Kirchenmusik im Oberallgäu

Zentrum der Sonthofer Kultur: Ausstellung beleuchtet 300 Jahre Sankt-Michael-Chor

Krönungsmesse von Mozart: Der Sankt-Michael-Chor und die Oberallgäuer Orchestervereinigung unter der Leitung von Heinrich Liebherr in der Sonthofer Stadtpfarrkirche.

Krönungsmesse von Mozart: Der Sankt-Michael-Chor und die Oberallgäuer Orchestervereinigung unter der Leitung von Heinrich Liebherr in der Sonthofer Stadtpfarrkirche.

Bild: Elmar Jonietz

Krönungsmesse von Mozart: Der Sankt-Michael-Chor und die Oberallgäuer Orchestervereinigung unter der Leitung von Heinrich Liebherr in der Sonthofer Stadtpfarrkirche.

Bild: Elmar Jonietz

Eine Ausstellung in Sonthofen skizziert die 300-jährige Geschichte des Sankt-Michael-Chors. Bei der Eröffnung heben Redner dessen Vorbildcharakter hervor.
27.09.2022 | Stand: 17:01 Uhr

Der Sonthofer Sankt-Michael-Chor sei – mit Abstand – das älteste Ensemble im Chorverband Bayerisch-Schwaben. Mit solchen Worten gratulierte dessen Präsident Paul Wengert dem Kirchenchor der Oberallgäuer Kreisstadt zum 300-jährigen Bestehen. Der Chor habe ein Niveau erreicht, dass ihn befähige, große Orchestermessen und Oratorien mit der Oberallgäuer Orchestervereinigung aufzuführen. Er präge ganz wesentlich das kirchliche Leben in der Alpenstadt, erklärte der Präsident bei der Eröffnung einer Ausstellung, welche die Geschichte des traditionsreichen Ensembles skizziert.

Wo es stark "menschelt"

Sie illustriert nicht nur mit zahlreichen Dokumenten und Bildern im Pfarrheim St. Michael die Chronik des Chores und die Entwicklung der Kirchenmusik in Sonthofen, sondern sie gebe auch Einblick in die alltägliche Vereinsarbeit, in der es mitunter stark „menschele“, erläutert Bernd Neve, Vorsitzender des Sankt-Michael-Chors. So zeigt zum Beispiel mit einem im Original ausgestellten Brief 1861 Pfarrer Joseph Singer beim Landgericht Sonthofen an, dass zwei Klarinetten „vom Musikchor der Pfarrkirche entwendet“ wurden.

Der Schulmeister als Organist und Chorleiter

Selbiger Pfarrer lobt 1872 in einem Brief an das bischöfliche Ordinariat in Augsburg die „gute Arbeit des Lehrers und Chorregenten Wendelin Niederwieser und die dadurch entstandene „hervorragende Kirchenmusik“. In Sonthofen sei der Schuldienst mit dem des Kirchenchorleiters und Organisten verbunden gewesen. Zumindest belegen das die Recherchen, berichtet Bernd Neve. Auf der Altarrückwand der Kapelle St. Margaretha im Ortsteil Margarethen seien die Namen der „Sonthofischen Schulmeister und Organisten“ von 1722 bis 1815 verzeichnet. Erst durch die Recherchen sei ihm bewusst geworden, wie oft die Pfarrkirche St. Michael umgebaut und saniert worden sei. Das meiste Geld sei dabei stets durch die Spenden der Bevölkerung zusammengekommen, sagt Neve. Schon 1759 hatte zum Beispiel Johann Mößmang laut Testament 100 Gulden für die „Abrichtung der Kinder in der Musik“ gestiftet.

Ein fruchtbarer Boden

So beleuchtet die Ausstellung die ferne aber noch viel ausführlicher die jüngste Vergangenheit des Sankt-Michael-Chores, in der die Chorregenten Otto Gogl und Richard Waldmüller den fruchtbaren Boden bereiteten, auf dem der derzeitige Kirchenmusiker und Chorleiter Heinrich Liebherr seit 39 Jahren aufbaut. Zudem veranschaulichen alte Noten und historische Instrumente, darunter eine Kesselpauke aus dem 19. Jahrhundert, die lange Tradition der Kirchenmusik in Sonthofen.

Sie sei ein wichtiger Teil der Kultur und trage zum Bestand der Gesellschaft bei, würdigte Bürgermeister Christian Wilhelm die Arbeit des Sankt-Michael-Chores. Schließlich bilde die Kirche mit ihrem Chor auch sichtbar das Zentrum des künftigen Kulturviertels der Stadt, das mit Stadthausgalerie, Kultur-Werkstatt und dem neu entstehenden Alpenstadt-Museum Kultur für möglichst jedes Interesse anbieten wolle.

Ein "Gegenmodell"

Stellvertretender Landrat Roman Haug dankte dem Chor, dass er seit 300 Jahren seine Stimme erhebe und ein wichtiger Kulturträger sei. Paul Wengert sah in Menschen, die gemeinsam singen, auch ein gesellschaftspolitisches Zeichen, ein Symbol für ein friedliches Miteinander über Grenzen und Kulturen hinweg, das „Gegenmodell einer Welt, die an vielen Stellen von Hass, Neid, Krieg und Verderben geprägt wird“.

Chorleiter Heinrich Liebherr betonte, dass allen drei Pfarrern, die er in seiner 39-jährigen Tätigkeit in St. Michael erlebt habe – Hermann Ehle, Karlheinz Müller und jetzt Josef Kühn – die Pflege der Kirchenmusik ein großes Anliegen gewesen war und sei. Dirigent Heinrich Liebherr dankte in launigen Worten allen Sängerinnen und Sängern, die so viel Zeit und Mühe in die Chorarbeit investieren.

Das vielfältige Talent

Er hob besonders das vielfältige Talent von Bernd Neve, dem Vorsitzenden und Tenorsolisten des Chores hervor, dessen Talent sich nicht auf das Musikalische beschränke, sondern sich auch in handwerklichen, organisatorischen und nun auch archivarischen Tätigkeiten zeige, wie sie für diese Ausstellung notwendig gewesen seien.

Öffnungszeiten: bis 2. Oktober, täglich von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Der Sankt-Michael-Chor in Sonthofen.

Die Orchestervereinigung Oberallgäu.

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