Gericht

21-Jähriger schlägt mit Sneaker zu: 900 Euro Geldstrafe

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Weil ein 21-Jähriger aus dem Ostallgäu einem Security-Mitarbeiter mit einem Sneaker ins Gesicht schlug, stand er vor dem Kaufbeurer Amtsgericht.

Bild: AdobeStock (Symbolfoto)

Weil ein 21-Jähriger aus dem Ostallgäu einem Security-Mitarbeiter mit einem Sneaker ins Gesicht schlug, stand er vor dem Kaufbeurer Amtsgericht.

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Ostallgäuer wird wegen Körperverletzung verwarnt. Vor Gericht stand er wegen Hausfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung.

Von Elisa Hanusch
01.07.2020 | Stand: 06:45 Uhr

Weil ein 21-Jähriger aus dem Ostallgäu einem Security-Mitarbeiter mit einem Sneaker ins Gesicht schlug, stand er vor dem Kaufbeurer Amtsgericht. Die Anklage lautete auf Hausfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung.

Der Vorfall ereignete sich Mitte Januar. Spät in der Nacht kam der Angeklagte alkoholisiert zu einer Veranstaltung in ein Schützenheim, obwohl ihm zuvor ein Security-Mitarbeiter des Veranstalters einen Platzverweis und Hausverbot erteilt hatte. Da dies aber nicht vom Besitzer selbst kam, verwies der Verteidiger darauf, dass dieser Anklagepunkt nicht von Belang sei. Das Gericht stimmte ihm zu. Damit war der Vorwurf des Hausfriedensbruchs hinfällig.

Angeklagter nutzt offenstehenden Notausgang

In der polizeilichen Vernehmung hatte der Geschädigte zur Körperverletzung ausgesagt, dass der Angeklagte, nachdem er ihn aus den Räumlichkeiten entfernt hatte, den offenstehenden Notausgang nutzte, um wieder ins Gebäude zu kommen. Nachdem ihn der Geschädigte unter verbaler Gegenwehr hinausbegleitet hatte, kam der Angeklagte abermals zurück, sodass ihn der Security-Mitarbeiter vor sich herschob und vom Gelände drängte. Hierbei wehrte sich der Angeklagte verbal und körperlich. Der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes versuchte daher, den Abstand zu dem 21-Jährigen zu vergrößern. Dieser stolperte jedoch und verlor einen seiner Sneakers. Danach schlug er mit dem Schuh dem Security-Mann ins Gesicht.

Security-Mitarbeiter erscheint nicht vor Gericht

Wie groß der Schmerz für den Sicherheitsdienst-Mitarbeiter war, ließ sich in der Verhandlung schwer nachvollziehen. Denn es gab weder Fotos noch Berichte und der Geschädigte erschien trotz Ladung nicht vor Gericht. Der Schuh lag jedoch vor: Da er eine weiche Sohle besitzt, ging der Richter davon aus, dass der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung nicht zutreffe.

Der Angeklagte selbst konnte sich laut eigener Aussage wegen der starken Alkoholisierung mit 2,18 Promille nicht mehr an den genauen Hergang erinnern. Auch der Verteidiger verwies auf die „rudimentären Erinnerungssequenzen“ und erklärte, dass der Angeklagte die Beschreibung des Geschädigten nicht bestreite und das Ganze zutiefst bedaure. Trotzdem er an dem Abend „ordentlich getankt“ hatte, wie es die Richterin „salopp“ formulierte, beschrieb ihn die Polizei in ihrem Eindrucksvermerk als „höflich und kooperativ“.

Bericht der Jugendgerichtshilfe: Gefestigt und unauffällig

Der Bericht der Jugendgerichtshilfe stellte ihn als gefestigten jungen Menschen dar, der im elterlichen Haushalt wohne, vor seiner verkürzten Ausbildung zum Industriemechaniker seine Mittlere Reife geradlinig abschloss und nie Entwicklungsauffälligkeiten zeigte. Außerdem sei er in verschiedenen Jugendgruppen aktiv und helfe in der Freizeit im elterlichen Betrieb. Konflikte löse der Angeklagte normalerweise verbal, er sei nicht vorbestraft und hätte nie Jugendhilfeleistungen in Anspruch genommen.

Auch während der Verhandlung zeigte er sich „überwältigt von den Konsequenzen des Handelns“. Aufgrund dieser Erhebung wurde von der Jugendgerichtshilfe ein Urteil nach Jugendstrafrecht empfohlen. Den Alkoholkonsum hielt sie in dem am Tatabend und als vom Angeklagten üblich angegebenen Maße für „ein ernst zu nehmendes Problem“, weshalb Einzelgespräche bei der Suchtfachambulanz der Caritas empfohlen wurden.

Staatsanwältin: Vorsätzliche Körperverletzung

Die Staatsanwältin resümierte in ihrem Plädoyer, dass sich der Sachverhalt bestätigt und sich der Angeklagte der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht hätte. Für ihn spräche die Enthemmung durch die starke Alkoholisierung, dass er große Reue zeigte und nicht vorbelastet sei. Anlasten müsse man ihm aber die nicht unerhebliche Art des Angriffs. Die Staatsanwältin riet, den Angeklagten nach Jugendstrafrecht zu verwarnen, eine Geldbuße von 900 Euro und die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. Der Verteidiger stimmte der Beurteilung zu, plädierte aber für eine Geldauflage von 500 Euro und einige Beratungsstunden wegen des Alkoholkonsums.

Ostallgäuer mit erheblichem Alkoholkonsum

Die Richterin folgte der Staatsanwaltschaft und verhängte zusätzlich vier Einzelgesprächstermine an der Suchtfachambulanz. Derartiger Alkoholkonsum könne „nicht als unerheblich erachtet werden“, außerdem ermahnte sie den Angeklagten, sich „an der Grenze zur gefährlichen Körperverletzung“ befunden zu haben, deren Überschreitung als „erhebliche Straftat“ gelte. Auf Rechtsmittel wurde verzichtet und das Urteil somit rechtskräftig.