettenpackung oder bei Fußballertrikots. So gibt es einiges zu entdecken in dieser „kreativen Schau“.

Öffnungszeiten: bis 27. Juni, dienstags bis donnerstags sowie samstags und sonntags jeweils von 15 bis 18 Uhr.

Bilderstrecke

"Gemeinsam kreativ": Kunst aus Sonthofen in der Stafthausgalerie

Die Stadthausgalerie im Internet