Olympische Winterspiele in Peking

Tagelanges Nasenbluten und Temporausch: die bizarren Erlebnisse des ARD-Reporters Bernd Schmelzer

Alleinunterhalter in Kaufbeuren: Bernd Schmelzer (links) beim Vortrag vor den Gästen der SVK im Gasthaus Goldener Hirsch mit den Gastgebern (oben von rechts) Helmut Bucher (Vorstandssprecher) und Rudi Schnippe (Förderverein).

Alleinunterhalter in Kaufbeuren: Bernd Schmelzer (links) beim Vortrag vor den Gästen der SVK im Gasthaus Goldener Hirsch mit den Gastgebern (oben von rechts) Helmut Bucher (Vorstandssprecher) und Rudi Schnippe (Förderverein).

Bild: Harald Langer

Alleinunterhalter in Kaufbeuren: Bernd Schmelzer (links) beim Vortrag vor den Gästen der SVK im Gasthaus Goldener Hirsch mit den Gastgebern (oben von rechts) Helmut Bucher (Vorstandssprecher) und Rudi Schnippe (Förderverein).

Bild: Harald Langer

Von Begegnungen mit Robotern und Essen per Seilzug: Eine Bilanz der Winterspiele in Peking schilderte Journalist Bernd Schmelzer bei einem Besuch in Kaufbeuren.
14.04.2022 | Stand: 05:00 Uhr

„Please take temperature“ – bitte messen sie ihre Temperatur. Der Satz sei allgegenwärtig bei den Olympischen Winterspielen in Peking gewesen, erzählte Bernd Schmelzer. Der Reporter war für die ARD 21 Tage in China gewesen, zum zweiten Mal nach den Sommerspielen 2008.

„Aber es war kein Vergleich zu damals“, berichtete Schmelzer in Kaufbeuren weiter, wo er auf Einladung des Fördervereins der Spielvereinigung war. „Doch es hat sich gelohnt“, resümierte der 56-Jährige.

Bernd Schmelzer: ARD-Reporter hält Vortrag in Kaufbeuren

Bevor er nach China flog, musste er schon drei negative Tests vorweisen – und nach der Akkreditierung vor Ort kam der erste PCR-Test: „Ich hatte danach drei Tage Nasenbluten.“ Während seines Aufenthalts machte Schmelzer weitere 19 PCR-Tests.

Wobei er einen Schreckmoment gleich am Anfang hatte: Denn in seinem Flieger saßen auch die Nordischen Kombinierer und das Eishockeyteam – und dort gab es positive Fälle. Doch die Vorsicht der Chinesen sei insgesamt erfolgreich gewesen: Nach den ersten Tagen habe es keine weiteren Corona-Fälle mehr gegeben. Aber die Obacht trug skurrile Züge.

Bei den Olympischen Winterspielen: Millionenstadt ohne Menschen

Im Hotel in Yanqing liefen ihm überall nur Roboter über den Weg, auch sonst waren die Journalisten völlig abgeschirmt. „Ich war in einer Millionenstadt, aber habe keine Einheimischen gesehen“, erzählte Schmelzer. Bis auf die Busfahrer.

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Denn immer musste ein Bus genommen werden, deren Fahrer angehalten waren, vorsichtig zu sein – was zu absurden Szenen führte.

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Bernd Schmelzer berichtet über Peking: Zweieinhalb Stunden für 450 Meter

Vom Skistadion kroch deshalb ein Wagen mit acht km/h auf den Berg. „Aber alle Busse mit Wasserstoff. Ich war erstaunt, wie weit die Technik ist.“ Und statt 450 Meter zu Fuß zum Bahnhof zu gehen, um nach Peking zu fahren, dauerte der Bustransport vom Hotel dorthin zweieinhalb Stunden.

Aber auch in der chinesischen Hauptstadt waren Menschen Fehlanzeige. Die traf Schmelzer erst, als er in das gigantische internationale Pressezentrum kam – und in dessen „tiefgaragengroße Kantine“. Dort musste das Essen per App bestellt werden, wurde dann von Robotern sortiert und per Seilzug zum Platz des Auftraggebers transportiert.

Chinesen "baff" über Schnee

Die Sportanlagen wiederum waren „toll“ und mit perfektem Kunstschnee präpariert – der allerdings seltsam und auf jeder Piste anders gewesen sei. Zwar war es an der Anlage in den Bergen „saukalt“ – 25 Grad minus – dennoch seien die Chinesen dort baff gewesen, als es tatsächlich geschneit habe:

„In dem Gebirge schneit es sonst nie.“ Immerhin habe es für Journalisten keine Probleme gegeben, Sportler am Stadion zu treffen – und in den Gondeln auch nicht, die statt der Busse genommen werden konnten.

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Siebeneinhalb Stunden im Zollbereich

Unfreiwilligen Kontakt mit Einheimischen hatten bei der hektischen Abreise Kollegen von Schmelzer: Die wurden vom Busfahrer am falschen Portal abgesetzt: „Da standen auf einmal normale Menschen – schockierend“, kommentierte der Reporter süffisant. Er selbst musste acht Stunden vor dem Abflug am Flughafen sein. Und war schon nach einer halben Stunde im Zollbereich, da hunderte Flughafenmitarbeiter die Gäste abgefertigt hatten:

„Wir hatten das Gefühl, dass wir schnell abreisen sollten“, sagte Schmelzer. Doch die Zeit verging langsam, denn alsdann saßen die Journalisten siebeneinhalb Stunden im Zollbereich, in dem alles geschlossen hatte.

Gedenken der Kriegsopfer in Kaufbeuren

Da erlebten die Vorstandsmitglieder von SVK und des Fördervereins sowie deren Gäste einen geruhsameren Abend. Den allerdings hatte Initiator Rudi Schnippe ernst begonnen: Er forderte ein kurzes Innehalten wie auf vielen Fußballplätzen, um der Opfer der „Gräueltaten und Morde der russischen Soldaten“ zu gedenken. Da seien die Ausführungen von Schmelzer – „unter den Journalisten ein ganz großer“ – willkommene Abwechslung, denn der berichtete aus seinem Tagebuch aus Peking, und zwar aus der erweiterten Version, erklärte Schnippe.

Fazit: "sehr spezielle Spiele"

Insgesamt zog Schmelzer ein positives Fazit von den Winterspielen, trotz der Prognose, dass es „die schwierigsten Spiele aller Zeiten“ sein werden. Vielmehr seien es „sehr spezielle Spiele gewesen“, betont der Reporter. Allerdings weniger dramatisch als befürchtet – vor allem bei der staatlichen Überwachung oder Unterdrückung.

Aber es habe eben auch keinerlei Kontakt zur Bevölkerung gegeben – dafür zu allerlei kuriosen Robotern.

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