Literaturhaus Allgäu

Wenn die Eltern als Spione enttarnt werden: Lesung in Immenstadt

Dirk Brauns

Familiengeschichte als Fiktion: Dirk Brauns liest in Immenstadt.

Bild:     Schmid

Familiengeschichte als Fiktion: Dirk Brauns liest in Immenstadt.

Bild:     Schmid

Schriftsteller Dirk Brauns stellt in Immenstadt seinen packenden Roman „Die Unscheinbaren“ vor. Er führt kreativ und realitätsnah in die Welt der Spione.
20.09.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Dirk Brauns weiß, wovon er spricht. Er kennt sich aus im gefährlichen Leben von Spionen. Er ist Sohn eines Vaters, dessen Eltern im Februar 1967 von Schergen des DDR-Staatssicherheitsdienstes als West-Spione verhaftet wurden. Reichlich Stoff also für eine dramatische Familien-Doku? Ja und Nein. Das neue Buch, aus dem Dirk Brauns im Immenstädter Literaturhaus liest, ist ein Roman.

Familiengeschichte als Fiktion

„Ich habe versucht“, erläutert der Autor, „aus dieser Familiengeschichte etwas Fiktives zu bauen.“ Und: „Über mich hat mein Vater die Geschichte nochmal bewältigt. Es war gut für ihn.“ Aber über „etwas Fiktives“? Wiederum ja und nein. Denn das Handlungsgerüst des Romans und seine Hauptfiguren sind authentisch. Autor Dirk Brauns nennt darin seinen Vater „Martin Schmidt“. Dessen Eltern „Dr. Erwin und Hedda Schmidt“. Weitere Personen sind zum Teil fiktiv. Doch alle Psychologie, alle Emotionen hat Brauns kreativ realitätsnah, schlüssig und packend in den Spannungsbogen eines Romans „gebaut“. Ein paar Schlaglichter aus „Die Unscheinbaren“ machen neugierig.

Der Start-Schreckschuss

Start-Schreckschuss ist die Verhaftung der Eltern des 18-jährigen Martin, der sich aufs Abitur vorbereiten soll, durch Stasi-Männer. Was er von den staatsgefährdenden Aktivitäten seiner Eltern wisse? „N – nichts“. Dabei war der jugendliche Martin, wie an anderer Stelle berichtet wird, „der Spion, der seine spionierenden Eltern ausspionierte“ – so schließt der Erzähler aus der Erinnerung an Martins Beobachtung der halb bekleideten Eltern im nächtlichen Garten des Hauses in Berlin-Blankenburg.

Berührendes Psychogramm

Zum berührenden Psychogramm der Mutter gerät das Kapitel vom Besuch des 68-jährigen Martin bei der 90-Jährigen im Seniorenheim: „Mutter und Sohn umkreisen einander“, ihre Augen sind „stahlblaue Scheinwerfer“, „Sie sieht ihn an wie einen Gegenstand, wie etwas, das vom Boden aufgehoben und weggeworfen werden muss.“ Dieser erschreckend kaltherzigen Frau behagt es nicht, dass ihr Sohn beim Deutschen Spionage-Museum in Berlin als „Zeitzeuge“ recherchieren und auftreten wird. Und trotz ihrer Intrige findet Martin im Roman zu seiner Jugendliebe Angelika zurück …

Nur am Rand ist dieser Roman „politisch“. Er ist auch nicht (auto-)biografisch. Sondern prall voll klug erzähltem Interesse an Geschichten, wie sie das Leben schreibt.

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