Fasching

Auf den Spuren des närrischen Treibens in Kaufbeuren

Ein wertvolles Zeugnis der Kaufbeurer Faschingskultur im 19. Jahrhundert: Die „Schropprolle“.

Ein wertvolles Zeugnis der Kaufbeurer Faschingskultur im 19. Jahrhundert: Die „Schropprolle“.

Bild: Stadtmuseum Kaufbeuren

Ein wertvolles Zeugnis der Kaufbeurer Faschingskultur im 19. Jahrhundert: Die „Schropprolle“.

Bild: Stadtmuseum Kaufbeuren

Das Stadtmuseum bietet auf seiner Homepage mit der „Schropprolle“ einen Blick in die Geschichte an. Für Kinder gibt es eine Bastelaktion.
10.02.2021 | Stand: 06:15 Uhr

Da das Faschingstreiben aufgrund der Corona-Pandemie in Kaufbeuren in diesem Jahr nicht in seiner üblichen Form stattfindet, hat das Stadtmuseum Kaufbeuren ein kleines, digitales Ersatzangebot für Faschingsfreunde entwickelt.

"Schropprolle" ist ein bedeutendes historisches Dokument

So können die Kaufbeurer ab sofort auf der Homepage oder dem Youtube-Kanal des Stadtmuseums die sogenannte „Schropprolle“ digital betrachten. 1845 wurde in Kaufbeuren die Karnevalsgesellschaft „Schellenkäppler“ gegründet. Neben Maskenfesten und närrischen Theatervorführungen veranstaltete der Verein, der etwa 60 Mitglieder hatte, auch Fastnachtsumzüge durch die Stadt.

1886 schliefen die Aktivitäten des „Schellenkäppchenvereins“ aus unbekannten Gründen wieder ein. Neben spärlichen Notizen über diese Karnevalsgesellschaft hat uns der Konditormeister Andreas Schropp (1781 bis 1864) wertvolle Einblicke in das Kaufbeurer Faschingstreiben hinterlassen.

Andreas Schropp: Wertvolle Bildquellen aus Kaufbeuren

Schropp verfügte zwar über keine künstlerische Ausbildung, doch verdankt ihm die Kaufbeurer Geschichtsschreibung eine Vielzahl von Stadtansichten und Alltagsszenen, die heute wertvolle Bildquellen darstellen.

Im Bestand des Stadtmuseums befindet sich auch die „Schropprolle“, eine schmale Papierrolle, die einen großen Faschingsumzug zeigt: Der Faschingsprinz mit seinem Hofstaat, Musiker, die Sieben Schwaben, Maskierte in Kutschen und Schlitten und viele andere Narren sind darauf zu entdecken. Der zwölf Meter lange Papierstreifen ist in einem Kästchen montiert. Mit Hilfe von zwei kleinen Kurbeln kann der Betrachter Szene für Szene abspulen.

Stadtmuseum erweitert das digitale Angebot

Die Papierrolle entstand wohl um 1850 und dokumentiert das Karnevalstreiben verschiedener Jahre. Handschriftliche Notizen verraten bei einigen Narren, welche Kaufbeurer Bürger zu sehen sind. Normalerweise kann die „Schropprolle“ in der Dauerausstellung des Stadtmuseums bewundert werden.

Eine Medienstation ermöglicht es, die Szenen in der kompletten Länge zu betrachten, zudem gibt es Hintergrundinformationen zu den Darstellungen. Kinder können Rätsel rund um die Szenen des Karnevalszugs lösen. Da das Museum derzeit geschlossen ist, kann das wertvolle Bilddokument zur Kaufbeurer Faschingskultur im 19. Jahrhundert ab sofort online eingesehen werden.

Angebot für Kaufbeurer Kinder

Für Kinder und Familien gibt es außerdem ein zusätzliches Faschings-Angebot. Unter der Rubrik „Kreativ zuhause“ bietet das Kaufbeurer Stadtmuseum auf seiner Homepage eine Anleitung für die Gestaltung einer Tiermaske. Aufhänger für dieses Angebot ist eine historische Löwen- oder Tigermaske aus Stoff, die als Kopfbedeckung getragen wurde und sich heute in der Museumssammlung befindet. Die Maskierung wurde wohl von einem Kaufbeurer oder einer Kaufbeurerin in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gebastelt und getragen.