Umfrage bei Facebook

Ist Fleisch in Deutschland zu billig? Das denken die Allgäuer darüber

Aktivisten fordern nach dem massiven Corona-Ausbruch bei Tönnies scharfe Konsequenzen für die Fleischindustrie. Vor dem Landtag in NRW haben sie dieses Stück Fleisch aus Pappe aufgestellt. Auch im Allgäu wird über die Fleischindustrie diskutiert.

Aktivisten fordern nach dem massiven Corona-Ausbruch bei Tönnies scharfe Konsequenzen für die Fleischindustrie. Vor dem Landtag in NRW haben sie dieses Stück Fleisch aus Pappe aufgestellt. Auch im Allgäu wird über die Fleischindustrie diskutiert.

Bild: Marcel Kusch, dpa

Aktivisten fordern nach dem massiven Corona-Ausbruch bei Tönnies scharfe Konsequenzen für die Fleischindustrie. Vor dem Landtag in NRW haben sie dieses Stück Fleisch aus Pappe aufgestellt. Auch im Allgäu wird über die Fleischindustrie diskutiert.

Bild: Marcel Kusch, dpa

Nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies in Ostwestfalen wird über Billigpreise in der Fleischindustrie diskutiert. Was die Allgäuer über Fleischpreise denken.
24.06.2020 | Stand: 14:42 Uhr

Rinderfilets 31 Prozent billiger, zweieinhalb Kilo Hähnchenschenkel für 4,98 Euro: Schnäppchenpreise für Fleisch stehen schon länger in der Kritik. Nach den Corona-Ausbrüchen in der Schlachtindustrie bei Tönnies und Wiesenhof wird vermehrt über den Dauer-Preiskampf von Fleisch disktuiert.

Ist Fleisch in Deutschland zu billig? Das haben wir die Facebook-Nutzer der Allgäuer Zeitung gefragt. Die Antwort ist eindeutig: 87 Prozent der Nutzer stimmten bei der Umfrage für "Ja, das Fleisch ist zu billig." Nur 13 Prozent der Nutzer sind der Meinung, dass der Preis für Fleisch in Ordnung ist.  Insgesamt haben 1375 Nutzer bei der Umfrage abgestimmt.

 

Herkunft der Ware ist Allgäuern wichtig

Unter der Umfrage wird hitzig über die Fleischindustrie und die niedrigen Preise diskutiert. "Jeder Preis ist für sich gerechtfertigt, weil er vom Markt akzeptiert wird. Andersrum muss jeder Verbraucher für sich wissen, was er denn kaufen möchte. Wir müssten nicht über Preiserhöhungen und Tierwohl diskutieren, wenn sich jeder Verbraucher mit seinem Gewissen auseinandersetzen würde", schreibt Willi K.

Der Nutzer Sven S. fordert die Politik zum Handeln auf: "So lange die Politik es duldet, dass jeder Supetmarkt Fleisch verkaufen kann wird das weitergehen. Man kann das ganz einfach unterbinden: jede Supermarktkette darf nur Wurst und Fleisch verkaufen mit eigener Metzgerei und die Quote der verkauften, welche selber hergestellt werden, sollte bei 80% liegen und schon ist das Problem gelöst. Fairer Wettbewerb für alle." Michael K. ergänzt dazu: "Schuld an dieser Preispolitik hat allein die Politik mit falsch gesetzten Subventionen, die Massentierhaltung begünstigen und die sogenannten Kleinen Betriebe benachteiligen!"

Lesen Sie auch
##alternative##
Berliner Compagnie

Theater in Kaufbeuren nimmt Massentierhaltung aufs Korn

Auch über eine mögliche Preiserhöhung für Fleisch diskutieren die Nutzer:  "Leider wird die Preiserhöhung den Tieren nicht zu gute kommen, sondern gewisse Leute noch mehr bereichern....", schreibt John S. Dieser Aussage pflichten viele bei. "Fleisch und auch Milchprodukte werden generell viel zu billig verkauft. Und es kommt auch leider viel zu wenig bei uns Landwirten an", meint Yvonne M.

Ist Fleisch also zu billig? "Es kommt drauf an: Bei unserem regionalen Metzger zahle ich höhere Preise, es handelt sich um regionales Fleisch", schreibt Sabrina B. "Da bin ich definitiv bereit, das zu zahlen, denn es ist schmeckt und ich kann nachvollziehen, wo es her kommt." So sehen es viele weitere Allgäuer: Ihnen ist wichtig, wo das Fleisch herkommt - vom Discounter oder vom regionalen Metzger. Heiko S. ergänzt: "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man durch das Kaufen bei einem lokalen Metzger, der auch selbst schlachtet, meistens höherwertigen Fleisch zu angemessenen Preisen bekommt. [...] Durch das Ausschalten von Großhändlern bleibt sowohl für die Bauern als auch für den Metzger mehr Wertschöpfung." Die meisten sind bereit, für gutes, regionales Fleisch mehr zu bezahlen.

 

Sollte man Fleischkonsum reduzieren?

Die Debatte unter der Umfrage dreht sich nicht nur um die Fleischpreise, sondern auch um den generellen Fleischkonsum. Uschi B. fordert auf: "Jeder sollte seinen Fleischkonsum überdenken. Solange es einen Metzger gibt, gehe ich dorthin aber nicht jede Stadt, Ort hat nen Metzger. Wir als Eltern haben immer darauf geschaut, dass nicht jeden Tag Fleisch auf dem Tisch steht. In unserer Kinder- und Jugendzeit gab es am Sonntag Fleisch. Es wahr immer etwas besonderes!" Pat C. plädiert sogar dafür, ganz auf Fleisch zu verzichten: "Man sollte gar kein Fleisch mehr essen. Schaut euch die Bilder aus der Massentierhaltung an und guten Appetit! Auch die Bio-Rinder möchten leben."

Was denken Sie? Diskutieren Sie mit und schreiben Sie uns Ihre Meinung unter unserer Umfrage.

 Der Corona-Ausbruch bei Fleisch-Riese Tönnies hat auch Auswirkungen auf das Allgäu: Der Konzern hat die Schlachtungen im Schlachthof Kempten ausgesetzt. Die Gründe erfahren Sie exklusiv hier (AZ Plus).

 

Bundesweite Debatte über Fleischpreise

Der Corona-Ausbruch in Schlachthof in Ostwestfalen entfacht die Debatte über Billigpreise in der Fleischindustrie in ganz Deutschland: Politiker kritisieren die Arbeitsbedingungen in der Schlachtbranche.  Der schwäbische Handwerkskammer-Präsident und selbstständige Metzgermeister Hans-Peter Rauch glaubt, dass die jüngsten Ereignisse in der Fleischbranche Auswirkungen auf die Verbraucherpreise haben werden und Fleisch teurer wird. So waren bis zur Schließung bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück täglich etwa 20.000 Schweine geschlachtet worden. Wenn jetzt weniger Fleisch auf den Markt komme, würden die Preise anziehen, sagt Rauch – auch bei den großen Discountern.

In welchen Produkten Fleisch von Tönnies steckt, erfahren Sie hier.