Inventur in Allgäuer Wäldern

Experten finden heraus: So geht es den Wäldern im Allgäu

Bundeswaldinventur

Josef Graf (von links) und Simon Östreicher geben die Daten am Computer ein, während Adrian Valerius vom „Inventurtrupp“ den Durchmesser des Baumes nimmt. Wolfgang Stöger baut ein weiteres Messgerät auf.

Bild: Martina Diemand

Josef Graf (von links) und Simon Östreicher geben die Daten am Computer ein, während Adrian Valerius vom „Inventurtrupp“ den Durchmesser des Baumes nimmt. Wolfgang Stöger baut ein weiteres Messgerät auf.

Bild: Martina Diemand

Die vierte bundesweite Waldinventur ist im Gange. Der Allgäuer Forst steht im bayernweiten Vergleich gut da. Mit welchen Problemen er trotzdem zu kämpfen hat.
07.10.2021 | Stand: 18:36 Uhr

Leise knacken die Äste und Zweige unter den schweren Schuhen. Eine Gruppe Menschen mit einer Vielzahl an Messinstrumenten im Gepäck bahnt sich einen Weg durch den Wald. Allen voran geht Josef Graf. Er kennt sich hier aus. Graf ist Leiter der Forsttruppe, die die Bundeswaldinventur (BWI) im Gebiet Schwaben durchführt. Gerade ist er in einem Waldstück bei Sonthofen (Oberallgäu) unterwegs.

Allgäu: Wie geht es den Bäumen und wie groß ist der Holzvorrat?

Er sucht nach dem „Inventurpunkt“, an dem bereits vor zehn Jahren die Bäume vermessen wurden. Ab und zu wirft er einen Blick auf die Karte. Dort sind auf einer radarähnlichen Darstellung mehrere kleine, grüne Kreise eingezeichnet. Das sind die Bäume, die bei der vergangenen Inventur eingezeichnet wurden. Er zeigt auf zwei Kreise, die dicht beieinander liegen. „Das ist ungewöhnlich. Das könnten die dort vorne sein“, sagt er und deutet in die entsprechende Richtung.

Markiert wurde der Punkt mit einem Eisenstab, der in den Boden eingelassen ist. Mit einem Metalldetektor sucht Graf nun den Boden vor den beiden Fichten ab. Tatsächlich schlägt das Gerät aus. Dann beginnen die Messungen. Baumart, Durchmesser, Höhe und Alter sind nur einige von etwa 150 Parametern, die an jedem „Inventurpunkt“ erfasst werden.

Aufgenommen und bewertet werden zudem auch die Verjüngung des Waldes, die Bodenvegetation oder auch naturschutzrelevante Parameter wie das Vorkommen von Totholz. Alle zehn Jahre findet die BWI unter der Federführung des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums statt. Welche Baumarten gibt es in den hiesigen Wäldern? Wie alt sind die Bäume? Wie groß ist der Holzvorrat? Wie ist der Zustand des Ökosystems und des Lebensraums Wald? Über all diese Fragen soll die BWI Auskunft geben.

Allgäuer Bäume haben mit dem Borkenkäfer und Stürmen zu kämpfen

„Dem Wald im Allgäu geht es relativ gut“, sagt Simon Östreicher vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten (AELF): „Wir haben nicht so viele Trockenphasen wie beispielsweise in Nordbayern.“ Trotzdem habe der Wald in der Region mit dem Borkenkäfer zu kämpfen. Ebenso seien Stürme ein Problem. Die können die flachwurzelnden Fichten zu Fall bringen. (Lesen Sie auch: Sind die Wälder im Oberallgäu krank? Mobilfunkgegner fordern Untersuchungen)

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Laut Landesinventurleiter Wolfgang Stöger kann von Waldsterben im Allgäu aber keine Rede sein. In den vergangenen 25 bis 30 Jahren sei in Bayern stets mehr gewachsen als genutzt wurde. „Jede Sekunde wachsen die Wälder in Bayern um einen Kubikmeter Holz“, sagt Stöger. Eine Rolle spiele dabei der Anstieg der Baumgrenze. Ebenso verändere sich die Zusammensetzung der Wälder. „Von 1970 bis 2012 hat der Anteil von Laubbäumen in den Wäldern von 22 auf 36 Prozent zugenommen“, sagt Stöger.

„Man muss kein Hellseher sein, um sagen zu können, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.“ In dem Waldstück bei Sonthofen lässt sich der Generationswechsel gut beobachten. Dort grenzen die jüngeren Waldabschnitte mit Buchen, Linden oder Bergahorn direkt an Altbestände aus reinen Fichtenwäldern.

Streng geheime Punkte: Warum Waldbesitzer nichts über die "Inventurpunkte" erfahren

Allein im Allgäu werden bei dem Stichprobenverfahren 738 „Inventurpunkte“ vermessen. „Sie sind streng geheim“, sagt Stöger. „Sonst könnte der Waldbesitzer denken, dass er dort besonders aufpassen muss.“ In der Folge wären die Daten nicht mehr repräsentativ. Die Punkte liegen auf einem Raster von vier Mal vier Kilometern. Ob das Waldstück in Privat- oder Staatsbesitz ist, spielt dabei laut Stöger keine Rolle.

Das Verfahren sei im gesamten Bundesgebiet seit Beginn der BWI im Jahr 1986 einheitlich. Zwei Jahre dauert die Erhebung der Daten. Dann werden sie ausgewertet und analysiert. Mit den Ergebnissen ist frühestens 2024 zu rechnen.

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