Vortrag von Tourismusforscher

Zwischen Naturschutz und Fremdenverkehr

Auch die Nagelfluhkette sei ein gelungenes Beispiel für naturnahen Tourismus, hob der Schweizer Tourismusforscher vor allem die Zusammenarbeit mit verschiedenen digitalen Tourenportalen im Naturpark hervor.

Auch die Nagelfluhkette sei ein gelungenes Beispiel für naturnahen Tourismus, hob der Schweizer Tourismusforscher vor allem die Zusammenarbeit mit verschiedenen digitalen Tourenportalen im Naturpark hervor.

Bild: Michael Mang (Archiv)

Auch die Nagelfluhkette sei ein gelungenes Beispiel für naturnahen Tourismus, hob der Schweizer Tourismusforscher vor allem die Zusammenarbeit mit verschiedenen digitalen Tourenportalen im Naturpark hervor.

Bild: Michael Mang (Archiv)

Naturnaher Tourismus soll attraktives Angebot und rücksichtsvolles Verhalten in der Umwelt verbinden. Experte erklärt an Beispielen, wie das gelingen kann.
10.07.2022 | Stand: 17:00 Uhr

Oberallgäu Die Menschen, die für einen Urlaub oder einen Tagesausflug ins Oberallgäu reisen, suchen oft die unberührte Natur, die sie selbst in ihrer Heimat vermissen. Doch durch ihre Reisen und Touren in die Berge bringen sie genau die Tier- und Pflanzenwelt in Gefahr, die sie erleben wollten. In diesem Dilemma bewegen sich die Gemeinden und Städte im Oberallgäu. Wie lassen sich Naturschutz und Tourismus vereinbaren? Diese viel diskutierte Frage stand im Mittelpunkt des digitalen Vortrags „Chancen und Potenziale eines naturnahen Tourismus“ des Schweizer Wissenschaftlers Professor Dominik Siegrist, den der Naturpark Nagelfluhkette organisiert hatte. Der renommierte Forscher zeigte an Beispielen aus dem Alpenraum, wie naturnaher Tourismus funktionieren kann.

Social-Media-Posts locken Besucher aus aller Welt an

Das grundsätzliche Problem und das richtige Vorgehen schilderte Siegrist an einem Beispiel aus der Schweiz: der Lauenensee im Kanton Bern, der durch einen Song der Gruppe „Span“ in kurzer Zeit große Bekanntheit erlangte. Davon profitierte der Tourismus, aber das Naturschutzgebiet litt unter dem Ansturm von Besuchern. Weil die Zufahrtsstraße komplett überlastet war, gab es schnell Überlegungen, die Strecke für Autos zu sperren. Doch statt das auf politischer Ebene zu entscheiden, wurden die Möglichkeiten zur Besucherlenkung mit der Bevölkerung diskutiert. Daraus entstand ein Gesamtkonzept für den naturnahen Tourismus mit einer wirksamen Besucherlenkung, Informationen, einem Shuttle-Bus und Erlebnisangeboten.

Heute seien es laut Siegrist weniger Mundart-Bands als vielmehr Social-Media-Plattformen, die junge Menschen aus aller Welt an spektakuläre Aussichtspunkte wie den „Preikestolen“ in Norwegen lockten. Doch die Herausforderungen blieben die gleichen.

"Das Heu muss der Kuh schmecken und nicht der Bäuerin"

Wichtige Erfolgsfaktoren für naturnahen Tourismus seien der Mut zu Innovationen und Kooperationen, erklärte der Tourismusforscher. „Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagte Siegrist. Zudem sei es wichtig, die Angebote nachfrageorientiert zu entwickeln. „Das Heu muss der Kuh schmecken und nicht der Bäuerin“, warnte der Wissenschaftler davor, die Bedürfnisse der Gäste aus dem Auge zu verlieren. Bei erfolgreichen Projekten müsse das Ziel sein, geeignete Kommunikationsmittel zu wählen und Aufmerksamkeit zu erzeugen. „Aber es muss auch drinstecken, was draufsteht“, mahnte Siegrist. Denn die Zielgruppen für natur- und kulturnahen Tourismus seien aufmerksam.

Der Tourismusforscher zählte in seinem Vortrag gelungene Beispiele für naturnahen Tourismus auf: beispielsweise die Kampagne „Kleine Weltwunder“ der Schweizer Naturparks. Aber auch den Solarskilift in Tenna (Schweiz). Die weltweit erste, ganz mit Photovoltaik betriebene Anlage habe als Beispiel für klimaverträglichen Tourismus viel Beachtung in den Medien gefunden. In Valposchiavo sei es gelungen, historische Gebäude, die „Torkelkeller“, zu beleben und eine Wein-Rad-Route zu etablieren. Die Weinliebhaber lassen jetzt dort gerne ihr Auto stehen.

Gäste zahlen "Landschaftsabgabe"

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Ein Vorzeigeprojekt gebe es auch im Münstertal, wo die Gäste über eine spezielle Kurtaxe mit einer „Landschaftsabgabe“ zum Erhalt der Natur beitragen. Als positives Beispiel hob Siegrist auch den Naturpark Nagelfluhkette hervor: Durch die Kooperation mit digitalen Tourenplattformen wie Komoot oder Outdooractive sei es gelungen, die Gäste bei ihrer Urlaubsplanung zu beeinflussen.

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