Kaufbeuren

Das Bähnle ächzt unter der Bürokratie

Nach den tollen Tagen ist vor den tollen Tagen. Noch nicht einmal die Fastenzeit hat geendet, da plant der Verein Faschings-Express Kaufbeuren bereits für die nächste Saison. Die Ehrenamtlichen wollen auch im kommenden 70. Jahr, in dem die Bimmelbahn pfeifend durch die Stadt rollt, auf dieses in der ganzen Region beliebte Angebot setzen. Doch sie plagt zunehmend die Bürokratie. „Wir werden behandelt wie ein Busunternehmen“, sagt Vorstand Marcus Siegel.

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Von avu
03.04.2019 | Stand: 15:46 Uhr

Generationen von Kaufbeurern kennen ihren Faschings-Express mit der Haltestelle „Kaufblonzen“ am Buron-Center. Jede Saison in der Woche vor Fasching bis Aschermittwoch rollt er für 7000 bis 8000 Kinder in Stadt und Land. 1950 machten sich Adolf Erdt, der Vater der Bimmelbahn, seine Spezln Josef Siegel und Anton Hartwig für die Jungfernfahrt an die Arbeit. Auch um die Finanzierung auf sichere Beine zu stellen, riefen die Kinder der Gründergeneration Mitte der 1980er Jahren den Verein Faschings-Express Kaufbeuren mit seinen heute 55 Mitgliedern unter Führung des Vorstandstrios Martin Glogowski, Marcus Siegel und Axel Landvogt ins Leben. Mittlerweile stellt die Firma AGCO/Fendt jedes Jahr eine Zugmaschine zur Verfügung. Andere Firmen unterstützen den Verein bei der Anschaffung der Süßigkeiten für die Kinder und der Verpflegung der Helfer. „Die Kleinen freuen sich jedes Jahr riesig“, sagt Fahrdienstleiterin Nadja Siegel. Doch die Ehrenamtlichen kommen längst an ihre Grenzen.

Denn ständig neue Bestimmungen machen es dem Verein immer schwerer, die Bimmelbahn an Fasching rollen zu lassen. Axel Landvogt berichtet von „bürokratischen Hürden“, die zu überwinden viel Aufwand und auch Geld kostet. So müsse die Zugmaschine und jeder Wagen separat jährlich zum TÜV, anschließend das Gespann als Ganzes abgenommen werden. Dieses Gutachten ist nötig, damit die Regierung von Schwaben die Fahrtgenehmigung ausstellen kann. Auch die Genehmigung für die Routen, die bei der für Personenbeförderung zuständigen Regierung der Oberpfalz sowie der Stadt Kaufbeuren zu beantragen ist, hält die Mitglieder auf Trab.

Bei sechs Routen zwischen den Kindergärten in den Gemeinden und der Stadt sowie den „Bahnhofs“-Fahrten kommen immerhin 70 Strecken zusammen, alle abgestimmt mit Regierung, Stadt, Landkreis und Polizei. Zudem müssen die Fahrer, die ehrenamtlich in ihrem Urlaub fahren, neben ihren Führungszeugnissen auch Sonderführerscheine zur Personenbeförderung vorweisen. Landvogt spricht aber auch von einem riesigen logistischen Aufwand, noch bevor das erste Mal die Pfeife der Bimmelbahn ertönt: neben Transporten und Absperrungen warten, reparieren und gestalten die 30 Helfer die Hänger und bauen den Bahnhof „Kaufblonzen“ auf.

Der Fahrpreis für die Linienfahrten mit Bahnhofshalt ist bis heute stabil. Zuletzt hatte der Verein bei den 20-minütigen Sonderfahrten nebst Bonbons und Musik, also den Kindergartenstrecken, von ein auf zwei Euro erhöht, um die Kosten einigermaßen decken zu können. Fünf Kindergärten und Schulen in Kaufbeuren machten trotz der vorherigen Information daraufhin nicht mehr mit. „Das hat uns sehr enttäuscht“, sagt Landvogt. Ob es bei dem einen Euro für die Linienfahrten bleibt, soll demnächst bei einer Vorstandssitzung entschieden werden.

Die Ehrenamtlichen sind trotz der Probleme voll motiviert, nächstes Jahr den 70. Geburtstag gebührend zu begehen. „Wir tun das ja für die Kinder“, sagt Landvogt – „nicht für die Bürokraten“. Die närrische Zeit hat für den Verein bereits wieder begonnen.