Ausblick

Bringt das neue Jahr auch neue Hoffnung?

Auf dem Kaufbeurer Waldfriedhof ist die große Zahl der aufgelassenen Grabstellen inzwischen unübersehbar.

Auf dem Kaufbeurer Waldfriedhof ist die große Zahl der aufgelassenen Grabstellen inzwischen unübersehbar.

Bild: Jürgen Gerstenmaier

Auf dem Kaufbeurer Waldfriedhof ist die große Zahl der aufgelassenen Grabstellen inzwischen unübersehbar.

Bild: Jürgen Gerstenmaier

2021 muss doch einfach besser werden, als es 2020 war, findet unser Autor. Ein Besuch an Orten, die man auf Anhieb nicht mit Zuspruch und Zuversicht verbindet.
30.12.2020 | Stand: 06:45 Uhr

Nur noch wenige Tage, dann ist es Geschichte, das Jahr 2020. Mit wem man auch redet, kaum einer, der nicht findet: das war kein gutes Jahr, 2021 kann eigentlich nur besser werden, hoffentlich. Hoffnung, Zuversicht, Zuspruch findet man oft genug an Orten, die man auf Anhieb gar nicht mit diesen Begriffen verbinden würde. Ein Besuch auf zwei Friedhöfen der Region.

Kaufbeuren, Waldfriedhof. Auf dem Parkplatz stehen auch Autos mit Münchner Kennzeichen, eines mit GZ für Günzburg. Ein älteres Ehepaar mit einem kleinen Gesteck besucht das Grab der Mutter der Frau, die schon vor drei Jahrzehnten beerdigt wurde. „Aber auch nach all den Jahren“, sagt die Frau, „fehlt sie mir an Weihnachten besonders.“ Und, mit einem Seitenblick auf ein ziemlich frisches Grab: „Aber wenigstens hat sie den ganzen Schlamassel mit Corona nicht mitmachen müssen.“ „Ach früher“, schränkt ihr Mann ein, „gab´s halt andere Sachen.“

Laubbläser und Maulwurfhügel auf dem Kaufbeurer Waldfriedhof

Nebenan der unvermeidbare Lärm eines Laubbläsers. Vor einer Wand mit Urnengräbern schiebt ein Mitarbeiter der Stadt die Erde von Maulwurfhügeln mit einem Besen auf seine Schaufel und kippt sie dann auf den Anhänger seines kleinen Gefährts. Der Erfolg seiner Arbeit wird wohl nicht ewig halten, lange wird es nicht brauchen, bis die nun glatte Rasenfläche wieder eine Hügellandschaft ist.

Zwischenstopp bei den Engelsfiguren

An den Baumgräbern erinnern kleine goldene Tafeln an die dort Bestatteten. Und immer wieder viele aufgelassene Grabstellen neben und zwischen dem ein oder anderen Grab, dem man ansieht, dass hier schon lange kein Besucher mehr nach dem Rechten gesehen hat. Ein schwarzes Eichhörnchen huscht zwischen den Bäumen in Richtung der Gedenk- und Ruhestätte für totgeborene Kinder. Unzählige Engelsfiguren erinnern an die, die auf dieser Welt niemand kennenlernen durfte. Hinter dem Zaun, der den parkähnlichen Friedhof umgrenzt, ein Pärchen, dessen junger Hund gar nicht weiß, wohin mit all seiner ganzen Energie.

Hotspot Waal: Besuch beim Senioren- und Pflegeheim

Ortswechsel. Waal. Das Senioren- und Pflegeheim dort war Ende März zu einem der ersten Hotspots in Sachen Corona geworden, in kurzer Zeit waren 20 Tote zu beklagen. Was damals noch für gelähmtes Entsetzen sorgte, ist inzwischen irgendwie traurige Routine geworden. Landauf, landab sorgt das Virus für grausige Nachrichten. An der unteren Mauer der stattlichen Ortskirche bröckelt der Putz. Im Dorfladen herrscht geschäftiges Treiben.

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Der gepflegte Friedhof gegenüber dem Passionsspieltheater wirkt so ganz anders als der weitläufige in Kaufbeuren, so klein, so überschaubar. Ein Mann, der Laub und welke Pflanzen vom Familiengrab entfernt, sagt, dass er sich heuer aus einem ganz besonderen Grund riesig auf Silvester freut: „Wenn es diesmal kein Feuerwerk gibt, müssen wir keine Angst um unsere Katzen haben.“ Es ist schon etwas dran: Jede Medaille hat ihre zwei Seiten.