Kleinkunstbühne

Das Kaufbeurer Podium will endlich wieder durchstarten

Die lange Corona- und Sommerpause nutzte das Team des Podiums für Reparatur- und Umbauarbeiten. Nun startet die Kaufbeurer Kleinkunstbühne in die neue Saison.

Die lange Corona- und Sommerpause nutzte das Team des Podiums für Reparatur- und Umbauarbeiten. Nun startet die Kaufbeurer Kleinkunstbühne in die neue Saison.

Bild: Mathias Wild

Die lange Corona- und Sommerpause nutzte das Team des Podiums für Reparatur- und Umbauarbeiten. Nun startet die Kaufbeurer Kleinkunstbühne in die neue Saison.

Bild: Mathias Wild

Nach der langen Corona- und Sommerpause beginnt die neue Saison mit einem vielfältigen Programm. Wie neue Technik für sicheren Kulturgenuss sorgen soll.
05.09.2020 | Stand: 11:30 Uhr

Lange war die Kellerbühne des Kaufbeurer Podiums verwaist – erst die unfreiwillige Coronapause, dann die übliche Sommerpause. Doch im altehrwürdigen Gebäude an der Inneren Buchleuthe herrschte dennoch rege Betriebsamkeit. Denn die Macher des Kulturvereins setzten alles daran, dass das Podium trotz vieler Widrigkeiten nun wieder in die neue Saison starten kann. Dazu haben sie zum einen ein gewohnt vielfältiges und anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Zum anderen weht dort ab sofort ein frischer Wind. Denn die Lüftungsanlage des Veranstaltungsraumes wurde mit einem Hochleistungsfilter versehen, der neben Schadstoffen und unangenehmen Gerüchen auch Viren, Bakterien und Allergene aus der Atemluft entfernen soll. Außerdem wurde die Anzahl der Plätze in der Kellerbühne stark reduziert, damit die Corona-Abstandsregeln eingehalten werden können. An den Begegnungsstellen zwischen Besuchern und Personal gibt es nun Plexiglasscheiben, und im gesamten Haus bestehen ausreichend Möglichkeiten, sich die Hände zu waschen und zu desinfizieren. Folgende Veranstaltungen sind bis zum Jahreswechsel vorgesehen:

Kunstausstellung zum Auftakt

Den Saisonauftakt macht wieder eine Ausstellung in der Podium-Galerie. Brigitte Antichi zeigt unter dem Titel „Kunterbuntes“ ihre Gemälde. Die Bandbreite reicht dabei von Obst- und Gemüse-Stillleben über Tierdarstellungen und Porträts bis hin zu Landschaften und Abstraktem. Die Schau wird am Mittwoch, 9. September, um 20 Uhr eröffnet. Anschließend ist sie bis 12. Dezember dienstags bis freitags von 9 bis 12 Uhr sowie bei Veranstaltungen im Podium von 19 bis 23 Uhr zu sehen.

Stand-Up-Kabarett von und mit Simon Pearce gibt es am Samstag, 12. September im Podium. Unter dem Titel „Allein unter Schwarzen“ begegnet der dunkelhäutige Urbayer Rassismus mit Humor und spricht auf der Bühne über fremde Hände in seinen Haaren, Polizeikontrollen und sein Leben als Schwarzer im Freistaat. Seit seiner Jugend steht der Deutsch-Nigerianer als Schauspieler vor der Kamera und auf der Bühne. In seinem ersten Kabarett-Soloprogramm macht er nun sein eigenes Leben zum Gegenstand einer Comedy-Performance.

„Hauptsache es knallt“, so hat Robert Griess sein aktuelles Kabarettprogramm betitelt, das er am Freitag, 25. September, im Podium präsentiert. Griess rechnet mit einer Welt ab, in der nicht mehr Solidarität und Empathie als noble Charakter-Eigenschaften gelten, sondern Gier und Egoismus. Wieso sind ausgerechnet Reiche gegen Mindestlöhne, lassen sich aber auf Charity-Bällen als Menschenfreunde feiern? Weshalb bekommen Manager Bonus-Zahlungen, Krankenschwestern jedoch nicht? Warum geht es beim Sparen immer nur um Renten und Löhne, aber nie um Vermögenssteuern? Diesen Fragen geht der Satiriker im Heiner-Müller-Schlingensief-Stil nach.

