Nach aktuellem Fall im Ostallgäu

Trotz Impfung mit Corona infiziert: Wie häufig sind Impfdurchbrüche?

Seit 1. Februar registrierte das Robert-Koch-Institut in Deutschland 47.753 Fälle von Impfdurchbrüchen (Stand: 23. September).

Seit 1. Februar registrierte das Robert-Koch-Institut in Deutschland 47.753 Fälle von Impfdurchbrüchen (Stand: 23. September).

Bild: Fabian Sommer, dpa (Symbolbild)

Seit 1. Februar registrierte das Robert-Koch-Institut in Deutschland 47.753 Fälle von Impfdurchbrüchen (Stand: 23. September).

Bild: Fabian Sommer, dpa (Symbolbild)

Einige Menschen erkranken an Corona, obwohl sie schon komplett geimpft sind. Warum und wie häufig kommt es zu diesen Impfdurchbrüchen - und wer ist gefährdet?
24.09.2021 | Stand: 16:42 Uhr

Immer wieder gibt es Berichte über Geimpfte, die sich trotz doppelter Impfung mit dem Corona-Virus infizieren - wie kürzlich die Familie Herbst aus Leuterschach bei Marktoberdorf (Ostallgäu). Unter einem Impfdurchbruch versteht man Fälle, bei denen Menschen sich trotz kompletter Impfung mit dem Coronavirus infizieren und an Covid-19 erkranken. Nicht unter dem Begriff Impfdurchbruch geführt werden sogenannte asymptomatische Verläufe bei Geimpften: Das sind Fälle, bei denen sich die oder der Geimpfte nachweislich infiziert hat, aber keine Symptome zeigt.

Wie viele Impfdurchbrüche gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind sogenannte Impfdurchbrüche eher selten. Seit 1. Februar 2021 sind dem RKI aktuell 47.753 Fälle (Stand: 23. September) bekannt.

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Corona-Impfdurchbrüche

Gehäufte Impfdurchbrüche bei Johnson-&-Johnson - was steckt dahinter?

In der Woche zuvor waren es laut dem aktuellen RKI-Lagebericht noch 39.228 - das entspricht einem Plus von 8.525 Fällen (21,7 Prozent) innerhalb einer Woche.

Das Institut erklärt den deutlichen Anstieg in den vergangenen Wochen zum Teil durch die Statistik: Je höher die Impfquote ist, desto höher sei im Verhältnis auch die Zahl der Impfdurchbrüche. Außerdem steige die Wahrscheinlichkeit, dass vollständig Geimpfte mit dem Virus in Kontakt kommen, da es sich in den vergangenen Wochen wieder stärker ausgebreitet hat. (Lesen Sie auch: Neue Corona-Fälle im Landkreis Lindau: Auch Geimpfte sind infiziert)

Welche Menschen sind von Impfdurchbrüchen besonders betroffen?

Ein Impfdurchbruch kann verschiedene Gründe haben - etwa ein schwaches Immunsystem bei einer Autoimmunerkrankung oder bei Menschen, die mit einer Chemotherapie behandelt werden. Betroffen sein können auch ältere Menschen, deren Immunsystem nicht mehr so gut auf Immunisierungen reagiert.

Seit 1. Februar 2021 kamen insgesamt 2.500 Corona-Patienten, bei denen es wahrscheinlich zu einem Impfdurchbruch gekommen war, in ein Krankenhaus in Deutschland. 72 Prozent davon sind über 60 Jahre alt. Der Anteil der Unter-18-Jährigen beläuft sich gerade mal auf 0,016 Prozent. Von diesen 2.500 Patienten wurden 266 auf den Intensivstationen behandelt - das entspricht einem Anteil von 10,6 Prozent. (Lesen Sie auch: Corona-Erkrankung trotz Impfung: Was bedeuten "Impfdurchbrüche"?)

Wie viele Menschen mit Impfdurchbruch sind bislang gestorben?

588 Menschen, bei denen es wahrscheinlich zu einem Impfdurchbruch gekommen war, sind laut RKI-Statistik seit 1. Februar 2021 in Deutschland gestorben. 585 (99,5 Prozent) waren über 60 Jahre alt. Nur drei (0,5 Prozent) stammten aus der Altersgruppe zwischen 18 und 59 Jahren, kein Einziger aus der Gruppe "Unter 18".

Bei welchem Impfstoff treten Impfdurchbrüche häufiger auf?

Auffällig hoch ist die Zahl der Impfdurchbrüche beim Impfstoff von Johnson&Johnson – nicht nur in Deutschland. Die Impfdurchbrüche erklärt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie: "Delta ist ansteckender als Alpha und etwa doppelt so ansteckend wie das Ursprungsvirus. Zusätzlich umgeht Delta den Immunschutz der Impfungen etwas. Daher sehen wir mit Delta auch mehr Durchbruchsinfektionen." Dass der Impfstoff von Johnson & Johnson hier im Vergleich mit den anderen Präparaten schlechter abschneide, liege vor allem an der Schutzwirkung des Impfstoffs selbst, sagt Watzl.

Nach der Impfung mit dem Mittel brauche es länger als nach den mRNA-Impfungen, bis sich ausreichend Antikörper gebildet hätten. "Teilweise steigen die Spiegel mehr als einen Monat nach der Impfung noch an." Man gelte jedoch 14 Tage nach der Impfung als vollständig immunisiert und eine Infektion würde als Durchbruchsinfektion gewertet. "Zu dem Zeitpunkt ist man aber noch nicht vollständig durch die Johnson & Johnson-Impfung geschützt. Und die Antikörperspiegel liegen deutlich unterhalb derer, die durch die anderen Impfstoffe erzeugt werden", erklärt Watzl. (Lesen Sie auch: Wie viele Impfdurchbrüche gibt es im Ostallgäu und in Kaufbeuren?)

Da die Antikörper, gerade auf den Schleimhäuten, für einen Ansteckungsschutz wichtig seien, scheine der Schutz vor einer Corona-Infektion nach der Johnson & Johnson-Impfung deutlich schlechter, so der Experte.

Wie gut schützen die zugelassenen Impfstoffe vor einem schweren Krankheitsverlauf?

Die Impfstoffe, die in Deutschland eingesetzt werden, schützen nach Angaben des RKI sehr gut vor einer Infektion. Der generelle Impfschutz liege im Schnitte bei über 85 Prozent. Das RKI weist allerdings darauf hin, dass dieser Wert nur "eine erste Abschätzung" sei, die Effektivität werde womöglich überschätzt. (Lesen Sie auch: Stiko empfiehlt Auffrischungsimpfungen für bestimmte Risikopatienten)

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Corona-Impfung: Das unterscheidet die Impfstoffe

Die Impfstoffe schützen laut RKI aber gut vor schweren Krankheitsverläufen von Covid-19. Sie böten Erwachsenen unter 60 Jahren einen etwa 96-prozentigen Schutz und den Über-60-Jährigen einen etwa 95-prozentigen Schutz vor einer Erkrankung, die auf einer Intensivstation behandelt werden muss.

Die aktuellen Impfzahlen im Allgäu finden Sie hier.