Annette Kruhl zieht Bilanz

Mit einem neuen Musikkabarett-Programm gastiert Annette Kruhl am Freitag, 2. Oktober, wieder auf der Kaufbeurer Kleinkunstbühne. „Eigentlich wollte ich Filmstar werden“ heißt es und bildet ein Fazit des bisherigen Werdegangs der Künstlerin. Nach 25 Jahren und sieben Soloshows präsentiert sie Glanzpunkte aus ihrem Repertoire und zieht eine amüsante Bilanz – auch musikalisch. Ihr Hit „Sommer in Berlin“ und ihre Deutschpop-Persiflage „Dein Wein“ fehlen ebenso wenig wie ihre Hymne auf die bayrischen Männer und ihre Helene Fischer-Parodie.

„Songs and Stories from the North of Ireland“, so ist der Irish-Folk-Abend betitelt, den Colum Sands am Samstag, 17. Oktober, im Podium gestaltet. Der Künstler wuchs als Mitglied der bekannten Sands Family aus der Grafschaft Down in Nordirland in einem Zuhause auf, in dem Musik, Geschichten und Lieder Teil des alltäglichen Lebens waren. So sind Colums Auftritte und Lieder voller faszinierender und amüsanter Anekdoten aus dem Alltag. Obwohl viele seiner Stücke unverkennbar ihren Ursprung in Nordirland haben, wollen sie jegliche Grenzen überbrücken.

Sound aus dem Sumpf

Die Musik der französischen Band Le Clou hat ihre Wurzeln tief in den Südstaaten der USA. In den Swamps, den Sümpfen des Mississippi-Deltas, leben die Cajuns, Nachfahren von Siedlern aus Frankreich, die vor über 200 Jahren nach Nordamerika kamen. In den abgelegenen Bayous westlich von New Orleans haben sie lange isoliert gelebt und sich mit Stolz und Selbstbewusstsein bis heute ihre eigene Lebensart, ihre Kultur und ihre französische Sprache bewahrt. Le Clou huldigen diesem „Sound aus dem Sumpf“ am Samstag, 7. November, in der Kaufbeurer Kellerbühne.

Eine neue Zeit ist angebrochen und zieht in ihren Bann. Berlin ist wieder das Zentrum. Hier spielt die Musik. Party ist angesagt. Die Stimmung steigt. Die Mieten auch. Das Karussell dreht sich wie in den Goldenen Zwanziger Jahren. In seinem neuen Kabarettprogramm nimmt Altmeister Arnulf Rating diesen „Zirkus Berlin“ genauer unter die Lupe – so auch am Samstag, 14. November, in der Wertachstadt. Schließlich lebt der letzte der legendären 3 Tornados seit Jahren mittendrin in dieser Manege.

Der Kapitalismus-Versteher

Chin Meyer hat eine neue Satireform begründet: das Finanzkabarett. Dieser frönt er auch in seinem Programm „Leben im Plus“, das er am Samstag, 12. Dezember, im Podium aufführt. Bissig-unterhaltsam und aktuell nimmt Meyer private und politische Verheißungen und Glücksversprechen ins Visier. Doch was passiert eigentlich, wenn wir Hybriden aus Hippie und Kapitalist oder aus Staatschef und Idiot oder gar Algorithmen die Macht über uns überlassen? Was läuft schief, wenn reiche Eliten per Cum-Ex- und Cum-Cum-Deals in kürzester Zeit die Konten der Finanzämter leerräumen? Seine scharfzüngigen Antworten auf diese Fragen sieht der selbst ernannte „Kapitalismus-Versteher“ Meyer als Plädoyer für Demokratie und Pluralismus.

Einen „Neujahrsempfang“ der besonderen Art gibt es heuer beim Silvesterkabarett des Podiums, das voraussichtlich wieder im Kaufbeurer Stadtsaal stattfinden wird. Am Donnerstag, 31. Dezember, ab 19 Uhr präsentiert das Duo Eisenberg und Kusenberg sein gleichnamiges Programm. Dabei soll es keine öden Reden, sondern Tacheles und Pointen geben. Benjamin Eisenberg und Ludger Kusenberg (alias Ludger K.) schauen mitleidlos sowohl auf das abgelaufene Jahr als auch auf das Elend, das uns im neuen Jahr erwartet. Angriffslustig wollen sie über Politik und andere Dschungelcamps lästern. Unterstützt werden sie dabei von Christian Hirdes am Klavier. (maf/az)

Beginn der Veranstaltungen ist, soweit nicht anders vermerkt, um 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf ab sofort unter anderem beim Ticketservice der Allgäuer Zeitung, Telefon 0831/2065555, Internet:

www.allgaeuticket.de

Der Vorverkauf für die Silvestergala beginnt am 31. Oktober.

www.podium-kaufbeuren.de